Aktuelle Buchtipps

 

Eva Maria Gintsberg, Die Reise

h.schoenauer - 03.11.2021

eva maria gintsberg, die reiseAuf der wahrlich großen Lebensreise verlieren die Reisenden allmählich das Ziel, am Schluss wissen sie gar nicht mehr, dass sie auf Reisen sind.

Eva Maria Gintsberg stellt in ihrer Erzählung um einen jähen Aufbruch ein paar Protagonisten am Bahnsteig zusammen und lässt sie im Morgengrauen losfahren. Die Ich-Erzählerin, die das Reisen nicht gewöhnt ist, packt eines Tages einen Koffer und begibt sich in der Früh zum Bahnhof, sie sticht aus der Menge der Wartenden hervor, vielleicht, weil sie ein besonderes Ziel hat. Sie will nämlich in die Vergangenheit ihres Vaters reisen, der während des Krieges eine Affäre gehabt hat. Nach seinem Tod sind nur ein paar rätselhafte Buchstaben übriggeblieben, die darauf hindeuten, dass es irgendwo eine Geliebte mit dieser Signatur gibt.

Suzanne Lang, Jim hat keinen Bock

andreas.markt-huter - 02.11.2021

suzanne lang, jim hat keinen bock„An einem rundum perfekten Nachmittag entdeckte Jim Panse an seinem Ast eine Einladung. »Du bist zu Stachelschweins Party eingeladen.« »Party?«, murmelte Jim. »Hmmm …«

Jims Nachbar und Freund der Gorilla Nick ist begeistert von der Idee und freut sich vor allem aufs Tanzen. Von dieser Vorstellung wiederum ist Jim entsetzt: er kann nicht tanzen. Alle Tiere im Dschungel sind entsetzt, weil Jim nicht tanzen kann.

Brane Mozetič, Umarmungen des Wahnsinns

h.schoenauer - 01.11.2021

brane mozetic, umarmung des wahnsinnsSexual Reality (SR) gilt spätestens seit Henry Miller für die Literaturbeschreibung als Hilfsmittel, um eine obsessive fiktionale Wirklichkeit zu beschreiben, zu der der Leser nur bedingt vordringen kann. Diese Realität lässt sich am ehesten mit Virtual Reality (VR) vergleichen, worin ja auch die User hinter dicken Digital-Brillen sitzen und nur schwer mit Brillenlosen kommunizieren können.

Brane Mozetič schickt seinen Ich-Erzähler in eine Welt der Obsession, Erregung und höchster Hormon-Zirkulation. Mitten in den „Umarmungen des Wahnsinns“ sitzt ein Held, dessen Aufgewühltheit sich durch nichts sedieren lässt, weder durch Körpernähe noch durch Entzug. Der Held ist Übersetzer und hat das Switchen der Sprachen gelernt, ähnlich muss er auch mit seiner Sexualität vorgehen, in der Öffentlichkeit bewegt er sich vorsichtig durch die Homosexualität, in der Intimität gibt es keine Barrieren.

Margit Ruile, Der Zwillingscode

andreas.markt-huter - 30.10.2021

margit ruile, der zwillingscode„»So wie die Dinge stehen, gibt es eine Aufgabe für dich.« »Und was soll das sein?« Alina sah ihn an. »Das musst du schon selbst herausfinden.« »Aha«, sagte Vincent. Er mochte es nicht zugeben, aber die schnurgerade Reihung der Planeten beeindruckte ihn. […] »Ich an deiner Stelle würde mir diese Konstellation genau merken. Du könntest damit den Lauf der Welt ändern.« (S. 46 f)

Der siebzehnjährige Vincent Karg lebt nach dem Tod seiner Mutter allein mit seinem Vater in einem heruntergekommenen Haus. Eines Tages wird er von einer merkwürdigen älteren Frau besucht, die ihre künstliche Katze von ihm reparieren lassen will. Er ahnt nicht, dass sich sein Leben durch diesen Besuch von Grund auf verändern wird.

Thomas Macho, Das Leben nehmen

h.schoenauer - 28.10.2021

thomas macho, das leben nehmen„Im übertragenen Sinn beginnt jede Karriere eines Selbstmörders mit einem Hungerstreik.“ (257)

Der Kulturphilosoph Thomas Macho nimmt dem Tabu-Thema Suizid die erste Verbunkerungsmöglichkeit, indem er das Thema scheinbar beiläufig analysiert wie alles, was in Geschichte, Film und Literatur in den letzten Jahrhunderten so vorgekommen ist. Das Zitat vom Hungerstreik geht auf Hermann Burger zurück, der seine Literatur offensichtlich auf den Suizid hin komponiert hat. Und einmal ins Fahrwasser der Diskussion gelangt, gibt es fast nichts, was nicht mit einem Suizid zu tun haben könnte. „Wem gehört mein Leben?“ Nicht umsonst steht als Abspann diese Frage auf dem hinteren Cover.

