Lesefl%C3%BCssigkeit.PNGWas versteht man eigentlich unter Leseflüssigkeit? Einfach formuliert: dass ein Text mühelos und routiniert gelesen werden kann, dass man lesen kann, „ohne zu merken“, dass man liest (vgl. Rosebrock et.al 2011). Leseflüssigkeit ist also die Fähigkeit zur genauen, automatisierten, schnellen und sinnbildenden leisen und lauten Lektüre.

 

Nikolaus9331347f21e3ddb1a68920379caf9b1dbaf346a0-00-00.jpeg"Nikolaus dreht sich um, legt einen Finger auf seine Lippen und lächelt. Dann verschwindet er in der Dunkelheit, den prallgefüllten Beutel auf dem Rücken. Er hat noch was zu erledigen..." 

Lesetechnik.PNGDie frühzeitige Identifikation des Leselernstandes von Schülerinnen und Schülern durch die Klassenlehrperson ist zentral für die individuelle Verbesserung der Leseleistungen jedes einzelnen Kindes. Gerade für Schülerinnen und Schüler, die das Lesen von Beginn an vor eine Herausforderung stellt, ist eine ehestmögliche und zielgerichtete Förderung hinsichtlich der Leseleistungen über die gesamte Schullaufbahn hinweg unabdingbar. Förderdiagnostik dazu sollte bereits in der Mitte der 1. Schulstufe ansetzen (Handreichung des BMUKK: Der schulische Umgang mit der Lese-Rechtschreib-Schwäche, 2019).

 

Als eine von Beginn des Erstleseunterrichts bedeutsame Komponente hat sich eine systematische Instruktion in die Buchstabe-Laut-Beziehungen als besonders wirksam erwiesen – Befunde zeigen, dass dies den Kindern das Lesenlernen gerade zu Beginn deutlich erleichtert (Klicpera et al., 2007). Da die Variabilität der Leseleitung innerhalb einer Klasse sehr hoch ist – Landerl und Wimmer (2008) berichteten für eine Zufallsstichprobe von 115 Erstklasslern am Ende des Schuljahres von nur 19 Silben pro Minute bis zu 175 Silben pro Minute – ist die Herausforderung im Erstleseunterricht, dieser großen Bandbreite durch personalisierte Lernangebote gerecht zu werden. Gerade bis Mitte der 2. Klasse sollte ein zentrales Augenmerk auf die Lesetechnik, als Voraussetzung für flüssiges und sinnerfassendes Lesen gelegt werden; ein Fokus auf die Lesegeschwindigkeit wird für die 2. Hälfte der 2. Klasse und auch für die 3. Klasse empfohlen (Klicpera et al., 2007).

Lernumfeldbedingungen.PNGÜber alle Schulstufen hinweg dürfen „Lernumfeldbedingungen“ keinesfalls vernachlässigt werden, da der sozioökonomische Hintergrund, spezifische Lebensbedingungen und Interaktionen in Familien einen nachhaltigen Einfluss auf das Lernen allgemein von Schülerinnen und Schülern haben. Diesen Einfluss können wir tagtäglich in unseren Klassen erleben.

20 % der Schülerinnen und Schülern am Ende der Volksschule und 28 % der 15/16-jährigen Schulabgänger beherrschen maximal Basiskompetenzen des Lesens bzw. sind nicht in der Lage, sinnerfassend zu lesen (Vogtenhuber et al., 2012).

Schreibblock und e-bookDie Forschung zeigt, dass Papier auch weiterhin das bevorzugte Lesemedium bleiben sollte, vor allem wenn es um vertieftes Lesen, längere Einzeltexte und das Erinnern von Inhalten geht. Für unterschiedliche Lerntypen bei Kindern ist es aber auch interessant, gezielt digitale und gedruckte Texte einzusetzen.

