Susanne Schaber, Im Stein
Zu Beginn steht so etwas wie die Schöpfungsgeschichte der Alpen, sie sind tatsächlich steinalt und Zeit spielt bei ihnen keine Rolle. "Dein Jahrhundert ist meine Sekunde" (11) heißt es ehrfurchtsvoll bei Cees Nooteboom, der vor einer Felswand in die Knie geht.
Gletscher und Erdpyramiden haben gemeinsam, dass sie zwar wie ewig ausschauen, in Wirklichkeit aber höchst fragile und komplexe Gebilde sind. Für die Schicht von einem Zentimeter Eis braucht es übrigens 80 cm Neuschnee.
Ja die Almen, sie winken wie eine hochgezogene Fahne übers Land, werden in Liedern besungen, erinnern in der Schweiz an Heidi und in Tirol an Kathi, und immer wieder gibt es dichtende Almbauern und sennende Dichter.
Wenn in einem normalen Verlag plötzlich ein promovierter Theologe publiziert, heißt es für den klugen Leser: Vorsicht, ungefragte Gottesbeweise liegen in der Luft!
Aus dem Agentenmilieu kennen wir das Undercover-Syndrom, es geht um verdeckte Ermittlungen, verdeckte Recherchen, verdeckte Fahndungen. Ludwig Thalheimer fotografiert in Undercovermanier.
Üblicherweise kommt die Kunst in frische Gebäude, wird manchmal konzeptuell bei der Errichtung des Bauwerks mitgedacht oder nach Vollendung des Baus als Behübschung mit schlechtem Gewissen angefertigt.
Manche Buchtitel summen wie eine Kaufhaus-Melodie durchs Ohr des Lesers, Himmel über Berlin, Himmel über Meran, es bahnt sich etwas Schönes an.
Also vorsichtig formuliert sind diese geschorenen Gedichte dünn, kurz, oft gibt es nur ein paar Wörter und Wortteile zu sehen und zu verstehen. Verstehen ist vielleicht gar nicht so wichtig, die semantischen Pflugscharen im Sprachacker sind oft nur abgestellte Geräte, mit denen in einer besseren Jahreszeit etwas passieren könnte.
Was wir im Tirolerischen Dialekt als sachte Anmache empfinden, etwa "Ruck zouba!", ist in diesem Buch chinesisch und heißt "Gehen wir!"
Ein guter Auszählreim ist immer von Nutzen. Mehrmals am Tag gibt es Situationen, wo man mit der Logik nicht mehr weiter kommt und sich aufs Auszählen verlassen muss. Zumindest deuten manche Personal- und Sachentscheidungen in Politik und Wirtschaftswelt darauf hin, dass Probleme oft mit Singsang bewältigt werden.