Giwi Margwelaschwili, Fluchtästhetische Novelle
„Wie komme ich jemals von hier weg, wenn kein Leser mich begleitet?“ (62)
Wakusch, der Held der fluchtästhetischen Novelle, hat tatsächlich seltsame Sorgen.
Er ist entführt worden oder vom Geheimdienst verhaftet, sitzt als Nachkriegsgefangener am Flughafen Berlin Schönefeld in einer Douglas mit sowjetischen Hoheitszeichen und sieht, wie die Maschine propellert, aber nichts geschieht. Als Buchstabenheld unterliegt er den Gesetzen der Buchstabenwelt: Buchpersonen sterben durch das Nicht-gelesen-Werden.
In der Poesie gilt der Flug als ein eigener Zustand zwischen Wirklichkeit und Traum, weshalb gerade in der Lyrik oft der Vogelflug als Verbindung zwischen diesen Erlebnissen eingesetzt ist.
Der Teufelszwirn ist eine fadenförmige Schmarotzerpflanze ohne Blätter und Wurzel, die ganze Kleefelder oder Kartoffeläcker aushungert und vertilgt.
In kaum einer europäischen Gegend machen sich die Menschen das Leben so schwer, wie in Albanien. Als Verschärfung des politischen Regulativs kommt oft noch die Sippschaft hinzu, der niemand entrinnt. Die Sippe nämlich weiß immer, was der oder die Einzelne tut, im Familiengroßverband gibt es kein Individuum.
Seit Markus Koschuh ein abendfüllendes und staatstragendes Stück über das Unwesen der Tiroler Agrargemeinschaften geschrieben hat, wirken auch seinen kürzeren Texte aus der Tiefe des Alltags wie verbotene Spikes in einem scharf gewuchteten Reifen.
Die intensivsten Geschichten lassen sich am besten durch Bilder erzählen und die größten Datenmengen nisten sich über Piktogramme fast wie von selbst im Gehirn ein.
Wenn in einem Landstrich wie Südtirol ein besonderer patriotischer Mythos gepflegt wird, so wird oft darauf vergessen, dass viele kreative Seelen ausgewandert sind, andere haben schon die Welt gesehen und sind dann wieder ins Gebirge heimgekehrt.
Tut weniger saufen und statt dessen mein Buch subskribieren, vielleicht gibt’s doch noch einen Rausch.
„Vor die Wahl gestellt zwischen Kummer und Nichts, nehme ich den Kummer.“ (116)
Von manchen Ländern ist in unseren Gestaden fast nichts bekannt und schon gar nicht deren Literatur. Von Tschetschenien wissen wir höchstens, dass dort Ausnahmezustand herrscht und viele Menschen das Land verlassen haben.