Mit der Covid-Pandemie und den daran anschließenden Lockdowns hat die Digitalisierung in Beruf mit Homeoffice und Schulen mit Home-Schooling einen zusätzlichen Schub erhalten. Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung unserer Schul- und Arbeitswelt auf die Lesekompetenz und das Leseverhalten junger Menschen aus. Nach Antworten darauf hat sich die europäische Forschungsinitiative E-READ bereits zwischen 2014 – 2018 gemacht. 2019 wurden in der „Stavanger Erklärung“ eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der Metastudie veröffentlicht.

Erstleseunterricht.PNGErfolgreicher Erstleseunterricht konzentriert sich auf den Erwerb der Lesetechnik – die Sinnentnahme aus Texten steht dabei im Hintergrund. Bei einem Teil der Schülerinnen und Schüler ist dies nicht am Ende der ersten Klasse abgeschlossen, es gilt im Rahmen personalisierter Lernangebote den Kindern ausreichend Zeit zu lassen, da diese Basiskompetenzen in Bezug auf das Lesen eine entscheidende Grundlage für einen langfristigen Schulerfolg in allen Fächern darstellen.

Allgemein sind pädagogische Diagnosemaßnahmen, die auf das einzelne Kind abgestimmt sind, beim Leselernen von großer Bedeutung. Dass es dafür einen geschulten Blick der Lehrperson benötigt, zeigen schon Schmidt und Schabmann (2010). Fünf von Sechs Schülerinnen und Schüler, die am Ende der 1. Klasse zu den 15 % der schwächsten Leserinnen und Lesern gehörten, wurden von den Lehrerinnen und Lehrern im Dezember/Jänner der 1. Klasse als gute bzw. eher gute Leserinnen und Leser eingestuft, nur bei 11 % wurden leichte, bei 3 % schwerwiegendere Probleme beim Lesen festgestellt. Häufig herrscht die Fehlmeinung vor, dass Schwierigkeiten beim Lesen „von selbst vorbeigehen“ würden.

Schriftspracherwerb.jpgDer Schriftspracherwerb umfasst viel mehr als das Lernen von Buchstaben und Wörtern – Kinder entwickeln schon früh, vor Schuleintritt, erste Vorstellungen über die soziale Funktion von Schrift und ihren technischen Aufbau. Oftmals sind diese Einsichten noch fragmentarisch und auch fehlerhaft – Kinder brauchen daher Modelle für erste eigene Lese- und Schreibversuche, hilfreiche Rückmeldungen und individuelle Unterstützung.

Kinder sind Sinn-Sucher und scharfe Denker – sie versuchen zu verstehen! Ihre Vorstellungen von Schrift, wozu sie gut ist und wie sie „funktioniert“, sind eingebettet in ihre sehr persönlichen Alltagserfahrungen. Auf der Suche nach dem Sinn der Buchstaben kommt es oftmals zu selbsterschlossenen Regeln und Regelmäßigkeiten: „Die Kuh ist ein großes Tier, darum schreibt man Kuh auch mit einem großen Anfangsbuchstaben“ oder „Die Maus ist klein, darum verwende ich ein kleines <m> am Anfang des Wortes.“

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Lesen- und Schreibenlernen sind ein Meilenstein für Schulstarterinnen und Schulstarter. Diese zu lehren sind eine Herausforderung für Lehrpersonen, da die Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Kenntnissen in die Schule kommen.

logo phtAbläufe und Maßnahmen im Zusammenhang mit Buchstabenfolge, Buchstabenerarbeitung, Zusammenlauten, Erhebung des Leselernstandes, Individualisierung und Differenzierung im Leseunterricht

tiroler lesekompetenzDer Webauftritt der Tiroler Lesekompetenz ist auf „Lesen in Tirol“ übersiedelt, wo sie ihre umfangreichen und aktualisierten Materialien zur Leseförderung an Schulen unter einem neuen Gesicht anbietet.

Neben eigenen Materialien zum Erlesen, zur Worterkennung und zur Sinnerfassung und Klanggestaltung finden sich Hinweise auch auf externe Materialien. Diese reichen von Hilfen für die Auswahl von Fibeln und Materialien zu Schulbeginn bis hin zu den Bildungsstandards zur Leseförderung für Volksschulen.