Heinz Kröpfl, Tollwut
Vielleicht sollte man es schlicht Tollwut nennen, was sich da auf engem Raum in einer Wohnsiedlung während eines Polizeieinsatzes abspielt.
Heinz Kröpfl lässt in bewährter sozial-chaotischer Manier verschiedene Kleinschicksale aufeinandertreffen und macht eine große Sache daraus. In einer Wohnanlage, die durchaus Elemente einer heißen Western-Kulisse in die Schwüle eines Samstagnachmittags aufragen lässt, kommt es zu einer Verdichtung der Gefühle bis hin zu Explosionsgefahr. Deeskalation ist nicht in Sicht, denn die beteiligten Helden können sich noch so bemühen, die Sache harmlos zu sehen, es steuert alles auf einen brutalen Klimax zu.
Meist steckt eine doppelte Botschaft hinter dem sogenannten Spätwerk eines Autors. Einmal ist es die literarische Information, die von den Texten ausgeht, und zum anderen der späte Glanz, der beim Schreiben in jener Aura entsteht, in der eigentlich schon alles gesagt ist.
Wenn die Stimmung im Land wieder einmal bedrückend wird, hilft manchmal ein Roman nach der Vorlage von Kleists Michael Kohlhaas, damit man sich mit dem Helden identifizieren, mit ihm kämpfen und mit ihm in Würde untergehen kann.
Ein echter Zirkus verwandelt jene Glücksvorstellungen, die im Laufe einer Kindheit aufgekeimt sind, in raren Fällen bei Erwachsenen zu einem realen Paradies. Der Weg zum Zirkus ist jedenfalls wie die meisten Bildungswege holprig und absonderlich.
In der naiven Malerei sind die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst, Autodidaktik und Akademie aufgehoben. Was als schlichte künstlerische Äußerung erscheint, ist in Wirklichkeit eine Handhabung der Realität unter dem Filter der Lebenserfahrung.
Pop-Literatur und Pop-Musik haben einen gemeinsamen Freund: Den Fußball. Allen drei Kunstgattungen ist eine wolkige Aura übergestülpt, die mit dem Schlüsselbegriff „naiv-romantisch“ umschrieben werden kann.
Auch fürs Lesen gilt: Das Auge isst mit! – In den letzten Jahren ist um diese Erkenntnis herum geradezu ein Hype entstanden. In der wertschätzenden Atmosphäre für das Kulturgut Buch hat sich eine klandestine Form der Literatur entwickelt, nämlich die „haptische Fantasy“.
Eine Selbstkündigung lässt niemanden kalt. Zumindest die kündigende Person empfindet sich für ein paar Augenblicke als Individuum, das eine Entscheidung vorgenommen hat.
Manche Romane richten sich pädagogisch wohl kalkuliert an eine bestimmte Altersgruppe. Selige Unruhe legt schon im Titel nahe, dass es sich dabei um Ruheständler handelt, die artig gegendert sind.
Jede Epoche stellt vor allem die Glanzlichter als Errungenschaften ins Licht der Geschichte, Aufgabe der zeitgenössischen Kunst ist es dann immer, die Schattenseiten und Hinterhöfe dieser Glanzlichter zu dokumentieren.