Heinz-Werner Kubitza, Der Dogmenwahn
„Die Theologie ist eigentlich ein Kuriosum an modernen Universitäten. Während andere Fachbereiche einen klar abgegrenzten Forschungs- und Lehrbereich haben, ist bei den Theologen nicht einmal klar, ob es den zentralen Gegenstand, der ihrer Wissenschaft Theologie den Namen leiht, ob es diesen Theos überhaupt gibt.“ (13)
Innerhalb der Theologie gilt die Dogmatik oder Systematische Theologie als Königsdisziplin, indem sie eine Art Gesamtschau der christlichen Glaubensinhalte überliefert. Kubitza zeigt in seinem Buch „Der Dogmenwahn“ auf, mit welchen Mitteln Dogmatiker versuchen, ihre dogmatischen Systeme gegenüber der Wirklichkeit zu rechtfertigen. Dabei kommt es zu „imposanten Ausweichversuchen, Selbstwidersprüchen, Ablenkungsmanövern, sprachlichen Vernebelungen“ (14) die für eine universitäre Wissenschaft überraschend erscheinen.
Die postmoderne Erzählmethode wird umso genauer, je verrückter, entlegener und diffuser das erzählte Objekt ist. Die Methode besteht letztlich darin, ein diffuses Konvolut von Ereignissen und Ideen so zu drapieren, dass der Leser die einzelnen Teile zu seiner persönlichen Angelegenheit und das Ganze zu einem subjektiven Ereignis machen muss.
Erzählungen verhalten sich oft wie ein feines Netzwerk, die einzelnen Stationen sind lose und mit hauchdünnen Kontakten unter einander verbunden. Und auch die diversen Figuren hängen zwar angeschlagen in den Seilen ihres eigenen Schicksals, halten aber ab und zu noch Ausschau, wie es den Partnern so geht.
„Die Menschen lieben Listen. In der Buchwelt bilden sie ein eigenes Genre: Die besten Bücher des Jahrhunderts; 100 Bücher, die man gelesen haben muss, bevor man stirbt; und so weiter. Auch dieses Buch gehört dazu, es ist eine Liste von wunderbaren Werken, die dem Leser Vergleiche mit und Verbindungen zu anderen Kulturen und Zeiten aufzeigt.“ (8)
Die wirklich guten Krimis sind literarisch gesehen einfach Romane und umgekehrt werden gute Romane offensichtlich aus Markt-Gründen oft als Krimis ausgegeben.
Was wie ein Urologen-Befund klingt, ist in der Literatur eine Äußerung der mehrsprachigen Autorin Yoko Tawada. „Es kann für mehrsprachige Dichterinnen und Dichter ein Vorteil sein, wenn die Wände in ihrem Gehirn 'nicht ganz dicht' sind. Durch die undichte Wand sickert der Klang einer Sprache in eine andere hinein.“ (27)
„Sie haben bestimmt schon mal gehört, wie ein Politiker sagte: »Wir müssen jetzt alle den Gürtel enger schnallen!« - Und natürlich verstanden sie sofort, dass »Sparmaßnahmen« anstehen. Doch irgendein Verdacht sagte Ihnen, dass wahrscheinlich diese Maßnahmen nicht den Politiker betreffen würde, sondern uns, die Bürger.“ (9)
Romane über die bibliothekarische Lebensphilosophie sind weit häufiger, als man landläufig glaubt. Wo immer Nachrichten verwaltet, ausgehoben und in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden müssen, sind bibliothekarische Hände im Spiel.
Lenz im Gebirg gilt in der Literatur als der Inbegriff eines Helden, den es aus sich selbst hinausgetrieben hat und der ohne Koordinaten im Gelände in Aufwallung und Auflösung herumirrt. Das Wahnsinns-Genie Georg Büchner hat mit der Erzählung „Lenz“ 1835 dem Schriftsteller-Kollegen Jakob Michael Reinhold Lenz ein Denkmal gesetzt.
„Jeder lebt seine Befindlichkeiten, zu was anderem ist der Mensch gar nicht fähig.“ (303)