Unterhaltung

Heinz Kröpfl, Tollwut

h.schoenauer - 30.09.2026

Heinz Kröpfl, TollwutVielleicht sollte man es schlicht Tollwut nennen, was sich da auf engem Raum in einer Wohnsiedlung während eines Polizeieinsatzes abspielt.

Heinz Kröpfl lässt in bewährter sozial-chaotischer Manier verschiedene Kleinschicksale aufeinandertreffen und macht eine große Sache daraus. In einer Wohnanlage, die durchaus Elemente einer heißen Western-Kulisse in die Schwüle eines Samstagnachmittags aufragen lässt, kommt es zu einer Verdichtung der Gefühle bis hin zu Explosionsgefahr. Deeskalation ist nicht in Sicht, denn die beteiligten Helden können sich noch so bemühen, die Sache harmlos zu sehen, es steuert alles auf einen brutalen Klimax zu.

Bernhard Hüttenegger, Die Ameise Amelie

h.schoenauer - 28.09.2026

Bernhard Hüttenegger, Die Ameise AmelieMeist steckt eine doppelte Botschaft hinter dem sogenannten Spätwerk eines Autors. Einmal ist es die literarische Information, die von den Texten ausgeht, und zum anderen der späte Glanz, der beim Schreiben in jener Aura entsteht, in der eigentlich schon alles gesagt ist.

Bernhard Hüttenegger greift die Fabel als Erzählform ferner Kindertage auf, um mit einem abgeklärten Plot das erfüllte Leben eines nahezu bedeutungslosen Schicksals zu erzählen. Die Ameise ist eine treue Schicksalsgefährtin des Menschen, denn auch sie ist jeden Tag gefordert, zwischen individuellem Schicksal und Staatsauftrag hindurch zu lavieren.

Stefan Soder, Schorsch

h.schoenauer - 21.08.2026

Stefan Soder, SchorschWenn die Stimmung im Land wieder einmal bedrückend wird, hilft manchmal ein Roman nach der Vorlage von Kleists Michael Kohlhaas, damit man sich mit dem Helden identifizieren, mit ihm kämpfen und mit ihm in Würde untergehen kann.

Stefan Soder stiftet der Literatur mit dem „Schorsch“ einen sympathischen Helden, der in einer Welt des wirtschaftlichen Umbruchs mit der bewährten Tradition des Bauer-Seins Schiffbruch erleidet. Der Plot ist speedy wie das Netz, ständig zweigen aus dem Hauptstrang elementare Reibereien ab, die den Roman in seiner Dramaturgie bald zu einem gedachten Film werden lassen, den weder Personal noch Regie stoppen können.

Simon Loidl, Der Weg zum Zirkus

h.schoenauer - 03.08.2026

Simon Loidl, Der Weg zum ZirkusEin echter Zirkus verwandelt jene Glücksvorstellungen, die im Laufe einer Kindheit aufgekeimt sind, in raren Fällen bei Erwachsenen zu einem realen Paradies. Der Weg zum Zirkus ist jedenfalls wie die meisten Bildungswege holprig und absonderlich.

Simon Loidl erzählt in seinem Roman „Der Weg zum Zirkus“ von zwei Alltagshelden, die ihr Glück durch Verschwinden und Beobachten des Verschwindens einhegen. Daniel, der Angestellte einer antiquarischen Buchhandlung, bemerkt eines Tages, dass sein Jugendfreund Markus verschwunden ist.

Hannes Hofinger, Die Leiche hinter dem Kriegerdenkmal

h.schoenauer - 01.07.2026

Hannes Hofinger, Die Leiche hinter dem KriegerdenkmalIn der naiven Malerei sind die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst, Autodidaktik und Akademie aufgehoben. Was als schlichte künstlerische Äußerung erscheint, ist in Wirklichkeit eine Handhabung der Realität unter dem Filter der Lebenserfahrung.

Hannes Hofinger inszeniert seine „naiv-heiteren“ Dorfkrimis professionell als Textkunstwerke, worin die Handwerke des Publizierens, der Dorfchronik, der Fotografie und Dramaturgie im öffentlichen Raum jeweils zu einem unterhaltsamen Buch zusammengeführt werden. Innerhalb weniger Lesestunden gewährt diese Krimi-Sorte einen Einblick in die wahren Zusammenhänge eines Dorflebens.

