Geschichte | Politik

Gottlieb Pomella, Aufbrechen und bleiben

h.schoenauer - 14.10.2026

Gottlieb Pomella, Aufbrechen und bleibenNoch Generationen nach der sogenannten Option bricht in Südtirol an patriotischen Tagen die große Wunde auf: Wem gelingt die Heimat besser, den Dableibern oder den Weggehern?

Gottlieb Pomella gibt seinen elf Erzählungen die Überschrift „Aufbrechen und bleiben“, um die scheinbar unlösbare Frage aufzulösen, die Jahrzehntelang allzu dichotomisch diskutiert worden ist. Dem Buch hat er ein aufwühlendes Motto der türkisch-deutschen Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar vorangestellt: „Wenn man von seinem eigenen Land einmal weggegangen ist, dann kommt man in keinem neuen Land mehr an. Dann werden nur manche besondere Menschen dein Land.“

Sabine Pitscheider, Arbeitseinsatz im Reich. Zwangsarbeit in Tirol 1939 – 1945

Andreas Markt-Huter - 09.10.2026

Sabine Pitscheider, Arbeitseinsatz im Reich. Zwangsarbeit in Tirol 1939 – 1945.„Den maßgeblichen Rahmen, wer wie zu behandeln war, bot die »Rassenhierarchie«, wonach das NS-Regime Menschen je nach Herkunft oder Religion in bessere und schlechtere, wertvolle und »minderwertige« einteilte.“ (S. 51)

Das nationalsozialistische Deutschland musste alle verfügbaren menschlichen Ressourcen und wirtschaftlichen Kapazitäten in die Fortsetzung des Krieges stecken. Reichte zu Beginn des Krieges noch die Anwerbung aus verbündeten und besetzten Staaten, so griff man im weiteren Verlauf immer stärker auf Zwangsarbeit und Kriegsgefangene zurück.

Michael Melville, Fallschirmseide

h.schoenauer - 02.10.2026

Michael Melville, FallschirmseideDürfen Widerstandskämpfer ihren Kampf als Abenteuer erleben, darin eine schöne Skitour einbauen und am Schluss gar heiraten?

Michael Melville lässt drei historisch belegte Helden am Ende des Weltkriegs auf die gute Seite der Geschichte fallen und mithelfen, die Stadt Innsbruck „unblutig“ an die Amerikaner zu übergeben. Die Fallschirmseide, mit der die Protagonisten über den Alpen abgesprungen sind, wird dabei zu einer Metapher für das Glück, wenn man daraus ein Hochzeitskleid macht. Der Roman ist daher in einen märchenhaft berührenden Rahmen eingehängt: Zeitgenossen besuchen in der Nähe von Innsbruck eine Zeitzeugin, die ihnen als Höhepunkt der Authentizität des Erzählten ihr Brautkleid zeigt, das aus Fallschirmseide genäht ist.

Alexander Kluy, Der Bleistift

h.schoenauer - 18.09.2026

Alexander Kluy, Der BleistiftDer Bleistift hat es geschafft – er ist von einem Alltagsgegenstand zu einem Kultgerät geworden. Schriftsteller und Zeichner betreiben Podcasts und Foren, um sich über neueste Rituale rund um den Bleistift zu informieren.

Alexander Kluy schöpft bei seiner „kleinen Kulturgeschichte“ über den Bleistift aus dem Vollen. Als Verfasser zahlreicher Schriftsteller-Biographien stößt er immer wieder auf Künstler, die das Schreiben geradezu kultisch betreiben, indem sie rund um den Bleistift eine magische Aura aufbauen.

Peter Sloterdijk, Der Kontinent ohne Eigenschaften

Andreas Markt-Huter - 14.09.2026

Peter Sloterdijk, Der Kontinent ohne Eigenschaften„Unter all den Vorwürfen, die gegen das seltsame politische Gebilde namens Europa und seine Bewohner in jüngeren Tagen laut geworden sind, […] dürfte der mildeste jener sein, wonach es durch seine telefonische Unerreichbarkeit auffalle. Man hat dem altgedienten, im November 2023 verstorbenen Politologen Henry Kissinger, einem vormaligen Außenminister der USA, das Scherzwort zugeschrieben, er wisse nicht, welche Nummer er wählen könnte, falls er Europa an die Leitung bekommen wollte.“ (S. 9)

Peter Sloterdijk geht der tiefgründigen Frage nach, was „Europa“ in seinem Fundament, in seiner Identität eigentlich ausmacht. Ausgehend von der historischen Entwicklung Europas, werden die grundlegenden religiösen, moralischen und sozialen Werte Europas analysiert und die historischen und gegenwärtigen Herausforderungen aufgezeigt und in einer Zeit, in der sich Europa seiner eignen Grundlagen und Eigenschaften unsicher geworden ist, kritisch diagnostiziert.

