Markus Schauer, Der Gallische Krieg

„Wo schreibt Caesar Geschichte, wo erfindet er sie – und macht das, wenn Worte Tatsachen schaffen, überhaupt einen Unterschied? Diese Fragen stehen stets im Hintergrund, wenn im vorliegenden Buch Caesars Schrift über den Gallischen Krieg, die als eine Stück Weltliteratur gelten muss, vorgestellt und in ihrer raffinierten Machart vor Augen geführt wird.“ (9)

Wohl alle, die in der Schule Latein gelernt haben, sind im Laufe des Unterrichts mit Caesars Werk über den Gallischen Krieg konfrontiert worden. Aber auch für allen andere gilt Caesar als einer der großen Feldherrn der Weltgeschichte. Wie sehr sich Caesar selbst dazu stilisiert und mit welch raffinierten literarischen Mitteln er seinem Kampf um die Macht, jenseits des großen Waffengetümmels ausgefochten hat, zeigt der Altphilologe Markus Schauer überaus eindrücklich in seiner Monographie „Der Gallische Krieg – Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk“.

Im ersten Teil des Sachbuches „Historische Voraussetzungen“ wird das soziale Umfeld, die Machtverhältnisse, die Möglichkeiten des politischen Aufstiegs und der Auseinandersetzung in der römischen Republik erläutert, ohne welche die Ziele, die Caesar mit seinem Werk verfolgt hat, nicht verständlich wären. Außerdem werden die konkreten historischen Verhältnisse und Ereignisse zur Zeit Caesars aber auch sein politischer Werdegang, die Zusammenarbeit mit Pompeius und Crassus, sowie die kontroverse Zeit seines Konsulats dargestellt.

Mit der Übernahme der Provinzen Illyricum und Gallia Cisalpina als Prokonsul wählte sich Caesar Regionen, die ihm noch Möglichkeiten für große Taten und Eroberungen boten. Aber erst durch den zufälligen Tod des Statthalters der Provinz Gallia Transalpina erhielt er den Aktionsraum, der ihm die gewünschte Aussicht auf Ruhm und Ehre bringen sollte.

Der zweite Teil „Nachrichten aus dem Norden – Caesars Commentarii“ setzt sich zunächst mit dem römischen Literaturbetrieb auseinander und stellt die verschiedenen gebräuchlichen literarischen Gattungen der Zeit der ausgehenden römischen Republik vor, die von Caesar geschickt vermischt und zu einer neuen Gattung verknüpft worden sind, mit dessen Hilfe es ihm gelingt, die Erzählung gezielt und manipulativ in seinem Sinn zu lenken.

Im folgenden erläutert Schauer, wie Caesar Informationen mit Erzählungen verknüpft, bewusst Reden und Exkurse einbaut, um die Aufmerksamkeit seiner Leser zu lenken aber auch wie er im Grunde den Raum „Gallien“ erfindet und seine Eroberungsangriffe gezielt als Hilfeleistungen für verbündete gallische Stämme zu tarnen weiß. Caesar überlässt in seiner Darstellung nichts dem Zufall, sodass auch die Beschreibung sowohl seiner Soldaten als auch seiner Feinde am Ende seine eigene Größe und Bedeutung vermehren. Indem er sich selbst in seinem Werk gezielt zurücknimmt und über sich selbst nur aus der „Er-Perspektive“ schreibt, verstärkt er den Eindruck einer objektiven und unabhängigen Darstellung der Ereignisse.

Markus Schauer gelingt mit seiner Analyse von Caesar Werk „Der Gallische Krieg“ eine überaus spannende und beeindruckende Darstellung wie Caesar seine Zeitgenossen, aber auch Historiker bis in die Gegenwart geschickt auf seine Sicht der Dinge einzuschwören, ja zu manipulieren verstand. Schauer überzeugt dabei durch seine klare, präzise und verständliche Sprache und Strukturierung, die das Sachbuch für alle Leserinnen und Leser die sich für Geschichte und Machtpolitik interessieren zu einem spannenden Ausflug in die Vergangenheit machen. Eine überaus empfehlenswerte Analyse politischer Manipulation, deren Nachhall bis in die gegenwärtigen Verhältnisse nachzuklingen vermag.

Markus Schauer, Der Gallische Krieg. Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk
München: C.H. Beck Verlag 2016, 271 Seiten, 20,60 €, ISBN 978-3-406-68743-3

 

Weiterführende Links:
C.H. Beck Verlag: Markus Schauer, Der Gallische Krieg
Wikipedia: Markus Schauer

 

Andreas Markt-Huter, 14-09-2016

Bibliographie

AutorIn

Markus Schauer

Buchtitel

Der Gallische Krieg. Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk

Erscheinungsort

München

Erscheinungsjahr

2016

Verlag

C.H. Beck Verlag

Seitenzahl

271

Preis in EUR

20,60

ISBN

978-3-406-68743-3

Kurzbiographie AutorIn

Markus Schauer wurde in Rettenbach geboren und studierte in München Klassische Philologie, Philosophie, Universitäts- und Bildungsgeschichte sowie Geschichte der Naturwissenschaften. Er ist seit 2009 Professor für Klassische Philologie an der Universität Bamberg.