Gesellschaft | Kultur

Simon Konttas, Nebel auf den Feldern

h.schoenauer - 28.01.2026

Simon Konttas, Nebel auf den FeldernBilder als Titel lösen spontan Sehnsüchte aus, die sich aus Musik und Literatur zu einem bestimmten Thema aufgestaut haben. Sobald „Nebel auf den Feldern“ als Cover vor den Leseaugen auftaucht, beginnt eine Musik nach finnischer Art zu erklingen, die Landschaft wird weit und „finnisch“, und wenn sich dann noch der Nebel auf die Felder legt, beginnen die Seelen der Bewohner zu flirren, deren Schicksale von einem wechselnden Schleier an Stimmung zusammengehalten werden.

Simon Konttas setzt seinen Roman aus sieben Erzählungen zusammen, die von weit verstreuten Helden berichten, die zusammengehalten werden von einer gemeinsamen Witterung, ehe sie sich wieder in den individuellen Kapseln der Existenz verlieren.

Angelika Reitzer, Blauzeug

h.schoenauer - 26.01.2026

Angelika Reitzer, BlauzeugWie Sand im Stundenglas pendelt jedes Gedicht zwischen Theorie und Anwendung hin und her und häuft dabei Zeit als Gutschrift für die Ewigkeit an.

Angelika Reitzer spielt in ihren Gedichten stets mit offenen Karten, indem sie die Kompositionstheorie permanent durchschimmern lässt. Man nehme eine durchschlagende Farbstimmung und bearbeite sie mit dem passenden Werkzeug. „Blauzeug“ entwickelt sich dabei als durchschlagendes Motiv, das sich durch Tage, Jahreszeiten oder Lebensabschnitte ziehen kann.

Josef Oberhollenzer, Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu töten

h.schoenauer - 22.01.2026

Josef Oberhollenzer, Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu tötenWiderstand, Eigenart und Selbstbewusstsein der Südtiroler resultieren aus dem täglichen Überlebenskampf des Individuums inmitten der Massen. Josef Oberhollenzer zeigt in seinen Romanen immer wieder, dass es sich lohnt, ein Individuum zu sein. Denn es sind immer die Massen, die einsam sind, ‒ die Einzelgänger sind nämlich umkost von Kunst und Literatur.

Im Roman Sellemond stoßen zwei große gesellschaftliche Trends aufeinander, man könnte fast von unkontrollierbaren Trieben sprechen. Einmal ist es der Übertourismus, der ganze Landstriche heimsucht, und zum anderen der Kult um Krimis (Krimitis), der die Regale in Buchhandlungen und Büchereien ausfüllt. Lässt man beide Kräfte aufeinander los, so entstehen im Windschatten dieser Trends kleine Überlebenszonen, worin sich ein verdichtetes Leben ausgestalten lässt.

Hannes Hofinger, Die Leiche hinter dem Kriegerdenkmal

h.schoenauer - 19.01.2026

Hannes Hofinger, Die Leiche hinter dem KriegerdenkmalIn der naiven Malerei sind die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst, Autodidaktik und Akademie aufgehoben. Was als schlichte künstlerische Äußerung erscheint, ist in Wirklichkeit eine Handhabung der Realität unter dem Filter der Lebenserfahrung.

Hannes Hofinger inszeniert seine „naiv-heiteren“ Dorfkrimis professionell als Textkunstwerke, worin die Handwerke des Publizierens, der Dorfchronik, der Fotografie und Dramaturgie im öffentlichen Raum jeweils zu einem unterhaltsamen Buch zusammengeführt werden. Innerhalb weniger Lesestunden gewährt diese Krimi-Sorte einen Einblick in die wahren Zusammenhänge eines Dorflebens.

Natascha Gangl, Frische Appelle & andere Sprechtexte

h.schoenauer - 16.01.2026

Natascha Gangl, Frische Appelle & andere SprechtexteManche Bücher verhexen das Fachpublikum mit ihren schlauen neuen Erzählstrategien, andere wirken auf das alltägliche Sprechgeschehen ein wie der sprichwörtliche Gassenhauer für einfache Handgriffe.

Natascha Gangl verzaubert mit ihrem Konzeptbuch „Frische Appelle & andere Sprechtexte“ sämtliche Sorten von Publikum. Ihren großen Auftritt hat die Autorin beim Bachmann-Preis 2025, als man an ihrem Werk hervorhebt, dass es an der Schnittstelle mündlich/schriftlich und Umgangssprache/Dialekt angesiedelt ist. Gegen ihre Art des Arbeitens hat die KI noch kein Kraut gefunden, die Texte Natascha Gangls sind also garantiert original und originell.

