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max schneider, perchten und bräucheAls hätten es die Vorfahren geahnt, dass es einmal das Fernsehen gibt, haben sie schon in der Steinzeit damit begonnen, eigenwillige Gestalten und Tänze zu entwickeln. Nach fünfzig Jahren Fernsehen gibt es keinen Flecken Welt mehr, der nicht unter dem Argus-Auge von Ethnologen und Volkskundlern abgefilmt und zu einem prächtigen Bildschirmereignis gemacht worden wäre.

In Tirol kommt verschärfend dazu, dass die abgefilmten Bräuche längst Inventar des Tourismus geworden sind, sodass man auf Anhieb nicht sagen kann, ist es jetzt ein Marketing-Ereignis oder eine althergebrachte Sitte, welche die Menschen als „Passen“ auf die Straße treibt.

slavo zizek, pandemieIm Schrecken dient das Rufzeichen als kurzes Atemholen, um die Dimension des Desasters für einen Augenblick in den Griff zu bekommen. Pandemie! (mit Rufzeichen) entspricht dem Pest! im Mittelalter, oder auch dem Alarm Feuer!, der in allen Sprachen wirkt.

Slavoj Žižek schlägt als zeitgenössischer Philosoph sofort einmal Alarm. Pandemie! Dieser Begriff umspannt nicht nur die ganze Welt, sondern auch den gesamten Wortschatz mit all seinen Begriffen.

Es ist noch nicht klar, was dieser Schock für die Welt bedeuten wird, aber in spontanen Hochrechnungen der Begriffe zeigt sich, dass so gut wie alles sich verändert. Nichts wird mehr so sein, wie wir es einmal verschriftlicht haben.

ally klein, der walWarum sind manche Romane gegliedert und andere eine einzige Textwurst? – Beides zeigt das Ringen der Autoren um das Publikum. Manche versteigen sich dabei in Gegenden, wo es nichts mehr zu erklären, deuten oder gliedern gibt. Nicht so beim „Wal“, hier wird das Unbeschreibliche in ein überschaubares Erzählkonzept gegossen.

Ally Klein versucht ihren Roman um das Wesen der Kunst so offen wie möglich zu halten, gleichzeitig schlägt sie eine sanfte Lektüre-Struktur vor, die den ungeheuerlichen Stoff etwas übersichtlicher gestalten könnte. Wie bei einem Tafel-Dreiteiler wird ein Thema auf drei Flächen projiziert, die in einem schrägen Winkel zueinander stehen, sodass sich ein Gesamtbild aus mehreren Sehwinkeln ergibt.

helmuth schönauer, outlet„»Wenn du keine Shortstory zusammenbringst, stecken wir dich ins Altersheim!« Die Kinder sind gnadenlos, zumal sie gut ausgebildet sind. Sie haben Entertainment, Psychologie, Theologie und Politikwissenschaft studiert, lauter Fächer, die den Vater in die Verwahrung bringen können, wenn er nicht mehr richtig drauf ist auf seiner blassen Lebensspur.“ (S. 7)

Der Ich-Erzähler ist pensionierte Bibliothekar und von da her schon immer auf Du und Du mit Geschichten. Aber jetzt gerät er unter finalem Lebensdruck, muss er doch jeden Monat mit einer Kurzgeschichte unter Beweis stellen, dass er noch nicht die nötige Demenz für das Altersheim erreicht hat.

joachim detjen, politikkompetenz urteilsfähigkeit„In der Politikdidaktik herrscht mittlerweile weitgehend Einverständnis darüber, dass sich die mit Hilfe des Politikunterrichts anzustrebende Politikkompetenz aus vier Komponenten, Kompetenzdimensionen genannt, zusammensetzt. Es handelt sich um das politische Wissen, um die politische Urteilsfähigkeit, um die politische Handlungsfähigkeit sowie um politische Einstellungen und Motivation.“ (S. 6)

Das Sachbuch zur Politikdidaktik verfolgt das Ziel, die jeweiligen Kompetenzbereiche für die Entwicklung politischer Urteilsfähigkeit im Rahmen des Unterrichts herauszuarbeiten und aufzuzeigen.

timo brandt, nicht nochmal legendenGedichte sind wie Pflanzen, die einen Nährboden brauchen, auch wenn sie mit Luftwurzeln arbeiten. Diese Nähr-Substanz kann die vorgespielte Erfahrung eines Ichs sein, eine didaktische Zusammenfassung eines Erkenntnisprozesses oder auch das Verwerten ausgestreuter Literaturpartikel.

