Andreas H. Schmachtl, Hörnchen & Bär
„Neulich im Wald war ein gewisses Gebrumm zu hören. Damit lässt es sich beginnen. Und dann kann man noch sagen, dass es ein sehr guter Wald war. Womöglich sogar der beste. Es gab nämlich einen See, unzählige Bäche, bemooste Felsen, Blaubeerbüsche, dichtes Unterholz und natürlich Bäume.“ (S. 10)
Hörnchen lebt in einer gemütlichen Schlafhöhle im Stamm eines großen Baumes, auf dem es sich auch Hetti die Zaunkönigin und Hopp der Laubfrosch eingerichtet haben. Als er am Fuß des Baumes ein Gebrumm wahrnimmt, das zu seinem Freund Bär gehört. Den begleitet er schon mal gern zum Fischen am See auch wenn er keinen Fisch, sondern Eicheln mag und sich schlauerweise gleich eine Eichel an seine kleine Angel bindet.
Jahreszahlen auf Buchcovern lösen im Lesegedächtnis unverschlüsselte Reaktionen aus. Wenn die seltsame Zahl 2020 aufblitzt, erweckt sie ähnlich wie seinerzeit 1914 ein mulmiges Gefühl, geht es doch bei beiden Jahren um große Katastrophen.
„Der Rauch von der Explosion folgte ihm die ganze Whitehall Street hinab. Während er so ging, wurde er Teil eines Trupps von Gespenstern. Das Ticken der Uhr spürte er ganz deutlich in der Hand. Er hätte sie Williamson geben sollen, hätte es tun müssen. Nur der Bombenbauer wusste genau, wann eine Bombe explodieren würde. Der Alarm war eingestellt gewesen, um ihn zu warnen.“ (S. 60)
Wenn es um die Wahrheit geht, können Handbücher durchaus dünn ausfallen. Im Gegenteil, je umfangreicher die Absätze bei der Darstellung einer vermeintlichen Wahrheit ausfallen, umso verdächtiger erscheinen sie jemandem, der vielleicht Ludwig Wittgensteins Tractat vor Augen hat und liest: „Die Welt ist alles, was der Fall ist.“
„Als Olive in die Küche kam, saß ein Elefant neben ihrem Vater an dem kleinen Holztisch. Beide hatten sie denselben müden Gesichtsausdruck und starrten aus dem Fenster, als wäre es ein Bild, das sie noch nie gesehen hatten. Der Elefant hatte einen kleinen schwarzen Hut auf dem Kopf und sein Schatten machte die ganze Küche dunkel.“ (S. 7)
Als erfolgreiche Erzählstrategien gelten seit Jahrhunderten das Labyrinth und der Spaziergang. Im Labyrinth geschieht alles gleichzeitig und aus der Drohnenperspektive sieht man die Ausweglosigkeit, der Spaziergang hingegen wickelt sich chronologisch ab, der Sinn entsteht in einzelnen Schritten, auch wenn das Ziel vielleicht nie erreicht wird.
„Schließlich – Endlich! – Gelang mir vor 12000 Jahren im Nahen Osten ein unerwarteter Durchbruch … In Gestalt einer kleinen Weizenähre führte ich einen armen Sapiens namens Faustus in Versuchung.“ (S. 14)
Eine Dissertation ist eine Textsorte, über die schon einmal Rechtschreib-, Gender- und Plagiatsprogramme drübergelaufen sind. In einer barrierefreien Uni kann mittlerweile jeder eine Dissertation abliefern, wenn es nicht klappt, liegt es am akademischen Personal, aber nicht an der einreichenden Person.
„»Ist zehn viel?«, fragte der kleine Wolf seinen Papa, als sie gemeinsam im Wald spazieren gingen. »Kommt ganz darauf an«, meinte daraufhin Papawolf. »Worauf denn?«, fragte der Kleine neugierig und spitzte seine Ohren. Papawolf überlegte ein Weilchen.“
In der Schokoladenbranche gibt es einen Anbieter, der sein Produkt quadratisch anbietet. Unter Zuhilfenahme diverser Werbemaßnahmen ist es ihm angeblich gelungen, die Schokolade dermaßen zu formatieren, dass jedes einzelne Stück auf der Zunge quadratisch schmeckt.