Tim Probert, Lightfall - Das verlorene Licht
„Liebe Beatrice, verzeih mir, wenn ich heute Morgen etwas abgelenkt war. Dank dir ist mir eingefallen, dass ich eine äußerst wichtige Pflicht vernachlässigt habe. Das Siegel des Rastlosen Schläfers muss überprüft werden! Unglücklicherweise obliegt diese Aufgabe einem alten schusseligen Borstenvieh wie mir. Denn ich habe vollkommen vergessen, wo sich das Siegel befindet.“ (S. 55)
Auf dem Planeten Irpa lebt die junge adoptierte Beatrice gemeinsam mit ihrem Großvater, dem Zaubereber Alfirid, und der Katze Nim. Als sie im Wald nach Zutaten für ein Brillier-Elixier sucht, trifft sie auf Cadwaller, einen Galdurier, der die Hilfe Alfirids benötigt, um einen Text aus der vergessenen Sprache der Galdurier zu übersetzen. Als Bea und Cad das Haus des Zauberers erreichen, müssen sie feststellen, dass er spurlos verschwunden ist.
Im Eichenwald grünt und blüht es. Der Frühling ist da und alle Tiere genießen die ersten warmen Sonnentage. Die kleinen Hasen, Mäuschen, Enten und Schafe spielen in der Wiese und beobachten die Schmetterlinge und Vögel.
„Als Mika aus dem Zug stieg, ahnte er nicht, dass er heute sterben würde. Er fand auch so schon alles furchtbar genug. Die Hitze. Die viel zu schwere Reisetasche. Den runtergekommenen Bahnhof am Ende der Welt. Und dann auch noch Oma. Oma, die am Gleis stand, ihn durch meterdicke Brillengläser anstrahlte und ihm mit ihren Vogelärmchen aufgeregt entgegenwinkte. »Mika! Mika, mein Spätzchen!«“ (S. 7)
„Es war einmal, lange, lange bevor die Großmutter deiner Großmutter geboren wurde, ein alter Besenbinder, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, Hänsel und Gretel, am Rande eines großen düsteren Waldes lebte. Der Besenbinder war ein unbeschwerter Mann, seine Frau dagegen, die Stiefmutter der Kinder, ein Drachen.“
„Nick stand in der voll besetzten U-Bahn, als ihm zum ersten Mal dämmerte, dass etwas nicht stimmte. Sein Handy hatte mehrmals vibriert, als würde jemand anrufen. Die Nummer auf dem Display sah allerdings merkwürdig aus: 22032. Das konnte keine Telefonnummer sein. Er überlegte kurz ranzugehen, aus reiner Neugier. Doch noch bevor er eine Entscheidung treffen konnte, brach der Anruf ab. (S.
„Wie jeden Morgen erwachte ich mit dem Gefühl, als hätte mich ein Fuhrwerk überrollt. Stöhnend reckte ich mich auf der verbeulten Strohmatratze, dann schwang ich die Füße aus dem Bett. Auf Zehenspitzen huschte ich zum Fenster der Dachkammer und blickte hinaus. Trotz meiner schmerzenden Glieder liebte ich die Morgendämmerung. Rustgate wirkte im ersten Sonnenlicht beinahe friedlich.“ (S. 7)
„In der Nacht, in der die Uhren zurückgestellt wurden, stieg Isaac Turner zu Big Ben hinauf, um seinem Vater dabei zuzuschauen, wie er die Zeit anhielt. Es gab dreihundertvierunddreißig Stufen im Inneren des Elizabeth Tower und als Isaac über das Geländer schaute, schien sich die Wendeltreppe unter ihm wie ein Teleskop in die Tiefe zu ziehen. Sofort wurde ihm schwindlig.“ (S. 9)
„Ich war ein Taschendieb und ich war ein zweites Mal gefangen worden. Das erste Mal, wenn die Stadtpolizei einen Dieb fängt, wird er im Hof der Polizeiwache ausgepeitscht und wieder laufen gelassen. Das war mir im Jahr zuvor passiert. Da war ich vierzehn. Die zwölf langen Narben auf meinem Rücken juckten jedes Mal, wenn ich nur daran dachte. Das Erste, was die Polizei macht, wenn sie einen Dieb fängt, ist, sein Hemd auszuziehen oder es einfach aufzureißen. Dabei ist die Polizei nicht zimperlich. An den Narben auf dem Rücken sieht man sofort, ob es das erste oder zweite Mal ist.“
„Natürlich warf Tom sich später vor, dass er nicht sofort begriffen hatte, dass mit diesem Baum etwas ganz und gar nicht stimmte. Aber später war man immer klüger und es war schließlich nicht leicht, irgendeinen klaren Gedanken zu fassen, wenn Weihnachtsmusik durch alle Räume dröhnte – Frank Sinatra wie jedes Jahr, obwohl Lola diesmal Taylor Swift dazwischenmischte.“ (S. 15)
„Alle schlafen. Nicht alle stehen gerne auf. Alle machen Pipi. Nicht alle setzen sich aufs Klo.“