Erika Wimmer Mazohl, Meran abseits der Pfade
Der klassische Städtetourismus gelangt immer mehr an seine Grenzen. Die Trampelpfade sind oft so verstopft, dass man Periskope ausfahren muss, will man jene Sehenswürdigkeiten sehen, die man ohnehin besser auf Wikipedia nachschlägt. Und der Mix an Sehenswürdigkeiten und Geschäften ist so international, dass man alle Strümpfe dieser Welt gesehen hat, wenn man in ein Strumpfgeschäft geht, und alle Museen der Welt kennt, wenn man eines dieser neuen Einheitsmuseen betreten hat.
Erika Wimmer Mazohl nimmt die wohltuend ausscherende Serie „abseits der Pfade“ zum Anlass, um der Stadt Meran jene Liebenswürdigkeiten abzuluchsen, die diese nur ihren Freunden und Gönnern zukommen lässt. So sind zwar die Villen und Promenaden das Markante, das Meran seit Jahrzehnten in den Prospekten vorzeigt, die Besonderheiten liegen aber in kleinen Gevierten, die auf einer Fußgänger-Karte ausgewiesen sind.
„Die Geschichte der Wissenschaft beginnt in der Antike, als Religion und Aberglaube zum Alltag gehörten. Große Denker hinterfragten geltende Ansichten und betraten Neuland mit Theorien, die auf Beobachtung, Logik und Verstand fußten. Diesen Vorreitern folgten im Laufe der Jahrhunderte weitere – und sie brachten ein besseres Verständnis von der Welt. (S. 7)
„In der ersten Hälfte des 6. Jh. v. Chr. ereignete sich in einer Küstenstadt Groß-Griechenlands ein Vorgang von weitreichender, ja man darf sagen: von welthistorischer Bedeutung, »eine geistesgeschichtliche Revolution unerhörten Ausmaßes« deren Auswirkungen allerdings erst mehr als zweitausend Jahre später zu voller Geltung kommen.“ (Bd. 1, S. 13)
„Am liebsten aß der Hamster Hugo / Spaghetti mit Tomatensugo. / Spinat versuchte er zu meiden / Erbsen konnte er nicht leiden. / Aber ganz und gar nicht wohl / War es ihm beim Blumenkohl.“ (S. 22)
Beim Vorlesen lässt sich oft schwer feststellen, wer den größeren Genuss hat. Ist es die vorlesende Person oder die lauschende? Ähnliches passiert beim Erinnern, wer hat den größeren Nutzen? Jemand, der durch das Erinnern mit sich selbst ins Reine kommt, oder jemand, der durch die erinnerte Geschichte mit einer anderen Welt vertraut gemacht wird?
Er schaute an sich herunter, dann erneut zu seinem Bruder, als könne irgendein Zauber den Fluch gebannt haben. Doch dem war nicht so. Nein, das war kein dummer Scherz. Das war die furchtbare Wahrheit: Er und Josh waren in Minecraft gefangen!“ (S. 52)
Um den Blick bis an den Rand des Ereignisses hinauszukriegen, muss der Betrachter vor allem gelenkige Augen haben. Denn wer immer nur starr auf das Zentrum und den Mainstream starrt, bekommt vom Rand nichts mit.
„Vor vielen Jahren lebte ein junger Mann namens Martin in einer kleinen Stadt. Er arbeitete als Soldat für den römischen Kaiser. Jeden Tag waren Martin und die anderen Soldaten in seinem Auftrag unterwegs.“
„Die Lehrerin Susanne Wiesinger bietet mir ihrem Buch einen Debattenbeitrag an, denn sie hat gemerkt, dass der Islam die Alltagswelt vieler muslimischer Schülerinnen und Schüler in Österreich sehr stark dominiert. In den Schulen herrscht ein Wertekonflikt …“ (S. 6)
„Dieses Buch enthält nicht die gesamten nichtfiktionalen Werke von Neil Gaiman. Stattdessen handelt es sich um einen zusammengewürfelten Haufen von Vorträgen, Einleitungen und Essays. Einige davon sind ernst, andere frivol und wieder andere habe ich in dem Versuch geschrieben, die Menschen zum Zuhören zu bewegen.“ (S. 15)