Aktuelle Buchtipps

 

Patrick Hertweck, Der letzte Rabe des Empire

andreas.markt-huter - 05.05.2022

patrick hertweck, der letzte rabe des empire„Auf einmal war ein spitzer Schrei zu hören. Diesem folgten entsetzte Rufe und das Trillern einer Polizeipfeife. Kurz darauf drang das Echo aufgebrachter Stimmen in die Kammer. Was war da draußen geschehen? Schon war Melvin auf den Beinen, eilig in seine Schuhe geschlüpft und aus dem Fenster geklettert.“ (S. 8)

Der Waisenjunge Melvin lebt als Straßenkind in den Gassen Londons. Wir schreiben das Jahr 1888 und Jack the Ripper treibt in der Stadt sein Unwesen und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Zu seinem Schrecken muss Melvin feststellen, dass er mit den Opfern ihrer Kupplerin bis vor zwei Jahren im „Ten Bells“ gewohnt hat.

Michel Jean, Kukum

h.schoenauer - 04.05.2022

michel jean, kukumWenn man die großen Erzählungen von Mutter Erde auf sich einwirken lässt, so sind die Geschichten oft wie das eigene Leben aufgebaut. Viele von uns haben eine unversehrte Kindheit, eine jähe Aufbruchsstimmung und das Desaster von Habgier und Wachstum erlebt, ehe wir jetzt alt und kaputt auf die Erde schauen und seufzen, dass wir deren Untergang gerade nicht mehr erleben werden.

Die meisten unserer Jahrgänge haben das Lesen gelernt mit scheinbar unversehrten Geschichten von Robinson Crusoe oder Lederstrumpf. Wir Leser mussten alt werden, um nachzulesen, wie die Geschichte von der Eroberung und Verwüstung der Natur wirklich erzählt werden muss.

Jack Meggitt-Phillips, Biest & Bethany - Nicht zu zähmen

andreas.markt-huter - 03.05.2022

jack meggitt-phillips, biest und bethany - nicht zu zähmen„Ebenezer Tweezer war ein schrecklicher Mensch, sein Leben aber war wundervoll. Er musste niemals hungern, denn seine zahlreichen Kühlschränke quollen stets über vor Leckereien. […] Nicht einmal über seinen Tod musste sich Ebenezer Tweezer Gedanken machen. Als die folgende Geschichte ihren Lauf nahm, war sein 512. Geburtstag nur noch eine Woche entfernt …“ (S. 9 f.)

Ewiges Leben und ewige Jugend haben ihren Preis, wie schon Oscar Wild in seinem schauerlichen Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu erzählen wusste. Doch hatte es Dorian Gray nicht mit einem frechen und widerspenstigen Waisenkind zu tun, das sein Leben verändern hätte können.

Saul Friedländer u.a., Ein Verbrechen ohne Namen

andreas.markt-huter - 02.05.2022

saul friedländer, ein verbrechen ohne namen„Das postkoloniale Denken versucht zu beweisen, dass die Vernichtung des europäischen Judentums ein Genozid wie jeder andere war, nämlich ein Töten aus konkreten praktischen Überlegungen. Daher versuchen die postkolonialen Theoretiker möglichst oft die Worte »Kolonialismus« oder »Imperialismus« zu verwenden, wenn sie das Schicksal der Juden Europas beschreiben …“ (S. 23)

Während beim Historikerstreit der Jahre 1986/87 in der deutschen Geschichtswissenschaft der Verwurf der Relativierung des Holocaust durch konservative Historiker im Mittelpunkt der Diskussion gestanden hat, trifft der Vorwurf der Relativierung der NS-Verbrechen in der jüngsten Debatte vor allem linke Theoretiker, die den Holocaust im Kontext des Kolonialismus und kolonialer Gewalt betrachtet wissen wollen.

Roland Bock, Jetzt verstehe ich die Bäume

andreas.markt-huter - 30.04.2022

roland bock, jetzt verstehe ich bäume„Hi, ich heiße Valentina … und ich bin Linus. Wie sieht eine Eiche aus? Was ist typisch für eine Buche? In der Schule lernst du viel über Bäume und ihre Blätter. Aber es ist ganz schön schwierig, sich zu merken, ob der Blattrand eines Baumes »gezackt«, »gezähnt« oder »gesägt« ist. Wie kannst du Bäume aber ganz leicht erkennen. Was sind ihre Besonderheiten? und wie kannst du sie dir merken. Unser Freund Roland, ein echter Baumexperte, hat und dabei geholfen.“ (S. 4 f)

Das Sachbuch für Kinder stellt vierzehn heimische Baumarten vor und erklärt, anhand welcher Merkmale sie sich leicht unterscheiden lassen. Um das Ganze in der freien Natur zu erleichtern, gibt es zu jedem Baum eine eigene Baumkarte, wo die wesentlichen Kennzeichen kompakt aufgelistet sind.