Timo Brandt weist mit seinem Seufzer „Nicht nochmal Legenden“ darauf hin, dass er sich vor allem mit vorgelagertem Lyrikmaterial beschäftigt, wenn er daraus durch Zitat, Verformung oder Überhöhung neues Extrakt presst.

ned beauman, Warum der Wahnsinn einer Niederlage vorzuziehen istLässt sich das große Amerika besser würdigen, wenn man einen Hollywood-Film mit voller Dramaturgie im Dschungel dreht und dabei einen Maya-Tempel als Kulisse missbraucht, oder ist es gleich besser, diese Pyramide abzutragen und missbräuchlich in New York aufzustellen?

Was auf den ersten Blick wie ein Scheinproblem klingt, ist vielleicht auch eines. Denn in Wirklichkeit geht es darum, ob im amerikanischen System nicht jede Auseinandersetzung in Wahnsinn enden muss, weil niemand die Niederlage versteht.

josef von neupauer, österreich im jahre 2020Utopien und Dystopien müssen den Leser mit zwei Brechstangen öffnen und bearbeiten, einmal ist es eine utopische Botschaft in Romanform, zum anderen das Aushebeln der Zeit.

Ein Buch kann noch so in der Zukunft spielen, es wird den Makel im Impressum nicht los, dass es zu einem bestimmten Jahr an einem bestimmten Ort gedruckt worden ist. Diese irdische Verankerung gilt auch für digitale Files in der Cloud.

Die Kunst dieser Romanform wird in den 1890ern vor allem in Amerika dazu genutzt, um politische Thesen und Zukunftsentwürfe zu diskutieren. Diese utopischen Thesenromane beschäftigen sich oft mit dem Thema Kommunismus, als Weiterentwicklung der Demokratie. Ein Höhepunkt dieser Gattung ist später Orwells 1984. In Europa werden diese Romane um die „Kommunisten-Angst“ diskutiert, um daraus eine Fortführung der Monarchien abzuleiten.

lew tolstoi krieg im kaukasusTourismus und Krieg sind die Triebfedern dafür, dass wir uns zwischendurch für die Literatur scheinbar entlegener Gegenden interessieren. Manche halten den Tourismus für eine Sonderform des Krieges, was die Lesemotivation noch einmal vereinfacht. Am liebsten sind uns dabei Dinge, die uns schon vertraut sind.

So bringt eine Neuübersetzung der altvertrauten Texte Lew Tolstois den angenehmen Effekt, dass wir mit der Lektüre auf der Höhe des sprachlichen und sonstigen Zeitgeistes sind. Außerdem ist das Gruseln alter Texte besonders wirksam, wenn es in einer griffigen Gegenwartssprache geschieht.

silviane scharl, jungsteinzeit„Die Jungsteinzeit (Neolithikum, älteste Daten aus Südosteuropa im 7. Jahrtausend v. Chr.) ist die Epoche der europäischen Prähistorie, in der die Menschen sesshaft werden und beginnen, Landwirtschaft zu betreiben.“ (S. 7)

In zwölf Kapiteln werden die wichtigsten Bereiche, Merkmale und Errungenschaften des Neolithikums von den Anfängen der bäuerlichen Wirtschaftsweise im Vorderen Orient, über die Produktion von Keramik bis hin zu Sozialstruktur, Handel, Monumentalwerken und Erfindungen wie Rad, Wagen und Kupfermetallurgie vorgestellt. Daneben stellt das Buch die wichtigsten Werkzeuge und Methoden der Erforschung der Jungsteinzeit vor.