Franz Josef Weißenböck, Übrigens
Wenn in einem normalen Verlag plötzlich ein promovierter Theologe publiziert, heißt es für den klugen Leser: Vorsicht, ungefragte Gottesbeweise liegen in der Luft!
Mit "Übrigens" beginnen meist Ministrantenwitze, an deren Ende mäßiges Gelächter vom langen Gesicht auf die angeklatscheten Oberschenkel rinnt. Franz Josef Weißenböck erzählt uns in seinem Übrigens ungefragt neun Interviews mit Machiavelli, Erasmus, Thomas Morus, Montaigne, Pascal, Stendhal, Dostojewskij, Tolstoj und Tucholsky.

Aus dem Agentenmilieu kennen wir das Undercover-Syndrom, es geht um verdeckte Ermittlungen, verdeckte Recherchen, verdeckte Fahndungen. Ludwig Thalheimer fotografiert in Undercovermanier.
Üblicherweise kommt die Kunst in frische Gebäude, wird manchmal konzeptuell bei der Errichtung des Bauwerks mitgedacht oder nach Vollendung des Baus als Behübschung mit schlechtem Gewissen angefertigt.
Manche Buchtitel summen wie eine Kaufhaus-Melodie durchs Ohr des Lesers, Himmel über Berlin, Himmel über Meran, es bahnt sich etwas Schönes an.
Also vorsichtig formuliert sind diese geschorenen Gedichte dünn, kurz, oft gibt es nur ein paar Wörter und Wortteile zu sehen und zu verstehen. Verstehen ist vielleicht gar nicht so wichtig, die semantischen Pflugscharen im Sprachacker sind oft nur abgestellte Geräte, mit denen in einer besseren Jahreszeit etwas passieren könnte.
Was wir im Tirolerischen Dialekt als sachte Anmache empfinden, etwa "Ruck zouba!", ist in diesem Buch chinesisch und heißt "Gehen wir!"
Ein guter Auszählreim ist immer von Nutzen. Mehrmals am Tag gibt es Situationen, wo man mit der Logik nicht mehr weiter kommt und sich aufs Auszählen verlassen muss. Zumindest deuten manche Personal- und Sachentscheidungen in Politik und Wirtschaftswelt darauf hin, dass Probleme oft mit Singsang bewältigt werden.
Wie kann ein einzelnes Ich das Universum des Lesens aushalten? Wie stürzt die ewige Geschichte durch das Nadelöhr der Gegenwart? Wie klettert man in Begeisterung über Kontinente von Schrift, ohne die Orientierung zu verlieren?