Felix Philipp Ingold, Überzusetzen

h.schoenauer - 29.04.2022

felix philipp ingold, übersetzenLiteratur ist ein Material, das je nach Konsistenz gewisser Formen bedarf, um es zu transportieren oder archivieren. Neben den klassischen Erscheinungsformen wie Roman, Gedicht oder Essay gibt es noch etwas, was sich in keiner Form fassen lässt. Augenzwinkernd könnte man vom „Nichteingezwängten“ reden, also einem Text, der für alle Formangebote zu groß oder zu klein ist.

Felix Philipp Ingolds Literatur ist formvollendetes Nichteingezwängt-Sein. In voluminösen Bänden erscheint sein Lebenswerk quasi neu zusammengesetzt für die Nachwelt. Das heißt, die bislang veröffentlichten Schriften werden oft ihres Genres entkleidet und erscheinen als Stoffsammlung mit eingefügten Essays, Notizen, Repliken und Umschreibungen des früheren Zustandes als Erstveröffentlichung.

Leo Ball u.a., Visuelles Wissen. Physik

andreas.markt-huter - 28.04.2022

leo ball, visuelles wissen - physik„Naturwissenschaften möchten erklären, wie und warum etwas geschieht, z. B. wenn elektrischer Strom durch einen Draht fließt oder wann Sterne oder Planeten entstehen. Dazu gehen sie logisch Schritt für Schritt vor. Die hier beschriebenen Schritte werden von allen Naturwissenschaften verwendet.“ (S. 10)

Die Physik und das naturwissenschaftliche Denken haben den Blick des Menschen auf die Welt und ihre Erscheinungen grundlegend geändert und ihre Auswirkungen sind fixer Bestandteil unseres alltäglichen Lebens geworden. Das Sachbuch „Visuelles Wissen. Physik“ für Kinder und Jugendliche stellt die einzelnen Teilgebiete der Physik detailliert vor.

Lydia Davis, Es ist, wie‘s ist

h.schoenauer - 27.04.2022

lydia davis, es ist, wie's istEine einzige gelungene Shortstory ist schon aufregend wie das Gesamtwerk einer Künstlerin, zeigt sie doch auf engstem Raum jeweils eine zentrale Thematik, eine solitäre Erzähltechnik und eine konnotierte Lebenserfahrung. Lydia Davis erfüllt diese Kriterien in beinahe jeder ihrer Geschichten, und manchmal setzt sie dazu neue Maßstäbe, wie in der ersten Geschichte des Bandes „Es ist, wie’s ist“.

Unter dem mageren, weil vielsagenden Titel „Story“ setzt die Sammlung mit einem prägnanten Ereignis ein, das aus heiterem Himmel zu Unruhe und psychischer Entgleisung führt. Eine Erzählerin hat ein recht ungeklärtes Verhältnis zu ihrem Freund, manchmal springt sie eine Panikattacke an, wenn sie nicht genau weiß, was er gerade macht. Jetzt am Abend hat er nicht angerufen, er wird vielleicht mit einer Freundin zusammen sein. Er reagiert nicht auf Anrufe, die Erzählerin beginnt ihre Unruhe abzuarbeiten und aufzuschreiben. „Ich wechsele in die dritte Person und ins Präteritum!“ (5)

Stefanie Jeschke, Die Erdmännchen sind los!

andreas.markt-huter - 26.04.2022

stefanie jeschke, die erdmännchen sind los„10 Erdmännchen sind ausgebüxt und machen eine Tour durch den Zoo. Wer hat Adleraugen und findet sie. Die pfiffigen und flinken Kerlchen spielen Mikado mit dem Stachelschwein, genießen eine Elefantendusche und tanzen sogar mit den Pinguinen!“

Das farbenprächtige Wimmelbuch „Die Erdmännchen sind los“ lädt ein zu einer abenteuerlichen Reise durch den Tierpark mit allen möglichen verschiedenen Tieren, vom Löwen bis zum Pinguin.

Hans-Joachim Fischer, Frühgriechische Philosophie

andreas.markt-huter - 25.04.2022

hans-joachim fischer, frühgriechische philosophie„Die Reise ins anfängliche philosophische Denken ist deshalb so faszinierend, weil sie uns im Prozess der Aneignung auf die eigenen Anfänge zurückführt. Nirgendwo sonst – scheint mir – sind wir so sehr auf die Gründe zurückgeworfen, auf die alles Denken, auch unser eigenes Denken aufbaut, wie in dieser Rückbesinnung auf die Anfänge.“ (S. 9)

Die Auseinandersetzung mit den Anfängen des philosophischen Denkens bietet die Möglichkeit, auch die Grundlagen des eigenen Denkens zu entdecken, auf denen alles Denken basiert, das sich in bisher unbekannten Gefilden bewegt und keine sicheren Hinweise und Haltepunkte vorfindet.