Aktuelle Buchtipps

 

Markus Lindner / Andreas Pavlic, Sternhagel

h.schoenauer - 26.04.2023

andreas pavlic, sternhagelBücherfreunde wissen: Die Steigerung von Buch heißt Umkehrbuch. Das ist eine Art U-Turn, wie man ihn im Rallye-Sport kennt. Man hält das Buch wie immer, macht einen U-Turn, und hat plötzlich ein anderes Buch in der Hand. Die erste Frage bei der Lektüre eines Split-Buches lautet folglich: Was lese ich zuerst? Lese ich in einem Zug bis zur Mitte, oder wechsle ich nach jedem Gedicht die Buchhälfte?

Markus Lindner und Andreas Pavlic schweißt ein Schicksal zusammen, sie sind beide von Tirol-Erinnerung gewürgte Aussiedler, die ihre Jugenderinnerungen an Innsbruck mit einem Blues würzen, um diesen schließlich mit überregionalen Themen zu überlagern.

Davide Morosinotto, Die dunkle Stunde des Jägers

andreas.markt-huter - 25.04.2023

davide morosinotto, die dunkle stunde des jägers„Die Welt endete an dem Tag, an dem ich den Herrn des Waldes tötete. Es war Ama, die ihn als Erste entdeckte. Sie war die Älteste von uns und auch die Schnellste, deshalb führte immer sie unsere Jagdexpeditionen an. Ich dagegen musste ganz hinten gehen, tausend Schritt hinter den anderen, zusammen mit Hona, Amas kleiner Schwester.“ (S. 5)

Alle Mitglieder des jugendlichen Jagdtrupps, außer Roqi, haben von den Geistern ihre Begabung erhalten und galten nun nicht mehr als Kinder, sondern bereiteten sich auf ihr Leben als Erwachsene vor. Roqi ist verunsichert, weil er sich seine Begabung nicht vorstellen kann, doch endlich auch zu den anderen gehören möchte.

Evelyne Lorenz, Das neunte Land

h.schoenauer - 24.04.2023

evelyne lorenz, das neunte landDer sogenannte Bundesländerroman gilt als eine raffinierte Besonderheit für die Rezeption der Literatur. Da der Grunderwerb von Lesen und Schreiben sowie das Betreiben von Schulen, Bibliotheken und Archiven meist in die Kompetenz der Länder fallen, hat sich ein eigenes Genre entwickelt, das fallweise die öffentlichen Bedürfnisse einer Region erfüllt. Im Volksmund nennt man dieses Kulturgut streng „Bundesländerroman“.

Evelyne Lorenz hat ein staatstragendes Jubiläum zum Anlass genommen, um anhand einer didaktischen Story die Geschichte des Burgenlandes in den letzten hundert Jahren zu erzählen. Der Bundesländerroman erweist sich dabei als passables Genre, um verzwickte Geschichte unterhaltsam darzustellen.

Jakob Wegelius, Sally Jones und die Schmugglerkönigin

andreas.markt-huter - 22.04.2023

jakob wegelius, sally jones und die schmugglerkönigin„Sie haben mich gebeten, alles aufzuschreiben, was ich über den Mann weiß, der Shetland Jack genannt wurde. Und das werde ich tun. Ich werde Ihnen über sein hartes Leben erzählen. Und ich werde die grausige Wahrheit über seinen gewaltsamen Tod berichten. Aber die Geschichte von Shetland Jack war mit seinem Tod nicht beendet. Und jetzt ist seine Geschichte zu einem Teil meiner eigenen geworden. Auch darüber muss ich schreiben, selbst wenn es mir schwerfällt.

Gorilladame und Maschinistin Sally Jones und ihr Kapitän Henry Koselka haben sich kaum im schönen Lissabon von ihrem letzten aufregenden und gefährlichen Abenteuer erholt, da kommen bereits neue, nicht weniger bedrohliche Ereignisse auf sie zu.

Alexander Kluge, Das Buch der Kommentare

h.schoenauer - 21.04.2023

alexander kluge, das buch der kommentareVom Gewicht her überstrahlt der Titel „Das Buch der Kommentare“ bei weitem den erfrischenden Zusatz „Unruhiger Garten der Seele“. Das eine erinnert an archaische Bibelformate jenseits von Raum und Zeit, das andere ist die zaghafte Verortung des Individuums im Garten der eigenen Seele.

Alexander Kluge hat sich zu seinem neunzigsten Geburtstag sein Werk abermals selbst erschlossen, indem er in drei Einleitungsgeschichten unerwartete Zugänge zur Welt freischaufelt.

