Gesellschaft | Kultur

Rudolf Habringer, Was wir ahnen

h.schoenauer - 09.02.2015

Sensible Menschen verlassen sich nicht so sehr auf das Sichtbare und Ausgesprochene, sie knüpfen sich auch die Aura und das Unantastbare vor, wenn sie mit anderen in Kontakt treten. Das Leben ist schließlich an manchen Tagen nichts Gewisses sondern bloß eine Ahnung von allem, was uns umgibt.

Rudolf Habringer setzt in das Euregio-Geflecht Regensburg, Linz, Krumau ein verfilztes Figurenset hinein, das wie in guten russischen Romanen als „Anhang der Hauptpersonen“ ausgewiesen ist. Als Leser fallen einem sofort die drei Hauptberufe der Figuren auf: Germanist, Psychologin, Polizist. Und einige Ehefrauen haben einen ermordeten Mann als Partner, das ist eine neue Form der Patchwork-Beziehung.

Tiroler Landesmuseum (Hg.), Druckfrisch

h.schoenauer - 06.02.2015

Das Druckwesen hat zur Entwicklung der Gesellschaft mindestens so viel beigetragen wie die Adelsgeschlechter zusammen, daher gebührt es einer guten Druckerei, dass sie zwischendurch epochal dargestellt wird.

Unter dem Ausstellungs-Titel Druckfrisch werden im Innsbrucker Ferdinandeum die epochalen Leistungen des Druckhauses Wagner gezeigt, ein 375-Jubiläum ist durchaus nicht jeden Tag in der Provinz zu feiern.

Lucas Cejpek, Unterbrechung

h.schoenauer - 04.02.2015

Wenn ein Wort semantisch wild genug ist, kann es das gesamte Universum darstellen.

In Lucas Cejpeks Lexikon-Roman laufen alle Verhältnisse, Abläufe oder Beziehungen letztlich auf das eine Wort hinaus: Unterbrechung. In einem Vorsatz wird die Unterbrechung „programmatisch“ erklärt, damit ein Prozessor, der gerade was abarbeitet, etwas Neues machen kann, muss er unterbrochen werden. Der Befehl für eine Unterbrechung ist also die Voraussetzung für die Alternative.

Susanne Schaber, Lesereise Island

h.schoenauer - 02.02.2015

Island gilt allenthalben als dermaßen einmalig, dass es davon nicht einmal ein Kitsch-Fassung gibt. Was immer man auch über Island sagt, es stimmt, denn es ist an manchen Tagen nicht von dieser Welt.

Susanne Schaber streift in ihrer Lesereise gleich einmal diesen Aggregatzustand zwischen Feuer und Eis, der die groteskesten Farbspiele auslost.

Daniela Böhle / Paul Bokowski (Hg.), Die Letzten werden die Ärzte sein

h.schoenauer - 30.01.2015

Wenn ein Thema ein Leben lang tierisch ernst behandelt wird wie der Kosmos Krankheit, löst schon die Aussicht, dass darüber Satiren und Grotesken verfasst werden, erwartungsvolles Gelächter aus.

Daniela Böhle und Paul Bokowski haben gut dreißig Satirikerinnen und Schreibhypochonder eingeladen, um dem Unwesen Arzt – Krankheit – Patient mit kurzen Erzählungen eine neue Sichtweise abzuluchsen.

Peter Paul Wiplinger, Positionen 1960 - 2012

h.schoenauer - 28.01.2015

Ein Schriftsteller hat seinen geheimen Auftrag vermutlich dann erreicht, wenn er in seinem Werk unverwechselbar erkennbar ist, was oft mit der Ausarbeitung einer eigenen Literaturgattung einhergeht.

Peter Paul Wiplinger hat als literarischer Solitär die Gattung „Positionen“ entwickelt, wie sich in der Retrospektive auf die Jahre 1960-2012 zeigt. In seinem selbst redigierten „Lebens-Reader“ besticht diese chronologisch aufgebaute Erzählgattung durch die diversen Stufen der Öffentlichkeit. Da kommt es zu beinahe intimen Äußerungen in Briefen, wo es um den Gemütszustand und die Zukunftsperspektive des selbst-gequälten Ichs geht, bis hin zu öffentlichen Aufrufen und Konzepten, als Festvortrag, Präambel-Entwurf oder Einwand formuliert.

Susanne Waiz / Andreas Hempel, Das Land baut

h.schoenauer - 21.01.2015

Auf den ersten Blick besteht die Unsterblichkeit in Gebäuden, Galerien und Kreisverkehren. Was eine Gesellschaft im Laufe einer Generation zusammenbaut, beeindruckt auf Anhieb durch Architektur, Funktion und Verbrauch von Landschaft.

Susanne Waiz und Andreas Hempel zeigen unter dem lapidaren Titel „Das Land baut“, was in den letzten fünf Jahren in Südtirol öffentlich gebaut worden ist.

Rudolf Alexander Mayr, Lächeln gegen die Kälte

h.schoenauer - 16.01.2015

Der Himalaya ist für uns Alpenmenschen an manchen Tagen etwas Vertrautes oder Mystisches, auf jeden Fall etwas Großes und Gigantisches. Diese Einschätzung hängt mit den Personen zusammen, die uns diese Himalaya-Geschichten vermitteln, mal sind es Abenteurer, dann religiöse Aussteiger, schließlich auch Performance-Künstler, die mit ihren Himalaya-Museen und Hochlandshows ihren Lebensunterhalt verdienen.

Rudolf Alexander Mayr besucht seit Jahrzehnten Nepal, den Himalaya und seine liebgewonnenen Sherpas. Er selbst hat nach einer Phase als Extrembergsteiger und einer Zeit als grüner Nichtflieger jetzt zu einer Ära der Aufarbeitung gefunden. Aus dem Besuch der alten Freunde sind zweiundzwanzig Geschichten entstanden, die vom Schicksal der ehemaligen Bergsteiger-Mithelden erzählen.

Sofi Oksanen, Als die Tauben verschwanden

andreas.markt-huter - 14.01.2015

„Rosalies Gesicht war in Falten gelegt, die Falten röteten sich, ihre weißen Ränder zerfielen, der Ekel wurde sichtbar, obwohl es nicht zu Rosalies Wesen passte, solche Gefühle zu zeigen, sie war ein lachlustiges Mädchen, aber nein, der Ekel war stärker, er war unüberwindlich.“

Der Roman „Als die Tauben verschwanden“ beschreibt den fortlaufenden Werdegang zweier junger estnischer Männer und ihren Frauen in der Zeit der sowjetischen und deutschen Besatzung im vergangenen Jahrhundert bis herauf in das Jahr 1965, der eine ein Kämpfer, der andere ein sich jeder Macht anbiedernder Opportunist - Verrat und Hintertücke im Kampf mit Loyalität und Liebe.

Ulrich Ladurner, Lampedusa

h.schoenauer - 09.01.2015

Eine Insel fordert die jeweilige Bevölkerung permanent heraus, denn obwohl man eine Insel theoretisch in Ruhe lassen könnte, wetzen sich an ihr immer Mythologien, Paradiesvorstellungen, militärische Überlegungen und touristische Übergriffe ab.

Ulrich Ladurner widmet in seinem Essay seine Aufmerksamkeit der Insel Lampedusa, zwischen Sizilien und Libyen gelegen ist dieses Eiland als sogenannte „Flüchtlingsinsel“ in aller Munde. „Was hier vor sich geht, sind keine Landungen sondern geordnete Rettungsmaßnahmen“, versucht eine Inselpolitikerin den Aufruhr in Bahnen zu lenken. (125)