Melvin Burgess, Voll verzählt?
„Wenn man Paul so zuhört, könnte man glauben, dass er der Beste in allem ist. Natürlich glaubt das keiner, aber das ist Paul egal. Er ist eigentlich in nichts besonders gut – weder beim Fußball noch in Mathe, Zeichnen oder Singen. Es gibt nur eine Sache, in der er der Beste ist – und das wissen auch alle. Angeben. Paul ist der beste Angeber der Schule.“ (S. 5f)
Paul hat die nervige Angewohnheit, dass er immer alles besser zu können glaubt, als andere. Das macht ihn nicht gerade beliebt und die Zahl seiner Freunde verkleinert sich zunehmend. Als Waris, einer seiner letzten Freunde, erzählt, dass es ihm gelungen sei, bis tausend zu zählen, behauptet er, von Elli verleiten, dass er sogar bis zehn Millionen zählen könnte.
Im Idealfall steht einem als realistischem Schreib-Helden ein literarischer Freund bei, der so etwas ist wie ein Medium, eine Therapie, der Kater am Morgen oder das Passwort für eine verzwickte URL.
„Schon als Baby wusste das Eichhörnchen, dass man im Herbst Nüsse sammeln muss, um im Winter etwas zu fressen zu haben. Also sammelte es über tausend Nüsse, vergrub sie und fraß sie im Laufe des Winters auf. Das war prima.“
Wenn etwas gebrochen ist, muss die Literatur wie ein Stützverband um die kaputten Stellen gelegt werden. Dabei ist viel Heilungsglaube vonnöten, sonst wirkt es nicht.
„Es gibt keine offizielle Teilnehmerliste, keine Aufnahmegebühr, kein Handbuch, und wer immer das Spiel leitet, spricht nicht. Woher weißt du also, ob du spielst? Die gute Nachricht ist: Wenn du Rabbits spielst – und zwar richtig spiest –, wirst du es irgendwie merken. Etwas wird seltsam sein. Etwas wird anders sein. Etwas wird falsch sein. Und alles wird gefährlich sein.“ (S. 159)
„Die skizzierten Veränderungen beeinflussen pädagogische Konzepte der Holocaust Education und fordern sie zum Teil auch heraus. Zunehmend bedeutsam werden dabei die Orte, die das Vermittlungsgeschehen prägen, verbunden mit der grundsätzlichen Frage: Wie kann die Ausbildung demokratischer Werte an KZ-Gedenkstätten befördert werden? […] Die Fragen nach dem Warum, Wie und Wo müssen aufgrund der Veränderungen aus Sicht der Holocaust Education neu beantwortet werden.“ (S. 3)
„Die Geschichten aus dem alten Ägypten gehören zu den ältesten erhaltenen Mythen. Die zahlreichen Fassungen dieser Legenden offenbaren eine Welt von kriegerischen Gottheiten und wundersamer Magie, in der stets das Gute über das Böse siegt. Dieses Buch enthält einige dieser Erzählungen, von denen es noch viel mehr zu entdecken gibt.“ (S. 5)
Seit allenthalben sogenannte Trauerratgeber in Schrift und Therapie den Markt überschwemmen, muss man sich in der Literatur einen Ruck geben, um sich auf einen Roman einzulassen, in dem es um die Veränderung des Hinterbliebenen-Lebens durch den Tod des Vorausgängers geht.
„Das ist Otto Oktopus. Er kann seine Farbe ändern. »Spielen wir Verstecken!«, ruft er seinen Freunden zu. »Du suchst«, sagt Kira Krabbe … und alle stürmen davon.“ (S. 4 – 9)
Das wahre Schreiben beginnt für jene Schriftsteller, die es ernst meinen, erst im Alter. Dort entsteht nämlich ein unverwechselbarer Ton und es müssen keine Geschichten mehr zugekauft oder erfunden werden, weil diese der Schreibvorgang selbst spendet.