John Green, Eine wie Alaska
Jugendromane sind letztlich an keine Spielregeln gebunden wie die sogenannten Erwachsenenromane, daher darf in ihnen kreuz und quer all das erzählt werden, was sonst verschwiegen wird.
Eine wie Alaska ist ein Roman, der sich ungebremst über alle Gattungen hinweg setzt, indem er sie teils ironisch, teils herzergreifend imitiert. Der sechzehnjährige Miles bricht als Ich-Erzähler eines Tages von Florida aus auf, um das Leben in die Hand zu nehmen. In einem Internat in Alabama soll sich endlich das Leben entfalten. Seine Spezialität sind sogenannte letzte Worte von Berühmtheiten, die er ständig zitiert.
„Carl Friedrich von Humboldt hielt die Morgenausgabe der Zeitung aufgeschlagen über dem Frühstückstisch. Sein Gesicht lag im Schatten. Vorne auf dem Titelblatt stand in großen Lettern geschrieben: Kaiser Wilhelm der Zweite ermordet. Abscheuliches Attentat am Kaiserpaar geht vermutlich auf das Konto der Sozialisten. Steht Deutschland vor dem Bürgerkrieg?“ (16)
„Ich hätte wissen müssen, was ich mir damit antat, Nicki alles zu erzählen. Wie schlecht ich mich danach fühlen würde. Ich hatte so getan, als sei das alles nur ein Klacks für mich. Ich hatte mir eingeredet, dass ich dem armen Mädchen half, mit dem Tod ihres Vaters fertig zu werden …“ (80)
„Um die Gegenwart zu begreifen, müssen wir die unterschiedlichen politischen Ideen und Theorien verstehen, die es in unserer Geschichte gegeben hat. Denn aus ihnen hat sich der aktuelle Zustand entwickelt. Gleichzeitig soll uns die Vergangenheit Warnung sein, allzu großes Vertrauen in unsere politischen Werte zu setzen.“ (15)
„Ihr Kompass zeigt nach Süden. Sie schreiben in Bildern und essen mit Stäbchen. Sie trauern in Weiß und heiraten in Rot. Der Nachname steht vorne. Die Suppe kommt dafür zum Schluss. In China ist vieles anders.“ (7)
Er riss die Augen auf und hielt den Atem an. „Sieh dir das an“, flüsterte er ehrfurchtsvoll. „Und in der Kiste ist noch viel mehr davon! Jede einzelne ist bis oben hin voll damit.“ Sheila richtete den Blick auf das Ding in seinen Händen und hätte vor Überraschung und Erleichterung beinahe laut losgelacht. „Aber das ist ja nur ein Buch“, rief sie aus. „Nur ein … ein Märchenbuch für Kinder!“ (36 f)
„Ich stamme aus Lunamon.“ „Lunamon?“ Die Möwe stieß ein Krächzen aus, das eher einem Seufzen ähnelte. „Das tut mir leid für dich. Wie man hört, hat Morgoya die Heimat deines Volkes dem Erdboden gleichgemacht.“ (13)
So sehr die Städte in ihren Zentren auch funkeln und voller Wahrzeichen leuchten, so dunkel und uniform sind sie an ihren Rändern.
Gute Science-Fiction fügt sich nahtlos in die Beschreibung der Gegenwart ein, so dass sich die Grenze zwischen aktueller Lese-Gegenwart und Dystopie kaum feststellen lässt.
Jede Gesellschaft spuckt für jede Epoche einen zeitgenössischen Huckleberry Finn aus. Dabei müssen auch moderne Finn-Helden jeweils vor einer Witwe fliehen und auf dem persönlichen Mississippi dem eigenen Glück und der Freiheit entgegenfahren.