Alice Hoffman, Nachtvogel
„Man sollte nie alles glauben, was man zu hören bekommt. Nicht einmal in der kleinen Stadt Sidwell in Massachusetts, wo angeblich jeder nur die Wahrheit sagt und die Äpfel so süß sind, dass viele Leute zum Apfelfest eigens aus New York anreisen. Das meistgehörte Gerücht hier in Sidwell ist die Mär von dem Monster …“ (5)
Merkwürdige Dinge passieren in der kleinen Stadt Sidwell. Gegenstände verschwinden und unheimliche Graffitis warnen davor, den Wald zu zerstören. In der Stadt macht immer mehr das Gerücht von einem unheimlichen Monster mit großen Flügeln die Runde, das in der Nacht erscheint und die Menschen bedroht. Die zwölfjährige Teresa Jane Fowler, von allen nur Twig genannt, macht sich zunehmend Sorgen über diese Gerüchte, denn sie und ihre Familie verbergen ein Geheimnis aus vergangenen Tagen.
„Irgendetwas stimmte nicht. Alles war auf einmal so still. Das Rauschen der Blätter an den Bäumen draußen im Hof war verstummt. Ebenso das Stimmengemurmel hinter der Tür der Buchhandlung. Selbst die Uhr an der Wand tickte nicht mehr.“ (7)
„Jetzt sah auch Lucius, dass von der goldenen Pupille im Auge Umbaks ein eigenartiges Funkeln ausging. »Irgendetwas stimmt nicht«, rief er. »Theo hat einen Zauber ausgelöst.« »Einen Zauber?«, erwiderte Harold. »Du spinnst wohl. Es gibt keine Magie.«“ (78)
„»Wer hält dich hier fest?«, fragte Ophelia. »Ich bin ein Gefangener Ihrer Majestät, der Schneekönigin«, sagte der Junge. »Ich glaube aber nicht an Schneeköniginnen.« »Glaubst du an Zauberschwerter?« »Na ja …«, sagte Ophelia. Sie wollte nicht unhöflich klingen. »Große magische Uhus? Kummervögel?« (19)
„»Alles, was sie hatten, war geborgt. Sie besaßen nichts Eigenes. Trotzdem, sagte mein Bruder waren sie empfindlich und eitel und glaubten, ihnen gehöre die ganze Welt.« »Wie meinst du das?« »Sie dachten die Menschen seien eigens dazu erfunden worden, die Schmutzarbeit zu machen, große Sklaven, die sie einfach benutzen konnten.«“ (S. 16)
„»Der kann ja sprechen«, sagt Prinz Neumann. Lotta grinst. »Alle Hunde können sprechen«, sagt der Hund. »Bellen«, verbessert Prinz Neumann. »Wie du das nennst, ist mir egal«, sagt der Hund. (11)
„Ich schaute auf meinen Notizblock: ein einziger Verdächtiger, eine einzige vage Spur – viel war das nicht. Aber es war meine große Chance! Die Detektei Kreuther stemmte ihre Pfoten in den Startblock und war drauf und dran, loszuspurten.“ (28)
„Dieses Buch erzählt von vielen solcher Typen. Ihre Einfälle sind manchmal genial und manchmal komisch. Aber immer stehen Fantasie, Leidenschaft und Ausdauer dahinter. Wie öde wäre die Welt ohne solche Gestalten.“ (9)
„»Das Schicksal nimmt keine Rücksicht, Kalia.« Er deutet mit dem Finger zum Fenster. Schon wanderten die Sterne zur Mitte des Himmels hinauf. »Drei Sterne für drei Kinder, genau wie es in der Prophezeiung geheißen hat. Kalia, auch der König wird die Sterne sehen. Nun kann ich deine Kinder nicht mehr geheim halten.«“ (12 f)
„Hinter den ausgedehnten Feldern im Süden lag der Wald, dunkel und geheimnisvoll, und dahinter die weite Welt. Die Welt, in der, den Geschichten zufolge, die unter uns die Runde machten, allerhand Ungeheuer hausten.“ (5)