Peter Vegas, Hab keine Angst, kleines Dunkel
„Das Dunkel hat Angst vorm Licht. Deswegen versteckt es sich in der Schublade zwischen deiner Unterwäsche. Manchmal mustert es dich, wenn du dir eine frische Unterhose rausfischst. Das Dunkel findet dich zum Fürchten.“
Wenn es dunkel wird in der Nacht und die Lichter von Autos und Rädern vor dem Schlafzimmerfenster vorbeihuschen hat sich schon manches Kind vor Angst die Bettdecke vor das Gesicht gezogen. Und auch Erwachsene erinnern sich noch an mulmige Gefühle, wenn es im Zimmer dunkel ist und draußen der Wind pfeift. Doch es gibt keinen Grund Angst vor der Dunkelheit zu haben.
Der animierende Freund Wind gleicht im Idealfall diverse Druckunterschiede aus, die uns umgeben. An Windtagen genügt es, den Körper still zu halten und die Sinnesorgane aufzumachen, um so aus dem Stand heraus eine Reise zu absolvieren. Der Windreisende ist ständig unterwegs, auch wenn er sich scheinbar nicht bewegt.
„In seinem Traum stand sie über ihm. Er konnte sie nicht sehen, fühlte aber, dass sie da war, so kalt und kerzengerade wie eine Schwertklinge. Und er fühlte auch ihren gefährlichen Zorn, aber der schien nicht gegen ihn gerichtet – jedenfalls hoffte er das inständig. Der Wind ist zu stark, sagte sie. Er weht meine Worte zu mir zurück oder trägt sie davon ins Dunkel, das sie für immer verschluckt. Morgan wusste, dass er träumte und versuchte verzweifelt aufzuwachen …“ (S. 97)
„Die chinesischen Kommunisten haben die Formel geprägt: Der Sozialismus chinesischer Prägung. Auf den folgenden Seiten soll der Sozialismus chinesischer Prägung für Nichtchinesen verständlich werden, China und sein origineller Kommunismus für Anfänger sozusagen, für Leserinnen und Leser, die nicht sinologisch vorgebildet sein müssen.“ (S. 9)
„In meinem Kopf arbeitete es fieberhaft. Ich war allein in einer Wohnung mit einem – ja, was? Geist? Ich schluckte. Geist war schlimmer als Hormon-Fantasie. Deutlich Schlimmer. Ein Geist der Wasser verschüttete konnte theoretisch auch Messer werfen. Ich sah zum Fenster. Zur Tür. Ich musste ihn loswerden. Jetzt.“ (S. 30)
Manchmal kann Lyrik so wild sein, dass aus ihren frisch geschnetzelten Schnipseln noch der Rauch der Fräsung aufsteigt, ehe die Zeilen dann spitz und voller Stacheln auf die Gedichtfläche fallen.
Parasiten sind Spezialisten, die im Kampf um Ressourcen eine Abkürzung nehmen. Oft wird dabei die Fresslinie Wirt-Zwischenwirt-Verbraucher eingehalten. Der Begriff Parasiten lässt sich aber in so gut wie allen Bedeutungsfeldern ausstreuen und anwenden. Wegen seiner Anwendung durch die Nazis im gesellschaftlichen Kontext hat er seine Unschuld verloren und gilt als Achtung!-Wort, bei dessen Anwendung es ,aufpassen‘ heißt.
„Und wisst ihr, was wir heuer auch noch machen? Wir sehen uns die ein oder andere Fasnachtveranstaltung an. Wisst ihr überhaupt, was es da alles gibt. Echt total viele Sachen! Fasnacht ist ein Spezialbegriff für den Fasching, die man im Tiroler Oberland oft zu sehen bekommt.“ (S. 26)
Wahrscheinlich kann Glück nur auftreten, wenn es zuerst als literarisches Bild formuliert und später als echtes Leben ausgestaltet wird.
„»Es war eine Zeit der Freundschaft, wo Menschen, Zwerge und Elfen sich gemeinsam für eine bessere Welt einsetzten. Doch dann kam der Tag, an dem sich alles änderte: Der Tag des Schreckens.« Wie auf ein Stichwort hin zog eine Wolke vor die Sonne. Zed bekam Gänsehaut, als ihr Schatten den Platz verdunkelte. »Monster – hungrige, übernatürliche Ungeheuer, die einst auf ihren eigenen grässlichen Weltenebenen gefangen waren …“ (S. 46)