Aktuelle Buchtipps

 

Antonio Fian, Wurstfragen

h.schoenauer - 04.01.2023

antonio fian, wurstfragen„Griassinnen!“ - Im Wiener Kaffeehaus wird schon seit Jahrhunderten gegendert, wenn eine Bestellung aufgenommen und die sitzende Hofratschaft begrüßt werden muss.

Antonio Fians „Wurstfragen“ handeln von diesen kleinen Verunreinigungen, die im Gebrauch der Alltagssprache auftreten, wenn man nicht genau hinhört oder eine Fügung ohne zu denken verwendet. Die Wurstfragen sind vor allem solche, die Wurst im Sinne von egal sind, also letztlich niemand interessieren. Andererseits tastet sich an diesem Haupt-Hauptwort „Wurst“ die gesamte Kultur entlang, gibt es doch von der Polnischen bis zur Wiener allerhand Wurstformen, die erst dann ihre Reife entwickeln, wenn niemand weiß, was drin ist. Und von jener Wurst, die allenthalben hinten herauskommt, braucht man als Kulturphilosoph gar nicht zu reden, sie liegt nämlich vom Hund gemacht auf diversen Gehsteigen oder plagt die Kundschaft auf dem Weg zur Apotheke.

Susannah Lloyd, Wo Drachen wachen

andreas.markt-huter - 02.01.2023

susannah lloyd, wo drachen lachen„Die anderen Ritter behaupten doch allen Ernstes, es gäbe keine Drachen. »Aber gewiss doch«, kann ich nur sagen, »UND OB es sie gibt!« Ich werde einen finden. UND gegen ihn kämpfen. Und damit basta.“

Ein besonders abenteuerlustiger Ritter träumt davon einen Drachen zu entdecken und ihn dann auch noch zu besiegen. In einem Laden mit außergewöhnlichen Gegenständen gelingt es ihm eine Drachenkarte zu erwerben, die zeigt, „wo Drachen wachen“.

Harald Darer, Mongo

h.schoenauer - 31.12.2022

harald darer, mongoDort hineinstierln, wo Statistiken und offizielle Curricula nicht hinkommen, das ist unter anderem die Aufgabe eines zeitgenössisch-aufgeweckten Romans.

Harald Darer nimmt sich mit seinem Roman „Mongo“ des Schicksals eines pfiffigen Helden an, der medizinisch gesehen mit dem Down-Syndrom geboren worden ist, aber nach allen Regeln der Kunst ein abgerundetes, vielleicht sogar glückliches Leben führt.Nach dem Motto, dass die schwersten Probleme in der kleinsten Familie gelöst werden, treten Katja und ihr Mann, der Ich-Erzähler Harry, eine ungewisse Schwangerschaft an. Das anstehende Kind könnte etwas mit Trisomie 21 haben, vermutet die werdende Mutter, weil ihr Bruder damit auf die Welt gekommen und es vielleicht vererbbar ist.

Ursula Poznanski, Eleria - Die Verratenen

andreas.markt-huter - 29.12.2022

ursula poznanski, eleria - die verratenen„Ich weiß, dass etwas Furchtbares passiert sein muss, als Tomma den Raum betritt. Sie weint nicht, sie schreit nicht, doch ich sehe es an ihrem Blick, der mich findet und sofort wieder von mir wegschnellt wie ein scharf geworfener Ball von einer Wand. Ich sehe es an ihren blassen Lippen, an der dunklen Haarsträhne, die ihr achtlos ins Gesicht hängt, vor allem aber an ihren Händen, die so fest verschränkt sind, dass die Fingerknöchel weiß hervortreten.“ (S. 7)

Eine Elite der Bevölkerung der Erde hat sich nach einem gewaltigen Vulkanausbruch, der die Welt in eine lange Nacht getaucht hat in abgeschirmte Sphären zurückgezogen, wo sie warten wollen, bis die Erde wieder normal bewohnbar ist. Ein anderer Teil der Menschheit, die sogenannten Prims, muss versuchen in den unwirtlichen Regionen außerhalb der Sphären überleben. Während die kalten Umweltbedingungen zu Zwistigkeiten zwischen den Clans der Außenbewohner führen, bewachen die Soldaten der Sphärenbewohner, die Sentinels, den Zugang zu den Sphären.

Christian Schacherreiter, Das Liebesleben der Stachelschweine

andreas.markt-huter - 27.12.2022

christian schacherreiter, das liebesleben der stachelschweineAuf der Suche nach seiner Identität wird Österreich schon mal mit einem Schloss verglichen, das Jahrhunderte überdauert hat (Tumler, Schloss in Österreich), oder mit einem von der Roten Armee in den Verfall getriebenen Marchfeld-Gütchen (Fritsch, Moos auf den Steinen). In einer gegenwartsbezogenen Deutung bietet sich an, es mit Österreich als Biomüllanlage zu versuchen.

Christian Schacherreiter zeigt diese Österreichische Seele am Beispiel einer ausgeisternden echten „Nazifamilie“ und eines toten Seitenstumpfs der Sozialdemokratie. Beide Ideologien sind als Familiensaga miteinander verknüpft, wie ein Blick in den Vorspann zeigt, wo im Stile von Doderers Merowingern die Stammbäume ohne Kastrationen ausgerollt sind.

