Roland Zingerle, Ein Mord am Wörthersee
Gegenden, die von Menschen mit gedämpftem Selbstbewusstsein bewohnt werden, tragen gerne verrückte Sportarten aus. So wird der grenzwertige Macho-Dolomiten-Mann naturgemäß in Osttirol ermittelt, während der Kärntner Ironman am Wörthersee sich durch deftiges Kraulen und Strampeln hervortut.
Roland Zingerle setzt seinen Grenzgänger-Krimi idealerweise mitten im Gewusel rund um den Ironman am Wörthersee ab. In dieser Gegend geht man mit Geschäften und sich selbst volles Risiko. So hat es in den letzten beiden Jahren jeweils einen Toten gegeben, was weiter nicht schlimm ist, gehört doch das Sterben mit heraushängender Zunge zu den besonderen Belohnungen des Ironman. Aber für die beiden Opfer ist jeweils eine Lebensversicherung fällig geworden, und das macht selbst Kärntner Versicherer stutzig.
„Er hieß Clemens. So rief ihn die Frau, auf deren Hof er mit einem Huhn, einer Kuh, einem Ferkel, einer Ziege, einem Schaf und einem Kaninchen zusammenlebte – Clemens, der schwarze Kater.“
Gedichte wie einen Papierflieger bauen und über eine weiße Fläche jagen, Luft so lange beschreiben, bis sie Knetmasse wird, Sätze so lange abschleifen, bis nur noch die zwei wichtigsten Wörter übrig bleiben.
„Rom im Jahre 9 nach Christi Geburt. Ein Bote eilt durch den Kaiserpalast und überbringt Augustus die erschütternde Nachricht, dass Germanen drei Legionen vernichtet haben. Später wird dem Imperator ein makabres Geschenk überreicht: der Kopf des toten Varus, des Statthalters in Germanien.“ (8)
Damit ein Staat einen Namen hat und weltweit anerkannt ist, muss er in Werbung, Mythen und Skurrilitäten investieren. Die Schweiz ist wahrscheinlich das ironischste und kreativste Mythengebilde unter dem globalen Staatenhaufen.
„»Gehen wir WEG? Ziel: Gizeh – Altes Ägypten. Zeit: 2585 v. Chr. Herrscher: Pharao Snofru. Am Samstag, 15. September. 9 Uhr ägyptische Zeit.« Musa drückte auf »Senden« und wartete ungeduldig auf die Antworten der anderen.“ (8)
Ein Lese-Abenteuer ist es allemal, einem Klassiker beim Versickern im Sand des Vergessen-Werdens zuzuschauen, wodurch er noch einmal auf Hochglanz poliert wird.
„Herr Gump verließ sein Haus nur einmal am Tag. Er machte einen kurzen Spaziergang und kaufte ein. Vor dem Weggehen blickte er sich nach rechts und links um. Er wollte niemanden treffen. »Wer weiß, was die Leute heute wieder über mich reden!«, dachte er.“ (6)
In diversen Heldenbiographien inklusive jener von Andreas Hofer wird immer zu wenig die Kugel gewürdigt, die aus einem normalen Menschen einen Helden macht.
„Die Evolution hat – aus der Sicht von uns Menschen – wunderbar Schönes hervorgebracht, aber auch sehr Bedrohliches. Das Prachtgefieder von Pfauen und Paradiesvögeln, die schönsten Vogelgesänge oder die eindrucksvollen Geweihe von Hirschen sind Ergebnisse der Evolution. Auch unsere Sprache gehört dazu. Die vielfältigen Kulturen und Religionen ebenso.“ (7)