Cornelia Travnicek, mindestens einen der weißen wale
Gedichtbände haben immer auch ein geheimes Drehbuch unter der Gedicht-Haut mitlaufen, damit sich die poetischen Sporen auch im Wind der Gegenwart verbreiten können.
Cornelia Travnicek verzichtet in ihrem Gedichtband auf ein deklariertes Inhaltsverzeichnis, ihre Gedichte setzen ein wie eine Erzählung und enden in einem umfangreichen Schlussstein, der alles zusammenhält. In einem Bild einer Landschaft werden dem lyrischen Ich wie auf einem Theater-Prospekt einzelne Sequenzen vorgeschoben, die dieses abnickt, bis ein blankes Steinfeld übrig bleibt:
„It was a mystery. Where was all the toilet paper? But this time Gordon found a clue. Things could not go on like this. The floor was sticky with fruit. The birds were far to noisy. The living room was like a jungle. And Tapir had not washed his dishes.“
Zukunftsprognosen werden meist von jener Stimmung getragen, die gerade in der Gegenwart als virulent empfunden werden. Prognostische Romane sagen also immer etwas über die Gegenwart aus.
„»Zeit für ein Abenteuer, Mo!«, sagte Mick. »Na gut!«, brummte Mo. Sie holten die Raumfahrer-Helme und luden die Wasserpistolen. Vorsichtshalber. Dann krochen sie unters Bett. Denn dort wohnte das Abenteuer.“ (8 f)
Kluge Titel evozieren die ganze Welt durch einen idealen Sehschlitz. Die Stunde zwischen Frau und Gitarre ist vielleicht ein Stillleben, das zu einem Wimmelbild ausgeufert ist.
Schon griechische und römische Soziologen haben in ihren antiken Essays darüber geklagt, dass die Jugend noch nie so schlimm gewesen sei wie die jeweils gegenwärtige. Und auch in der Gegenwart täuschen die besten pädagogischen Modellversuche nicht darüber hinweg, dass die Gesellschaft in vielen Angelegenheiten von den Jugendlichen gefordert und überfordert ist.
Das Digitale kämpft gegen das Animalische und ist vielleicht identisch damit! Wer einmal ein File um diesen Kampf hat verschicken wollen, kennt das Gefühl, plötzlich am Präsentierteller eines Geheimdienstes zu liegen.
„Pilze beeindrucken durch ihre Vielfalt an Farben und Formen. Manche sehen aus wie Glocken oder Trichter, andere sind buckelig, in der Mitte eingedrückt oder gewölbt.“ (13)
In der guten alten Pop-Musik gibt es Heroen, Götter, Glitzer, Fans und Anbetungen wie in einer handfesten Religion. Die Mythen des auftretenden Pop-Personals sind ähnlich gestrickt wie Schöpfungsberichte oder Sagen des klassischen Altertums.
„Egal. Wenigsten konnte ich etwas, was Marisol nicht konnte. Ich glaube, niemand außer mir konnte es. Ich konnte mit magischen Geschöpfen reden. Und sie verstanden mich. Leider glaubte mir das keiner.“ (8)