Wolfgang Kühnelt u.a. (Hrsg.): Schwalbenkönig und Blutgrätsche

h.schoenauer - 22.06.2026

Wolfgang Kühnelt u.a. (Hrsg.): Schwalbenkönig und BlutgrätschePop-Literatur und Pop-Musik haben einen gemeinsamen Freund: Den Fußball. Allen drei Kunstgattungen ist eine wolkige Aura übergestülpt, die mit dem Schlüsselbegriff „naiv-romantisch“ umschrieben werden kann.

In der Serie „Pop! Goes the Pumpkin“, (also so etwas wie Pop steht auf Kürbis), kümmern sich Anwender der Popkultur um essayistische Überlegungen, wie man den Alltag in der Peripherie etwas behübschen könnte. Eine bewährte Form ist das Zelebrieren von Weltereignissen in den Planquadraten zwischen den Durchzugsrouten der Eventkultur.

Matthias Daxer, Sturmtänzer I

h.schoenauer - 29.05.2026

Matthias Daxer, Sturmtänzer IAuch fürs Lesen gilt: Das Auge isst mit! – In den letzten Jahren ist um diese Erkenntnis herum geradezu ein Hype entstanden. In der wertschätzenden Atmosphäre für das Kulturgut Buch hat sich eine klandestine Form der Literatur entwickelt, nämlich die „haptische Fantasy“.

Matthias Daxer versucht mit seiner mehrteiligen Komposition „Sturmtänzer“ die Kernelemente von Fantasy mit den Mythen der Alpen zu vermischen. Es geht bei ihm nicht um herumschwirrende Fantasie-Ritter, sondern um jene seltsam realistischen Sagen und Mythen, die im Land vorhanden sind und mit etwas Glück auch an die jeweils jüngste Generation weitererzählt werden.

Isabella Breier, Kosmo

h.schoenauer - 22.05.2026

Isabella Breier, KosmoEine Selbstkündigung lässt niemanden kalt. Zumindest die kündigende Person empfindet sich für ein paar Augenblicke als Individuum, das eine Entscheidung vorgenommen hat.

Isabella Breier stellt in Ihrem Roman „Kosmo“ schon im Titel einen vagen Kosmos vor, der thematisch, psychologisch und philosophisch so gut wie alles aufbricht, was wir im klassischen Wissenschaftsbetrieb mühsam in Schubladen und Fächer gepackt haben. Für die erste Beschreibung des Romans wird am Klappentext der Begriff „enzyklopädisches Erinnerungsuniversum“ verwendet.

Andreas Pavlic, Selige Unruhe

h.schoenauer - 08.05.2026

Andreas Pavlic, Selige UnruheManche Romane richten sich pädagogisch wohl kalkuliert an eine bestimmte Altersgruppe. Selige Unruhe legt schon im Titel nahe, dass es sich dabei um Ruheständler handelt, die artig gegendert sind.

Tatsächlich scheint sich der Unterhaltungsroman von Andreas Pavlic an die Zielgruppe „ältere Damen“ zu wenden, denn diese spielen die Hauptrolle. Die Kohorte der jetzt Siebzigjährigen hat in ihrer Jugend wie verrückt die Abenteuer-Serie „Fünf Freunde“ der Enid Blyton (1897-1968) gelesen. Was liegt also näher, als im Stile eines Retro-Romans auf die 1960er ein Abenteuer aus der Gegenwart zu erzählen. Der Plot zwingt einen geradezu auf diese Erwartungsschiene, denn vier Freundinnen, die als aktive Berufstätige vor dreißig Jahren einmal eine Bürgerinitiative abgewickelt haben, treffen sich als Betagte zu einem Revival.

Stefan Schmitzer, space waste

h.schoenauer - 04.05.2026

Stefan Schmitzer, space wasteJede Epoche stellt vor allem die Glanzlichter als Errungenschaften ins Licht der Geschichte, Aufgabe der zeitgenössischen Kunst ist es dann immer, die Schattenseiten und Hinterhöfe dieser Glanzlichter zu dokumentieren.

Stefan Schmitzer widmet sich in seinem Langgedicht „space waste“ dem Gegenteil des Urknalls, nämlich jenem Geräusch, das ein Mistsack macht, wenn er von der Baggerschaufel fällt. In jedem lyrischen Gehör beginnt sich bei der Beschreibung der Szene ein Geräusch aufzubauen, in dem sich vielleicht die Erfahrungen des Weltalls äußern, wenn sie auf einen jähen Augenblick treffen.