Geschichte | Politik

Ulrich Ladurner, Küss die Hand, die du nicht brechen kannst

h.schoenauer - 11.02.2013

In allen Kulturen gibt es sagenhafte Sprichwörter des Überlebens. Was im österreichischen Operetten-Sound heißt, „vergiss, was nicht zu ändern ist“, heißt in der Hauptstadtkultur des Iran „Küss die Hand, die du nicht brechen kannst.“

Ulrich Ladurner hat aus seinen Einsätzen als Korrespondent in Krisengebieten eine eigene literarische Form entwickelt, die man vielleicht als Überlebensroman bezeichnen könnte. Dabei wird die Faktenlage, die üblicherweise über die Medien gesendet wird, mit handfesten Schicksalen und Figuren unterlegt. Diese Figuren sind natürlich typisiert und anonymisiert, aber sie tragen im Kern jeweils echte Sätze von echten Interviews in sich.

Walter Grond, Mein Tagtraum Triest

h.schoenauer - 06.02.2013

Ein guter Tagtraum hat den Vorteil, dass man in ihn phasenweise selbst intellektuell eingreifen kann, um das plastisch-phantastische eines Volltraumes ein wenig zu strukturieren. Die Methode des Tagtraums eignet sich daher in der Literatur vorzüglich zum Darstellen realer Sachverhalte mit einem Schuss Unwahrscheinlichkeit.

Walter Grond lässt in seinem Roman einen Erzähler die Stadt Triest wie in einem Tagtraum erleben. Als Handlung ist eine Familien-Struktur im Ambiente des Großvaters angelegt, wobei sich Gerüchte, mündliche Überlieferung und Stammbaum-Theorie überlagern.

Corinne Masciocchi (Red.), Geschichte der Welt.

andreas.markt-huter - 23.12.2012

„Wie dieses Buch zeigt, muss sich eine an der Zeitschiene ausgerichtete Geschichtsdarstellung keineswegs auf die bloße Auflistung von Kriegen, Eroberungen und Verträgen beschränken.“ (9)

Zwei wesentliche Merkmale kennzeichnen den Aufbau des umfangreichen Nachschlagewerkes „Geschichte der Welt“. Zunächst einmal der chronologische Ablauf der Darstellung, durch die politische, kulturelle, wissenschaftliche und technische Veränderungen im zeitlichen Ablauf nachverfolgt werden können.

Bosko Tomasevic – Podium Porträt

h.schoenauer - 19.12.2012

Die Literaturzeitschrift Podium stellt in verlässlicher Folge Poeten und Poetinnen vor, die nicht in den Bestsellerlisten des literarischen Alltagsgeschehens aufscheinen.

In der jüngsten Serie wird Bosko Tomasevic vorgestellt, der erste Stadtschreiber Innsbrucks. Sein umfangreiches Werk ist nur in Ansätzen ins Deutsche übersetzt, das Hauptwerk schlummert in der serbischen Sprache, wie wir Sprachunkundigen zu sagen pflegen.

Waltraud Mittich, Du bist immer auch das Gerede über dich

h.schoenauer - 14.12.2012

Wie kann man das Tabu um eine historische Person aufbrechen, ohne diese Person nicht gleich wieder andersrum zu zerbrechen?

Waltraud Mittich versucht den in der öffentlichen Versenkung verschwundenen Widerstandskämpfer Hans Egarter zumindest in seinen Grundzügen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Christian Mähr, Naturschutz in Vorarlberg

h.schoenauer - 12.12.2012

Wer einmal das Handwerk der Provinz gelernt hat, kann darin jeden Tag das Universum entdecken.

Christian Mähr ist der Fachmann für das Leben in kleinen Soziotopen. Ob er nun einen Krimi schreibt, eine Werkstoffanalyse vorlegt oder dem Treiben der Bienen auf engstem Raum zuschaut, immer handelt sein Schreiben vom schmunzelnd liebevollen Umgang weltentrückter Menschen in einer weltoffenen Gegend.

Alice Roberts (Hrsg.), Die Anfänge der Menschheit

andreas.markt-huter - 09.12.2012

„Die Anatomie unserer Vorfahren verrät und viel über ihr Aussehen, lässt aber auch Rückschlüsse auf ihr Verhalten zu. Artefakte wie Werkzeuge, Malereien und andere Ausdrucksformen der Kunst geben uns Einblicke in die Kultur dieser Menschen.“ (32)

Die Anfänge der Menschheit lassen sich derzeit knapp 7 Millionen Jahre zurückverfolgen und sprechen in Form von Fossilien und Steinwerkzeugen eine mitunter beredte Sprache. Das mehr als 250 Seiten starke Sachbuch über die Anfänge der Menschheit besticht gleich zu Beginn durch sein üppiges Bildmaterial aus Fotos, Zeichnungen, vor allem aber durch die beeindruckenden Rekonstruktionen der Brüder Kennis. Ihnen gelingt es mit ihren lebensechten Abbildern unseren verwandten Vorfahren gleichsam ins Auge zu schauen.

Oksana Sabuschko, Planet Wermut

h.schoenauer - 30.11.2012

Manche Namen erzeugen von sich aus einen sakralen Sound, manche Orte werden ungefragt zu einem Mythos, an dem sich eine ganze Nation aufrichtet oder zugrunde geht.

Oksana Sabuschko widmet sich in ihrem „Kern-Essay“ dem Planeten Wermut, die alte ukrainische Ortsbezeichnung für Tschernobyl heißt nämlich nichts anderes als Wermut. Über Tschernobyl wird vor allem international gesprochen, im eigenen Land gibt es einen recht seltsamen Zugang zu dieser Katastrophe. Das hat damit zu tun, dass ursprünglich alle Informationen darüber von „außen“ gekommen sind und es im Innern kaum eine Kultur gibt, wie man mit diesen Katastrophen des Kolonialismus umgehen könnte.

Leena Parkkinen, Nach dir, Max

h.schoenauer - 26.11.2012

Immer wieder werden in der Literatur zeitgeschichtliche Epochen aus der Sicht eines Außenseiters erzählt, man denke nur an die berüchtigte Blechtrommel, wo im wahrsten Sinne des Wortes laut von unten erzählt wird.

Leene Parkkinen erzählt eine Zirkusgeschichte aus den goldenen Zwanziger Jahren, aber die Erzählfigur nimmt alles doppelt war. Es handelt sich um den Ich-Erzähler Isaak, der mit seinem Bruder Max an der Hüfte zusammengewachsen ist.

Renate Scrinzi, Und Emilio lächelt

h.schoenauer - 12.11.2012

Auszählreime sind oft die beste Struktur, um ein raffiniertes Menschenschicksal darzustellen.

Renate Scrinzi stellt ihrem Roman „Und Emilio lächelt“ eine markante Faustformel des legendären tschechischen Langstreckenläufers Emil Zátopek voran: „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“ (5)