Dominic Sandbrook, Der zornige Herrscher: Heinrich VIII.

andreas.markt-huter - 24.12.2022

dominic sandbrook, heinrich der Achte„Es ist die Geschichte von Heinrichs Sohn: dem zweiten Tudor-König. Heinrich VIII., und den sechs Frauen, die ihn geheiratet haben. Dieser jüngere Heinrich war eine der faszinierendsten Persönlichkeiten in der englischen Geschichte.“ (S. 14)

Heinrich VIII. zählt mit seinen sechs Frauen, von denen er sich von zwei Frauen scheiden und zwei Frauen hinrichten ließ, zu den wohl berühmtesten Herrschern der englischen Geschichte. Dominik Sandbooks Sachbuch für Kinder und Jugendliche zeigt das Leben des ruhelosen Herrschers von seiner Geburt bis zu seinem Tod und lässt die Geschichte dieser Zeit anschaulich vor den Leserinnen und Lesern Revue passieren.

Willi Giuliani, Ein Innsbrucker Western

h.schoenauer - 23.12.2022

willi giuliani, ein innsbrucker westernJe globalisierter im Netz die Literatur auftritt, man spricht ja von Weltliteratur, umso punktgenauer muss sich darin die Lokalliteratur bewähren. Ein aufregendes „Lokalprogramm“ liefert dabei die Innsbrucker Verlagsbuchhandlung Wagner’sche, die als eine der ältesten der Welt schon alle möglichen Literaturformen erlebt hat. In der Serie „Erinnerungen an Innsbruck“ sind mittlerweile gut zwanzig Bände über Stadtteile, Berufe und besondere Schicksale erschienen. Umgerechnet auf die Bewohner des jeweiligen Themas erreicht diese Serie grandiose Vertriebszahlen.

Willi Giuliani beackert für das Regal „Erinnerungen an Innsbruck“ den Stadtteil Höttinger Au, der bis in die 1940er Jahre Sumpf, Brache und aufgelassene kaiserliche Jagd gewesen ist. Der Stadtteil wird ähnlich entwickelt wie der sogenannte Wilde Westen, zumindest was Tiere und Pflanzen betrifft, wird dabei ähnlich brutal vorgegangen wie beim Feldzug amerikanischer Siedler in Richtung El Dorado. Auf das Gold umgerechnet wäre im konkreten Fall das verheißene Paradies der Innsbrucker Flughafen, auf dem ja auch tatsächlich so manches touristische Nugget geschürft wird.

Lucy Maud Montgomery / Karen Christine Angermayer, Anne auf Green Gables

andreas.markt-huter - 22.12.2022

lucy maud montgomery, anne auf green gables„Am Bahnhof von Bright River, einem kleinen Ort in Kanada, saß heute ein Mädchen und wartete. Ihr Name war Anne. Sie hockte auf einem Kiesberg und spielte mit ein paar Steinen. Zu ihren Füßen stand eine große Reisetasche. Anne war aufgeregt, denn in wenigen Minuten würde der alte Matthew kommen. Sie freute sich darauf, von nun an bei ihm und seiner Schwester Marilla zu wohnen.“ (S. 9)

Die elfjährige Waise Anne Shirley glaubt, trotz ihrer roten Haare und Sommersprossen, endlich das große Glück gefunden zu haben, als sie vom Waisenhaus zu dem älteren Geschwisterpaar Matthew und Marilla Cuthbert vermittelt wird. Während ihrer Fahrt vom Bahnhof zum Bauernhof Green Gables zeigt sich Anne ganz fasziniert von der Landschaft. Ihr Glücksgefühl wird jäh zerbrochen, als sich Marilla entsetzt zeigt, weil sie einen Jungen und kein Mädchen erwartet hat.

Heinz A. Pachernegg, Auf Reisen

h.schoenauer - 21.12.2022

heinz pachernegg, auf reisenDer Tourismus ist an die Erfindung der Fotografie gekoppelt. Wo es nämlich nichts zu fotografieren gibt, hat es auch keinen Sinn, hinzufahren. Umgekehrt muss ein Fotograf ständig mit touristischer Geste unterwegs sein, will er seinen Pixelspeicher am Jahresende voll haben.

Heinz A. Pachernegg ist als Berufsfotograf und Fotoessayist viel „auf Reisen“ und kommt daher dem berühmten Beatnik-Motto „on the road“ sehr nahe, wonach Menschen, Wörter und Bilder ständig zu sich selbst unterwegs sind. Das Zusammenschmelzen dieser drei Bewegungskörper geschieht in der Pareidolie, wie Andrea Wolfmayr in ihrem Einleitungsessay bemerkt. Pareidolie bezeichnet das Phänomen, in Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen.

Brigitte Weninger, Pauli - Der große Schnee

andreas.markt-huter - 20.12.2022

brigitte weninger, pauli - der große schnee„An einem hellen Wintermorgen hatte Mama eine köstliche Rüblitorte gebacken. »Mhmmm – du bist die beste Bäckerin der Welt!«, schwärmten die Kaninchenkinder Pauli, Mia, Manni, Max und Lina. »Das habe ich von eurer Großmutter gelernt«, lächelte Mama. »Schade, dass sie diese Torte nicht kosten kann …«“

Um der Großmutter auch ein Stück vom Kuchen abzugeben, machen sich Pauli und die kleine Mia mit dem Schlitten auf den Weg durch den Wald zu ihren Großeltern. Der Weg durch den glitzernden schönen Wald ist anstrengend und geht zunächst steil bergauf, doch der Rückweg verspricht lustig und unterhaltsam zu werden.