Aktuelle Buchtipps

 

Patrick Hertweck, Tara und Tahnee

andreas.markt-huter - 10.08.2022

patrick hertweck, tara und thanee„Am Abend stand Tahnee Fitch am Fenster der vom Ofenfeuer nur dürftig erwärmten Blockhütte und knetete ungeduldig die Hände. Tahnee war elf Jahre alt und wartete auf ihren Vater. Allmählich machte sie sich Sorgen. Schon vor Sonnenaufgang war er in die Wälder aufgebrochen und eigentlich wollte er spätestens am frühen Nachmittag zurück sein. Nun dämmerte es bereits und noch fehlte jede Spur von ihm.“ (S. 7)

Die Geschichte spielt im amerikanischen Wilden Westen im Jahr 1856, knapp nach dem Ende des kalifornischen Goldrausches. Es ist eine Zeit der Gesetzlosigkeit, in der das Recht auf der Seite steht, der mehr Geld hat oder schneller zur Waffe greifen kann. Mitten drin wird das Leben zweier elfjähriger Mädchen auf eine harte Probe gestellt.

Georgi Gospodinov, Zeitzuflucht

h.schoenauer - 08.08.2022

georgi gospodinov, zeitzufluchtWenn es sich von dieser Welt schon nicht horizontal-geographisch fliehen lässt, vielleicht sollte man es vertikal-chronologisch versuchen. Warum nicht in die Zeit selbst fliehen, statt aus ihr heraus?

Georgi Gospodinov erzählt in seinem über den Kontinent gespannten Roman „Zeitzuflucht“ von der Magie der Vergangenheit als der eigentlichen Zukunft. Es ist wahrscheinlich alles nur eine Frage der Richtung, „wer sich in der Vergangenheit umdreht, sieht die Zukunft“.

Lena Raubaum, Oma Klack macht Schabernack

andreas.markt-huter - 05.08.2022

lena raubaum, oma klack macht schabernack„Es gibt viele Omas auf dieser Welt. Sehr viel. Große und kleine, riesige und winzige. Und natürlich eine Menge dazwischen. Solche, die auf dem Land leben. Solche, die in der Stadt leben, und solche, die ab und zu am Land und ab und zu in der Stadt leben.“ (S. 5)

Zunächst einmal wird auf überaus amüsante Weise abgeklärt wie unterschiedlich Omas doch sein können und das nicht nur vom Aussehen. Auch ihre Vorlieben, Hobbys, Lieblingstiere können höchst unterschiedlich sein genauso wie sie sich am liebsten kleiden, oder ob sie lieber mit dem Auto, dem Bus, der Bahn oder gar mit dem Motorrad fahren.

Gerd Busse, Typisch belgisch - Belgien von A bis Z

h.schoenauer - 03.08.2022

gerd busse, typisch belgischWenn die EU sich Brüssel als Hauptstadt unter den Nagel gerissen und ihre Nationen als austauschbares Ganzes eingebracht hat, ist dann noch etwas übrig für „typisch belgisch“?

Und wenn die Globalisierung alles verschiebbar oder universal-kompatibel gemacht hat, muss dann nicht jedes Land erst recht aufstehen, um sich mit ein paar typischen Dingen eine Restidentität zu verschaffen, ohne gleich in den Nationalismus überzuschwappen?

Malene Sølvsten, Ansuz - Das Flüstern der Raben

andreas.markt-huter - 01.08.2022

melene sölvsten, ansuz„Ich konnte schon immer die Vergangenheit sehen. Und gerade befand ich mich in einer Vision. Obwohl ich barfuß war und spürte, wie die Winterkälte meine Beine hinaufkroch, wusste ich, dass ich eigentlich nicht dort war. Ein Mädchen ging dicht an mir vorbei. Ihr Gesicht war hinter einem Vorhang aus verfilzten Haaren verborgen, die im schwachen Mondlicht hellgrau aussahen. Normalerweise fürchte ich mich nicht, wenn ich Ereignisse aus der Vergangenheit sehe. […] Doch diese Vision ließ mein Herz gegen die Rippen hämmern, und ich bekam kaum Luft vor Angst.“ (S. 9)

Die 17-jährige Anne Sakarias hat ohne Eltern bei verschiedenen Pflegefamilien aufwachsen müssen. Nachdem sie einem Schulkollegen, der sie überfallen hat, mit seinem eigenen Baseballschläger die Nase gebrochen hat und für kurze Zeit im Jugendgefängnis gelandet ist, wird sie vom Jugendamt betreut. Als das dänische Städtchen Ravnssted plötzlich von grausamen Morden an rothaarigen Mädchen heimgesucht wird, ahnt Anne nicht, in welchem Zusammenhang die Verbrechen mit ihr stehen.

