Alfred Paul Schmidt, Anderswo
Als erfolgreiche Erzählstrategien gelten seit Jahrhunderten das Labyrinth und der Spaziergang. Im Labyrinth geschieht alles gleichzeitig und aus der Drohnenperspektive sieht man die Ausweglosigkeit, der Spaziergang hingegen wickelt sich chronologisch ab, der Sinn entsteht in einzelnen Schritten, auch wenn das Ziel vielleicht nie erreicht wird.
Alfred Paul Schmidt nennt seinen Spazier-Roman „Anderswo“, denn der Erzähler hat immer den Eindruck, dass es sich überall anderswo abspielt, nur nicht gerade im Nun und Jetzt bei ihm. Diese Einschätzung führt in ein weites Feld von Themen, die alle gleich logisch oder wichtig sind, wenn man sie nur im Kopf aufbereitet und währen des Gehens aus sich herauslässt.
Eine Dissertation ist eine Textsorte, über die schon einmal Rechtschreib-, Gender- und Plagiatsprogramme drübergelaufen sind. In einer barrierefreien Uni kann mittlerweile jeder eine Dissertation abliefern, wenn es nicht klappt, liegt es am akademischen Personal, aber nicht an der einreichenden Person.
In der Schokoladenbranche gibt es einen Anbieter, der sein Produkt quadratisch anbietet. Unter Zuhilfenahme diverser Werbemaßnahmen ist es ihm angeblich gelungen, die Schokolade dermaßen zu formatieren, dass jedes einzelne Stück auf der Zunge quadratisch schmeckt.
In der analogen Welt hat man früher in der Grundschule mit dem Setzkasten gearbeitet. Dabei wurden dem Kind allerhand Buchstaben angeboten, aus denen es jene Wörter nachbauen konnte, die auf der Tafel standen.
„Wenn wir also Unterrichtssituationen wie auch Begegnungen im Alltag neu oder anders betrachten, können wir die verblüffende Wirkung neuer Denkmuster spüren. Zu solchen Resonanzerlebnissen will das vorliegende Buch mit anschaulichen Beispielen anregen.“ (S. 14)
Am Cover jagen acht Kampfjets einen Vogel, der aus dem Bild zu flüchten trachtet. Die blauen Flugkörper huschen über einen gelben Grund, und beides erinnert an die ukrainische Fahne, die stets an der Kriegsgrenze auf und ab getragen wird.
In der Schokoladenbranche gibt es einen Anbieter, der sein Produkt quadratisch anbietet. Unter Zuhilfenahme diverser Werbemaßnahmen ist es ihm angeblich gelungen, die Schokolade dermaßen zu formatieren, dass jedes einzelne Stück auf der Zunge quadratisch schmeckt.
Damit sich ein Staat gegenüber anderen Staaten legitimieren kann, braucht er neben Fahnen, Verfassung, Verteidigung und Währung auch den Nachweis, dass er lesen und schreiben kann. Ursprünglich mussten nur Kirchenleute und Kriegsherrn nachweisen, dass sie zumindest Urkunden lesen können, in demokratisch organisierten Gebilden ist es unumgänglich, dass es auch eine Literatur gibt, die aus dem Volk für das Volk gemacht wird.
„Wenn es etwas gibt, das uns als Zeitgenossen verbindet, dann ist es die fast feindlich gesonnene Abstinenz von allem, was nach Recht und Gesetz aussieht. Die Reste der res publica leiden an unter einer ubiquitären Rechtsphobie. Je mehr der Gesetze, desto weniger wollen wir davon wissen …“ (S. 7)
„Häufig existieren utopische und idealisierte Vorstellungen von Demokratie und überzogenen Erwartungen und Anforderungen bezüglich der Leistungsfähigkeit eines demokratischen Systems, die sich weit von der Realität entfernt haben und vor denen die alltägliche Praxis demokratischer Wirklichkeit unscheinbar, wenn nicht sogar abstoßend wirkt.“ (S. 12)