Volker Demuth, Fossiles Futur
Was für ein universell gekreuzter Begriff! Die Fossilien liegen in ferner Vergangenheit und vom Futur wissen wir nicht, wie lange es hält.
Volker Demuth verwendet für seine Lyrik die unerschöpflichen Begriffsfelder Landschaft und Zeit. In dieser Konstellation verschmelzen Fossilienforscher, Landschaftsarchitekten und Zukunftsdeuter zu einem, nämlich zum Lyriker. Der Autor definiert diese Felder als Kapitel-Unterschriften, die wie Insignien im Buch ausgelegt sind. „Die Gegenwart ist die reale Zukunft einer inexistenten Vergangenheit.“ (35) „Landschaften sind Speichermedien.“ (63)
Während die einzelne Feder als etwas Edles gilt, immerhin verdanken wir dem Federkiel einen Großteil unserer Schriften, gilt der Vorgang für ihre Gewinnung als etwas Brutales. Das Federvieh entgeht dabei oft knapp einem Räuber, indem es Federn lässt. Ähnliches trägt sich in der Erziehung eines Individuums zu. In regelmäßigen Abständen muss es etwas von seiner Identität abwerfen, damit es von den Zugriffen der Gesellschaft halbwegs ungeschoren davonkommt.
„Das „Lehrbuch Literaturpädagogik“ ist ein Lernbegleiter, der die ganze Vielfalt dieses Tätigkeitsbereichs abdeckt. Es umreißt und erläutert die Handlungsfelder der Literaturpädagogik, formuliert Grundlagen für das pädagogische Handeln und gibt eine Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur.“ (S. 9f)
In alten Märchenbildern ist die Welt wie eine Sanduhr aus Sternen aufgebaut. Wer in die Tiefe eines Brunnens blickt, sieht darin die Sterne des Firmaments gespiegelt, wer in den Himmel schaut, wird in die Tiefe hinabgezogen wie in einen Brunnen.
Wenn Materie nicht aus Materie besteht, wie in Physikerkreisen formuliert wird, dann könnte vielleicht Dichtung Materie sein?
Wenn dir beim Aufschlagen eines Buches alles fremd ist, lies es wie ein Lexikon!
Staatstragende Romane sollten wenigstens zehn Jahre lang warten, ehe sie eine Gegenwart historisch abgekühlte beschreiben. Alles, was zu nahe an den aktuellen Kalender herangeführt ist, klingt nach Wahlkampf, Propaganda oder Streitschrift.
„In diesem Werk geht es darum, die Grundzüge der römischen Politik und Gesellschaft sowie deren Wandel über die lange Epoche von 500 Jahren verständlich zu machen. Zudem eröffnet die Beschäftigung mit der römischen Republik Einblicke in die Formierung politischer Gemeinschaft, Staatenbildung und Herrschaftssicherung.“ (S. 22)
„Eine der großen Herausforderungen im künstlerischen Schaffen besteht heute darin, wie man persönlich mit der nahezu unvermeidbaren Verbindung von digitalen und analogen Momenten in der eigenen Arbeit umgeht. Diese Fragestellung war noch vor zwei oder drei Jahrzehnten kaum abzusehen. Dementsprechend unvorbereitet, bisweilen auch frisch und neu sind die Antworten, vergleichbar mit dem Aufkommen der Abstraktion und des Films vor hundert Jahren.“ (S. 19)
Der eine kommt aus dem Nebel zurück und verkündet, er habe die Aussichtswarte verfehlt und daher nichts gesehen, der andere nimmt vor dem Bildschirm des Internisten Platz und kriegt eine Vorschau auf seine Krankengeschichte, irgendwo ganz hinten sitzt der Tod.