Martin Mader, Am Anfang wieder die Nacht

h.schoenauer - 14.01.2026

Martin Mader, Am Anfang wieder die NachtWer das erste Mal durch Zufall oder als Geheimtipp in das Darknet geraten ist, wird hinterher nur schwer beschreiben können, was er darin gesehen hat. Martin Mader entführt mit dem Roman „Am Anfang wieder die Nacht“ die Leser in ein Darknet, worin alles vorkommt, was man sich in einer Gegenwelt erwarten möchte: Dunkelheit, Exzesse, Geld, Drogen, Waffen, Verschwörungen, Geschäfte.

Etwas poetischer formuliert könnte man meinen, im Roman wird die Geschichte zu einem einzigartigen Loch aus dunkler Materie, die alles aufsaugt und zerfrisst, was an Erinnerungspartikeln noch übrig ist.

Erich Hörtnagl, Unforgettable – Unforgotten

h.schoenauer - 12.01.2026

Erich Hörtnagl, Unforgettable – UnforgottenWas immer das Leben unvergessen machen kann, es gleicht einer Sanduhr, die ein paar Mal gedreht wird, ehe der Sand in der Zeit verschwunden ist.

Erich Hörtnagl legt mit „Unforgattable – Unforgotten“ sein Lebenswerk als Fotograf und Dramaturg vor. Die Bilder sind als wohl überlegte Ausschnitte einer weltumspannenden Choreografie aufbereitet, der Buchtitel ist als unsichtbares Relief in den Buchumschlag gestanzt, sodass man ihn in der Hauptsache abtasten muss. Beim ersten Anfassen des Buches werden Zeitgenossen blitzartig an einen Laptop erinnert, was Gewicht und Haptik betrifft, ehe dann die kulturell gestanzte Erinnerung an das Handwerk der Buchdruckkunst einsetzt.

Ewald Baringer, Stunde der Wintervögel

h.schoenauer - 09.01.2026

Ewald Baringer, Stunde der WintervögelDas Unerfüllbare / fülle ich / mit Unerfüllbarem. (16) ‒ Selten ist die Absicht der Lyrik so klar formuliert wie in der „Stunde der Wintervögel“. Dieser magische Titel kreist scheinbar um das gängige Hauptmotiv der Gegenwartslyrik, den Vögeln, in Wirklichkeit aber ist ein poetischer Teppich über das Land gelegt, aus dem wie in alten Zeiten des Teppich-Klopfens Gebrauchspartikel der unmittelbaren Gegenwart geschüttelt werden.

Ewald Baringer spannt zu Beginn mit seinem Text über die kunstsinnige Stadt Soltau seinen lyrischen Kosmos aus, worin die einzelnen Bilder als individuelle Puzzleteile ineinander gesteckt sind und am Ende ein beiläufig episch breites Bild ergeben.

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion

Andreas Markt-Huter - 07.01.2026

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion„Die christliche Religion, der Konstantin die Treue schwor, hatte wenig Ähnlichkeit mit der ausdifferenzierten, monolithischen religiös-kulturellen Struktur, die sich bis zum 12. und 13. Jahrhundert herausgebildet hatte und die dann die überwiegende Mehrheit der unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungen Europas beherrschte, bis die Reformation in den 1500er Jahren ernsthaft Fuß fasste. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen, voll ausgereiften Struktur soll im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen.“ (S. 12)

Peter Heather erzählt die große und erstaunliche Entstehung und Ausbreitung des Christentums von den Anfängen bis ins Hochmittelalter, von der Zeit seiner Verfolgung bis in eine Zeit, in der es sich endgültig als bedeutender Machtfaktor der europäischen Politik und Kultur etabliert hat und selbst auch gezielt Macht und Gewalt einsetzt, um eigene Vorstellungen durchzusetzen.

Christopher Clark, Skandal in Königsberg

Andreas Markt-Huter - 03.01.2026

Christopher Clark, Skandal in Königsberg„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)

In Königsberg, der Stadt des berühmten Philosophen Immanuel Kant, kam es vor knapp 200 Jahren zu einer Gerüchte- und Denunziationskampagne gegen die beiden lutherische Prediger Johannes Ebel und Georg Diestel. Der bekannte australische Historiker lässt den Skandal Revue passieren und bettet das Provinzereignis gekonnt und mit großer erzählerischer Kraft in sein damaliges historisches Umfeld ein, wobei auch Ähnlichkeiten mit Verhältnissen unserer Gegenwart nicht zu verkennen sind.