Rose Lagercrantz, Zwei von jedem

andreas.markt-huter - 26.10.2021

rose lagercrantz, zwei von jedem„Manchmal frage ich mich, wer über meine Gedanken bestimmt? Ich selber? Natürlich ich. Und doch kommt es vor, dass sie ziehen, wohin sie wollen, und bis nach Siebenbürgen fliegen, wo ich gelebt habe, als ich klein war. Dort, wo auch Dracula gewohnt hat, der Vampir, der Menschen biss und ihr Blut trank. Das hat mir mein großer Bruder Adam erzählt. (S. 9 f)

Eli verbringt seine Kindheit in Rumänien, wo er gemeinsam mit der gleichaltrigen Luli die Schule besucht. Beide verbindet das Laufen und eine Freundschaft, die ein Leben lang anhalten wird. Während Luli aber mit ihrer Familie nach Amerika auswandert, wird Elis jüdische Familie von den Nationalsozialisten bedroht.

Gerhard Henschel, Erfolgsroman

h.schoenauer - 25.10.2021

gerhard henschel, erfolgsromanDie größte Frage, die einen denkenden Menschen bewegt, lautet in etwa: Wie liegt meine mickrige Biographie in der Geschichte? Tatsächlich wird man im Laufe des eigenen Lebens unsicher, was nur für einen selbst interessant ist und was für eine größere Allgemeinheit.

Gerhard Henschel stellt sich dieser Frage mit seinem Giga-Projekt diverser Gattungs-Romane. Mittlerweile gehört es schon zum nützlichen Besteck des Reflektierens, dass man sich alle zwei Jahre den neuesten Henschel holt, um ein Stück unmittelbarer Zeitgeschichte durchzugehen und dabei das eigene Leben zu verorten.

Chris Chatterton, Hallo Boss!

andreas.markt-huter - 23.10.2021

chris chatterton, hallo boss„Das ist Boss. Es gibt nicht viele Dinge, die Boss mag. Eigentlich mag er nichts. Boss mag es nicht getätschelt zu werden. Er mag es nicht Gassi zu gehen. Er mag es nicht Bälle oder Stöckchen zu holen. Und ganz sicher mag er es nicht, neue Freundschaften zu schließen.“

Boss ist ein mürrischer Basset Hound, der aber schon gar nichts wirklich mag. Schon auf der ersten Seite, sieht man ihn vor seinem Fressnapf sitzen, von dem er sich in keinster Weise begeistert zeigt.

Wolfgang Streeck, Zwischen Globalismus und Demokratie

andreas.markt-huter - 22.10.2021

wolfgang streeck, Zwischen Globalismus und Demokratie„Dieses Buch steht, wie vieles, was heute geschrieben wird, in der Tradition Karl Polanyis. Gegenstand jeder politischen Ökonomie in seiner Nachfolge, theoretisch wie praktisch, ist die gesellschaftliche Einbettung der unter dem Liberalismus losgelassenen kapitalistischen Ökonomie – die Sozialisierung der Ökonomie zur Verhinderung der Verwirtschaftung der Gesellschaft. Einbettung heißt Rückgewinnung gesellschaftlicher Kontrolle über den Selbstlauf selbstregulierender Märkte.“ (S. 9)

Wolfgang Streeck geht der Frage nach den Ursachen zunehmender politischer, sozialer und wirtschaftlicher Verwerfungen sowie den schwindenden politischen Lösungsmechanismen in unserer globalisierten Welt nach und stellt die Frage nach dem Verhältnis zwischen Globalismus und Demokratie. Liegt die Lösung in mehr überstaatlicher Zentralisierung oder kleineren staatliche Einheiten?

Barbara Rose, Das Bücherschloss - Das Geheimnis der magischen Bibliothek

andreas.markt-huter - 21.10.2021

barbara rose, das bücherschloss„»Wer lesen kann, dem eröffnen sich Welten.« Ferdinand hob sein Schwert wie ein Ausrufezeichen in die Höhe. »Wer liest, ist nie allein. Und er kann wunderbare, katzenstarke Abenteuer erleben« Peppers Tasthaare zitterten vor Aufregung. »Was für Abenteuer meinst du?«, wollte Becky wissen. »Das musst du schon selbst herausfinden«“ (S. 97)

Aufgeregt warten in der Bibliothek von Schloss Rosenbolt die magischen Wesen der schwarze Kater Pepper, Genoveva Känuse, Gräfin von Spisenat und der lebenden Ritterrüstung Ferdinand von Schwertfeger auf ein junges Mädchen, mit deren Hilfe die Bibliothek des Schlosses gerettet werden soll, deren Bücher immer mehr zu zerfallen drohen.