Oren Kessler, Palästina 1936

Andreas Markt-Huter - 12.08.2026

Oren Kessler, Palästina 1936„Mein Ziel ist es, die erste umfassende, sorgfältig recherchierte, aber allgemein verständliche Geschichte des Großen Aufstands zu schreiben: eine Schilderung des Aufstands selbst, seiner Auswirkungen auf die jüdischen und arabischen Nationalbewegungen Palästinas, der geopolitischen Maßnahmen, die er auslöste, und seines anhaltenden Vermächtnisses.“ (S. 13)

Der Nahostkonflikt hat eine lange Geschichte, der Anfänge mehr als einhundert Jahre zurückreichen und im Jahr 1936 mit dem großen Aufstand einen ersten Höhepunkt erreichen. Dennoch ist dieser Aufstand durch die Ereignisse rund um die Staatsgründung Israels und den ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei bilden die Ereignisse rund um den Aufstand 1936 einen zentralen Meilenstein in der Bildung einer israelischen und der palästinensischen Nationalbewegung.

Raimund Schulz, Odysseus - Mythos und Wahrheit

Andreas Markt-Huter - 15.07.2026

Raimund Schulz, Odysseus - Mythos und Wahrheit„Im epischen Schicksal des Odysseus bündeln sich somit wie in einem Prisma von zwei Seiten wertvolle Informationen: vornehmlich aus der Zeit des Dichters, aber sicherlich auch vage Kunde von einem Mann, der einst Erinnerungswürdiges getan hatte. Aus dem episch verklärten Ensemble Historisches herauszukristallisieren und das Leben des Helden vor dem Hintergrund dieser Bezüge nachzuzeichnen, ist eine mögliche und wichtige Aufgabe und Ziel dieses Buches.“ (S. 16)

Die Odyssee zählt neben der Ilias zum ältesten literarischen Denkmal der europäischen Literatur und hat bereits in der Antike auf zahlreiche Kulturen in Griechenland und später in Rom ausgestrahlt. Damit zählt auch der große Held des Epos zu jenen großen, anregenden Figuren, der nichts an Ausstrahlungskraft verloren hat und in literarischen Werken und Filmen aber auch im Bereich der bildenden Kunst bis in die Gegenwart immer wieder neu thematisiert wird.

Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild

Andreas Markt-Huter - 10.07.2026

Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild„Es gab einmal Zeiten, manche erinnern sich noch, da wurden die Konflikte durch Erklärungen, Entschuldigungen oder klitzekleine Racheaktionen beigelegt – oder es wurde der Rechtsweg beschritten. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch hat sich eine Konfliktkultur mit völlig neuen Strukturen und Dynamiken herausgebildet.“

Maria-Sibylla Lotter geht der Veränderung im gesellschaftlich-psychologischen Diskurs nach, die zunehmend von einem Antagonismus zwischen Gruppen, mit einem sensibilisierten Verständnis von Leid und Opfer, und einer Gegenbewegung aus, die sich gegen einen überhöhten moralischen Anspruch und eine Einengung der Rede- und Meinungsfreiheit ausspricht.

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion

Andreas Markt-Huter - 24.06.2026

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion„Die christliche Religion, der Konstantin die Treue schwor, hatte wenig Ähnlichkeit mit der ausdifferenzierten, monolithischen religiös-kulturellen Struktur, die sich bis zum 12. und 13. Jahrhundert herausgebildet hatte und die dann die überwiegende Mehrheit der unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungen Europas beherrschte, bis die Reformation in den 1500er Jahren ernsthaft Fuß fasste. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen, voll ausgereiften Struktur soll im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen.“ (S. 12)

Peter Heather erzählt die große und erstaunliche Entstehung und Ausbreitung des Christentums von den Anfängen bis ins Hochmittelalter, von der Zeit seiner Verfolgung bis in eine Zeit, in der es sich endgültig als bedeutender Machtfaktor der europäischen Politik und Kultur etabliert hat und selbst auch gezielt Macht und Gewalt einsetzt, um eigene Vorstellungen durchzusetzen.

Christopher Clark, Skandal in Königsberg

Andreas Markt-Huter - 19.06.2026

Christopher Clark, Skandal in Königsberg„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)

In Königsberg, der Stadt des berühmten Philosophen Immanuel Kant, kam es vor knapp 200 Jahren zu einer Gerüchte- und Denunziationskampagne gegen die beiden lutherische Prediger Johannes Ebel und Georg Diestel. Der bekannte australische Historiker lässt den Skandal Revue passieren und bettet das Provinzereignis gekonnt und mit großer erzählerischer Kraft in sein damaliges historisches Umfeld ein, wobei auch Ähnlichkeiten mit Verhältnissen unserer Gegenwart nicht zu verkennen sind.