Pascale Quiviger, Eckstein. Die Kunst des Schiffbruchs
„Erst gegen Mitternacht nahm sie endlich Fahrt auf. Die wenigen nüchtern gebliebenen Matrosen wurden der Nachtwache zugeteilt. Die anderen hauten sich im Zwischendeck aufs Ohr, ohne sich erst die Mühe zu machen, ihre Hängematten vom Haken zu nehmen und ihre Mäntel zu einem Kopfkissen zusammenzurollen. Niemand hatte den blinden Passagier bemerkt.“ (S. 21)
Prinz Tibald nutzt jede Gelegenheit, um dem Königshof aus dem Weg zu gehen und seine letzten Jahre der Freiheit noch zu genießen. Nach einer zweijährigen Forschungsfahrt auf dem Segelschiff Isabell macht er sich mit seiner Mannschaft auf den Weg nach Hause. Neben zahlreichen Schätzen und Gegenständen aus exotischen Ländern reist auch ein blinder Passagier mit, der Tibalds Leben grundlegend verändern wird.
Gedichte sind das Ringen um das, was Gedichte sind. Dabei sind diese vielleicht nur Steine aus dem Himmel.
„Die ersten Sonnenstrahlen fielen über das noch schlafende Dorf, und am Fuß der Anhöhe, genau in der Mitte des Dorfparks, war aus einem anfangs maulwurfshügelgroßen Häuflein Erde, ein brandneuer Supermarkt geworden. Ein Lüftchen wehte und entrollte die braun-goldene Flagge an der Spitze des Fahnenmasts. Darauf stand ein einziges Wort: Grimm’s. (S. 13)
Im Zeitalter von Hashtag-Überschriften ist es durchaus üblich, den Plot einer Nachricht in ein zusammengepresstes ZIP-Wort zu verpacken. Die deutsche Sprache neigt ohnehin zu Wortverpressungen, man denke nur an die Lust diverser Regierungen, ein Gesetz in Wortmonster zu verpacken und als „Gute-Kita-Gesetz“ zu beschließen.
„Es heißt immer, Füchse seien flink und schlau und alles, und das stimmt ja auch. Aber wenn sie noch so klein sind, können sie genauso tollpatschig sein wie zum Beispiel kleine Bären. Oder wie Menschenkinder. Es gab sogar einmal einen kleinen Fuchs, der war dafür im ganzen Wald bekannt.“
Nichts ist literarisch so schwer zu handeln wie das, was alltäglich auf dem Erlebnis-Teller liegt und als normal gilt. „Das traute Heim“ streckt als pure Formulierung sofort die semantischen Greifarme aus und lullt jene ein, die an der Oberfläche dieses Bildes bleiben.
„Die eine Mörderin sprang aus dem Fenster. Und die andere blickte ihr nach. Tali Atimba wusste nicht, wer die erste Frau gewesen war, die vor ihren Augen vom Sims hinaus in die Nacht geglitten war. Sie wusste allerdings genau, dass diese Frau gerade den Auftrag ausgeführt hatte, für den sie eigentlich selbst hergekommen war.“ (S. 19)
Wahnsinnigen wird oft der Seufzer nachgerufen: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Dabei wissen diese bloß nicht, warum. Jörg Zemmler lässt ein „wahnsinniges Wir“ in seinen Gedichten auftreten. Selbstbewusst kommen Figuren und Fügungen zur Geltung, die es vor allem mit der Liebe haben. Der Untertitel präzisiert es: „Nur Zweifel gab es keine.“ – Hier sind vielleicht Missionarische am Werk.
„1. Wie viele verschiedene Tierarten leben in Österreich?
Unter Tagebuch versteht man einerseits den Hinweis auf die Ausdauer chronologischen Schreibens, andererseits ist es ein literarisches Genre, das durchaus mit einer solitären Bedeutung unterlegt sein kann.