Walter Benn Michaels, Der Trubel um Diversität
„Falsch an der Identitätspolitik ist, mit anderen Worten, dass sie nur solche Ungerechtigkeiten zur Kenntnis nimmt, die durch Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, Homophobie) hervorgebracht werden. Die Ungleichheiten, die jedem von uns in jedem Augenblick dadurch entsteht, dass Arbeiter weniger bezahlt bekommen als den Wert dessen, was sie produzieren, werden außer Acht gelassen oder, schlimmer, als normal erachtet.“ (S. 14)
Walter Benn Michaels stellt in seinem kritischen Sachbuch die Zunahme der gesellschaftlichen Diskussion um Diversität in den Mittelpunkt, die sich gegen Rassismus, Sexismus und Transphobie richtet. Diese, von den USA ausgehende Bewegung, stößt vor allem auch in Ländern auf zunehmendes Interesse, in denen von der zunehmenden Kluft zwischen Armen und Reichen abgelenkt werden soll.
„Er warf einen Blick auf das Paket, dann richtete er die Augen auf sie. »Ich muss da raus. Ich muss nachsehen, ob sie es sind. Kann ich dir vertrauen?« Sie zuckte mit den Schultern. »Ja, schon, aber ich …« »Bist du ein ehrliches Mädchen? Du siehst zumindest so aus.« Mit einer plötzlichen, entschlossenen Bewegung streckte er ihr das Paket hin. »Sei so gut und pass kurz
Eine Neuigkeit, bei deren Lektüre es einem wie Schuppen von den Augen fällt, ist der ideale Stoff für eine Novelle. Dieses Genre erweist sich meist als hartnäckiger als die Gegenwart und lässt den Schluss zu, dass etwas erst dann über den Alltag hinaus von Bedeutung ist, wenn es in einer Novelle Platz genommen hat.
„Mac Durant, aka Inbegriff aller Sehnsüchte: gut aussehend, klug, charmant, beliebt, Top-Athlet, Zu-perfekt-um-wahr-zu-sein-Herzensbrecher und Idealbesetzung jeder Teenie-Rom-Com, die du je gesehen hast. Und dann dieser geradezu absurd passende Name. Mac Durant. Was zum Teufel macht er hier?“ (S. 13)
Lyrik steckt meist schon auf den ersten Blick ein Territorium ab, das mit eigentümlichen Fügungen beschrieben wird, wie man etwa Stadtviertel mit Graffiti markiert. Die lyrischen Signale zeigen den Eingeweihten sowohl Tageslosung als auch Zukunftsprogramm, während Außenstehende die Wort-Zeichen wie Piktogramme lesen, denen keine unmittelbare Handlung folgt.
„In letzter Zeit sieht Papa aber immer so traurig aus. Und manchmal sieht es aus, als hätte er sogar Angst vor dem Seil. Dann bleibt er im Bett und sein Lachen ist verschwunden. Kolumbus und ich versuchen dann immer, ihn zum Lachen zu bringen und überlegen uns die witzigsten Kunststücke. Aber das hilft meistens nichts.“
„Dieses Buch handelt von den fundamentalen Erkenntnissen, die wir beim Studium der Natur gewinnen können. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die unbedingt wissen wollen, was die moderne Physik darüber sagt. Es sind Juristen, Ärzte, Künstler, Studenten, Lehrer, Eltern oder einfach wissbegierige Leute. Sie sind intelligent, haben aber kaum einschlägige Kenntnisse. Ich habe im Folgenden versucht, die zentralen Botschaften der modernen Physik so einfach wie möglich darzustellen, ohne es an Genauigkeit fehlen zu lassen.“ (S. 9)
„Was ist Geld? Wofür braucht man es? Münzen sind Geld. Banknoten ebenso. Eine Zahl auf dem Bildschirm kann auch Geld sein. Oder eine Vorstellung im Kopf! Ohne Geld geht fast nichts. Wir benutzen Geld praktisch jeden Tag. Beinahe alles wird dadurch gesteuert: sei es Brotbacken, Schulunterricht, Kriegsführung, Fußballspiele oder der Bau von Weltraumraketen.“ (S. 6)
Warum ist die eine Literatur groß und die andere bleibt unsichtbar? – Weil die eine mit viel Sekundärliteratur unterlegt ist und die andere als zu dünnhäutig nicht mit dem vorhandenen Besteck seziert werden kann. Sekundärliteratur ist das Schmiermittel einer bestimmten Sorte von Literaturmarkt und macht mit der Zeit aus jedem Text eine große Sache.
„Meer – Wald. Das war’s, was auf New Tahiti zur Auswahl stand. Wasser und Sonne oder Dunkelheit und Laub. Aber jetzt waren Männer gekommen, um der Dunkelheit ein Ende zu bereiten und das Durcheinander an Bäumen in saubere, gesägte Bohlen zu verwandeln, die auf der Erde kostbarer waren als Gold.“ (S. 22 f)