Georg Vollmer, Eule Elli und die Sache mit dem Mond

andreas.markt-huter - 20.04.2023

georg vollmer, eule elli und die sache mit dem mond„Am Rande des Walds auf einem Ast / sitzt Eule Elli und macht Rast. / Die kleine Eule liebt die Nacht, / wenn langsam Stern für Stern erwacht. / Am liebsten fliegt die Elli aus / mit ihrer Thea Fledermaus. / Wenn möglich, sind die Freunde stets / bei Nacht gemeinsam unterwegs.“

Die kleine Eule Elli liebt es mit ihrer Freundin Thea der Fledermaus eine gemütliche Flugreise durch den nächtlichen Wald zu unternehmen. Als die beiden den prächtigen Vollmond am Himmel entdecken, geraten sie über ihre unterschiedlichen Betrachtungsweisen in Streit.

Konstantin Kaiser, Die Entfremdung ist ein Untermieter der Hoffnung

h.schoenauer - 19.04.2023

konstantin kaiser, die entfremdung ist ein untermieter der hoffnungTitel sagen mittlerweile weniger darüber aus, was in einem Buch drinsteht, als vielmehr was der Leserschaft zugemutet wird.

Konstantin Kaiser fordert die Lesenden schon vor dem Aufschlagen des Buches heraus: „Die Entfremdung ist ein Untermieter der Hoffnung.“ Die drei Hauptwörter kommen im Alltag zwar regelmäßig vor, in dieser Konstellation und gegenseitigen Hochachtung sind sie eine Spezialität des Autors, der scheinbar gewöhnliche Beobachtungen in jenes Licht setzt, das einen direkten Draht zum Hintersinn hat. Die Hoffnung scheint das große Gebäude zu sein, in das wir uns einmieten, damit wir heimisch werden. Mittlerweile ist das Gendern schon so allgegenwärtig, dass eine höhere Absicht vermutet werden darf, wenn die Entfremdung mit dem Untermieter korrespondiert.

Andrea Grill, Sam und die Evolution

andreas.markt-huter - 18.04.2023

andrea grill, sam und die evolution„Über Evolution weiß ich Bescheid. Dem Sohn einer Professorin für Evolutionsbiologie bleibt gar nichts anderes übrig. Und immerhin bin ich schon dreizehn. Bei jeder möglichen Gelegenheit zeigt mir meine Mutter, wie die Evolution dauernd in unser Leben eingreift.“ (S. 10)

Der dreizehnjährige Samuel erzählt gleich zu Beginn von der Entdeckung einer neuen Käferart während eines sommerlichen Bergausflugs. Seine Mutter, eine Koleopterologin oder Käferforscherin, ist begeistert und Samuel darf dem Tier einen neuen Namen geben, was allein für sich schon eine Wissenschaft ist. Er nennt den neuen Käfer: Samuelus lus prealpinus.

Janko Ferk, Mein Leben. Meine Bücher

andreas.markt-huter - 17.04.2023

janko ferk, mein leben, meine bücherJe heftiger du vom Lesen schwärmst, umso weniger glaubst du vielleicht daran. – Diese schlaue Erkenntnis von Bibliothekaren, die sich mit aufgekratzter Kundschaft auseinandersetzen müssen, sollte man auch probehalber für Dichter anwenden, die zum Ruhestand in eine potentielle Lese- oder Schreibkrise geraten sind.

Janko Ferk nennt seine persönlichste Erzählung „Mein Leben. Meine Bücher“. Darin beschreibt ein ziemlich „authentisches Ich“ zehn Bücher, die es zu einem außergewöhnlichen Leben verführt haben. Die Erzählung ist erfüllt von Glück, Aufregung, Anspannung und Genugtuung, dem Helden ist nämlich nichts anderes gelungen als ein literarisch erfülltes Leben.

Lisa-Marie Dickreiter / Andreas Götz, Karlchen hilft allen, ob sie wollen oder nicht

andreas.markt-huter - 15.04.2023

dickreiter und götz, karlchen hilft allen, ob sie wollen oder nicht„Jetzt will ich dir von Karlchen erzählen. Karlchen ist nicht etwa ein Junge, wie du vielleicht denkst, Karlchen ist ein Mädchen, und eigentlich heißt sie Karla. Aber allen nennen sie Karlchen. Alle, das sind gar nicht so viele Leute, denn in dem winzigen Tal, in dem Karlchen wohnt, gibt es nur ein paar Höfe. Und auf diesen Höfen wohnen nur alte Leute. Karlchen und ihr kleiner Bruder Johann sind die einzigen Kinder im ganzen Tal.“ (S. 10)

Die sechsjährige Karlchen kommt ganz nach ihrem Opa und liebt es, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen und ihnen zu helfen, was nicht immer auf große Gegenliebe stößt. Manchmal übertreibt sie das Ganze auch ein bisschen und zieht die Wut ihrer Mama aus sich.