Eleonore Weber, Und wir sind sie. And us are them
Eine erregende Form von Lyrik befasst sich mit dem Verdichten von Philosophie, wobei die Fußnoten und Metaebenen zu dieser Theorie selbst zu Gedichten werden. Beim Projekt „Wüten im Symbolischen“, wie der Arbeitstitel des Unterfangens lautet, handelt es sich um eine deklariert künstlerische Arbeit mit Text, Bild und Form. Das Symbolische bedeutet jenen Raum, in dem wir zum Subjekt werden. „Es ist kein neutraler Raum, sondern ein Feld, in dem Macht, Begehren und Identität ständig verhandelt werden.“ (3)
Eleonore Weber beruft sich in dieser raffinierten Arbeit „Und wir sind sie“ häufig auf Lacan, der als Quelle, Zitat und sogar Gott überraschend auftauchen darf. Der Titel lässt sich prima vista als Anwendungsformel deuten: Wir Subjekte sind das, was in der Sprachbeschreibung als „sie“ einen Platzhalter gefunden hat.
Was ist eigentlich mit Kafkas Lippenstift passiert? – Hatte er überhaupt einen, und wenn ja, gibt es ihn noch in einem Archiv?
Aria – etwas zwischen Luft und Lied. Denk dir, die Sonne war da, heißt es zudem im Eingangsspruch zu den Gedichten. Anne Marie Pircher lässt knapp siebzig Gedichte auffliegen aus ihrem Band, sie sitzen locker und springen aus dem Untergrund, dem Wetter, dem Gehölz heraus, oder versammeln sich vogelähnlich in der Windströmung, ehe sie sich dann zu einem lyrischen Motiv verklumpen und als Blatt zu Boden segeln.
Noch Generationen nach der sogenannten Option bricht in Südtirol an patriotischen Tagen die große Wunde auf: Wem gelingt die Heimat besser, den Dableibern oder den Weggehern?
Für Schriftsteller bedeutet Gold oft soviel wie Stoff. Unter diesem Aspekt gesehen ist Jack London etwa seinerzeit nach Alaska gefahren, um das Gold in literarischen Stoff und anschließend in goldene Tantiemen zu verwandeln. Das Thema Gold hatte ihn reich gemacht.
„Den maßgeblichen Rahmen, wer wie zu behandeln war, bot die »Rassenhierarchie«, wonach das NS-Regime Menschen je nach Herkunft oder Religion in bessere und schlechtere, wertvolle und »minderwertige« einteilte.“ (S. 51)
„Das Alphabet ist eines der wenigen menschlichen Werkzeuge oder Erfindungen, die enorme technologische Umbrüche unbeschadet überstanden hat. Die Geschichte der Schriftarten ist jedoch nur nicht nur eine Geschichte des Alphabets. Designerinnen und Designer haben Schriften aus allem möglichen Gründen entworfen (und verbessert): aus ästhetischen und technischen, aber auch aus politischen, philosophischen und persönlichen Gründen. Schriften haben den Gang der Geschichte miterlebt, aufgezeichnet – und gelegentlich sogar vorangetrieben.“ (S. 7)
Bilder als Titel lösen spontan Sehnsüchte aus, die sich aus Musik und Literatur zu einem bestimmten Thema aufgestaut haben. Sobald „Nebel auf den Feldern“ als Cover vor den Leseaugen auftaucht, beginnt eine Musik nach finnischer Art zu erklingen, die Landschaft wird weit und „finnisch“, und wenn sich dann noch der Nebel auf die Felder legt, beginnen die Seelen der Bewohner zu flirren, deren Schicksale von einem wechselnden Schleier an Stimmung zusammengehalten werden.
Dürfen Widerstandskämpfer ihren Kampf als Abenteuer erleben, darin eine schöne Skitour einbauen und am Schluss gar heiraten?
Vielleicht sollte man es schlicht Tollwut nennen, was sich da auf engem Raum in einer Wohnsiedlung während eines Polizeieinsatzes abspielt.