Peter Paul Wiplinger, "Schachteltexte III"

h.schoenauer - 29.07.2022

peter paul wiplinger, schachteltexte3Damit die Literatur aus dem Leben heraustreten und sich Luft verschaffen kann, braucht es zwei Beobachtungsschlitze: Durch den einen blickt man auf den anstehenden Tag, durch den anderen auf das verflossene Leben.

Peter Paul Wiplinger führt die beiden Suchbewegungen mit seinen Schachteltexten elegant und eindringlich zusammen. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er an diesem einmaligen Dokument, wobei auf ausgeklappte und ausgerissene Verpackungsteile mit der Füllfeder Texte komponiert werden. Ein Auge blickt auf den aktuellen Zustand des schreibenden Ichs und das andere setzt sich den historischen Gezeiten von Kindheit bis zur Reife aus.

Jörg Steinleitner, Die Barfuß-Bande und die Reise über alle Berge

andreas.markt-huter - 27.07.2022

jörg steinleitner, die barfussbande„Die Barfuß-Bande gibt es seit Anfang der Sommerferien. Und obwohl sie den perfekten Namen hat und auch schon richtige Bandenabenteuer bestanden hat, ist Corvin sich gerade nicht sicher, ob die Barfuß-Bande wirklich noch eine Bande ist. »Wenn wir schon wieder ein Mitglied verlieren, ist das echt peinlich. So was hab ich noch nie von anderen Banden gehört!«“ (S. 6)

Nach dem letzten Abenteuer der Barfuß-Bande muss Quentin am Ende seines Urlaubs die Freunde verlassen und mit seinen Eltern wieder nach Hause fahren. Als nun auch noch das jüngste Mitglied der Bande, der neunjährige Taio, abreisen soll, wird es Corvin zu viel. Er schlägt vor Taio zu entführen.

Selma Mahlknecht, "Berg and Breakfast"

h.schoenauer - 25.07.2022

selma mahlknecht, berg and breakfastTourismus ist wie Sex: Wenn du anfängst, darüber nachzudenken, ist er kaputt.  Durch das Format Essay werden derlei Gefährdungen minimiert. Im Essay darf nämlich auf gesicherten Fakten subjektiv nachgedacht werden.

Selma Mahlknecht verbindet im Titel ihres Essays das Sehnsuchtselement Berg mit dem handfesten Frühstück, das Hardcore eingenommen wird. Im Tourismus geht es nämlich immer um Bilder, die als luftige Vorstellung vorausreisen, ehe der Körper handfest hinterher reist, um sie zum Platzen zu bringen – wie die sprichwörtliche Seifenblase.

Fabian Lenk, Der mutigste Wikinger der Welt

andreas.markt-huter - 22.07.2022

fabian lenk, dier mutigste wikinger der welt„Ist das aufregend! Der junge Wikinger Leif und sein älterer Bruder Aki lauschen ihrem Papa Erik. Papa Erik erzählt die besten Geschichten. Von wunderschönen Elfen, von Drachen und Trollen. Sie sitzen zu Hause am Feuer. Mama Inga hört zu. Dabei webt sie einen Teppich.“

Nicht erst seit „Wickie und die starken Männer“ fasziniert die Welt der Wikinger die Fantasie der jungen Leserinnen und Leser. Fabian Lenk erzählt eine spannende Geschichte in der Welt der Wikinger, wo zwei tapfere Jungs gefordert sind, all ihren Mut aufzubieten und ihre Ängste zu überwinden.

Alois Hotschnig, Der Silberfuchs meiner Mutter

h.schoenauer - 20.07.2022

alois hotschnig, der silberfuchs meiner mutterGermanisten kümmern sich um die Autoren, Rezensenten um die Leser. Bei einem Meisterwerk treffen beide friedlich aufeinander und besingen das Kunststück von vorne und hinten.

Alois Hotschnig ist ein versöhnender Dichter, der die oft seltsam schrägen Ansprüche der Germanisten mit den geraden Bedürfnissen der Leserschaft zusammenbringt. Seine solitären Bücher zeigen, dass sich ausgehungerte Lesende zum Buch meist noch etwas hinzu wünschen, ehe sie mit der Lektüre beginnen.