Ingrid Hintz, Das Lesetagebuch

ingrid hintz, das lesetagebuch„Obwohl die Lesefähigkeit und –bereitschaft von Schülerinnen und Schülern in jeder Altersstufe entfaltungs- und ausbaufähig seien, sehe es eher so aus, als ob der Deutschunterricht vielen die Lust am Lesen austreibe, anstatt ihnen Freude an Literatur zu vermitteln. Oft scheine geradezu das Gegenteil dessen bewirkt zu werden, was eigentlich erreicht werden solle …“ (1)

Ingrid Hintz geht in ihrer Arbeit der Frage nach, wie literarisches Lesen im Unterricht abgehalten werden kann, ohne zusätzliche Lesebarrieren aufzubauen, anstatt Leselust und Lesemotivation zu fördern. Dabei zeigt sie anhand konkreter Erfahrungen und Beispiele, wie beim Lesen in der Schule mit Hilfe von Lesetagebüchern auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der Schülerinnen und Schüler eingegangen werden kann. Gleichzeitig kann es mit einem geeigneten Unterricht gelingen, die Auseinandersetzung mit dem Gelesenen zu unterstützen und neue Leseerfahrungen zu eröffnen.

In fünf Kapiteln zeigt die Autorin die verschiedenen Aspekte des Lesens im Deutschunterricht und der Leseförderung auf. Im 1. Kapitel „Lesen im Deutschunterricht“ wird zunächst die mannigfaltige Bedeutung des Lesens herausgestrichen für die Teilnahme an einem Kommunikationsprozess, die Aufnahme von Informationen und das Selbständiges Lernen aus Büchern. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für Bildungsprozesse, für die Veränderung des Selbstbildes und der Fremdwahrnehmung, die Veränderung des sprachlichen Ausdrucks und Verstehens, die Identitätsfindung und Sensibilisierung aber auch die Entfaltung von Perspektivenübernahmen, Fremdverstehen und Empathie. Lesen bietet außerdem Hilfe bei der Auseinandersetzung mit Themen, Normen, Problemen und Lebensweisen.

In weiterer Folge werden der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht und verschiedene methodische Konzepte thematisiert. Im zweiten Kapitel „Das Lesetagebuch – vom Untersuchungsmittel zur Unterrichtsmethode“ setzt sich mit den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Lesetagebuchs im Unterricht in der Vergangenheit bis in die Gegenwart auseinander. Kapitel drei geht dem Begriff „Lesetagebuch“ nach.

Das vierte Kapitel „Lesetagebücher – Analyse und Interpretation“ bildet den Hauptteil der Arbeit und bietet neben methodologischen Überlegungen zur Verwendung von Lesetagebüchern im Unterricht auch konkrete Forschungsergebnisse der Untersuchung der Verwendung von Lesetagebüchern in verschiedenen Schulstufen. Dazu gehören „Anregungen auf dem Handzettel“ ebenso wie die „Kategorisierung von Auseinandersetzungsweisen.“

Ein breiter Abschnitt widmet sich der Analyse von exemplarisch ausgewählten Lesetagebüchern aus verschiedenen Schulstufen sowie die anschließenden Reflexionen und Bewertungen dazu.

Im fünften Kapitel „Didaktische Perspektiven“ werden die aus der Untersuchung gezogenen Empfehlungen für den Einsatz von Lesetagebüchern im Unterricht zusammengefasst wie z.B. den die Bedeutung von „Organisationsrahmen und Unterrichtsgestaltung“, das „Beraten – Begleiten – Beurteilen“ oder die „Neuformulierung von Anregungen und Tipps“ für die Schüler.

Lesen kann heute nicht mehr als selbstverständlicher Teil der privaten Freizeitgestaltung betrachtet werden. Internet, PC-Spiele, Fernsehen u.a. sind eine übermächtige Konkurrenz für das Lesen geworden, wo sich Erfolgs- und Glücksmomenten spielerisch mit weniger Mühe als beim Lesen erleben lassen. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Kinder aus lesefernen Elternhäusern kommen, in denen oft keine Lesesozialisation mehr stattfindet, bleibt das private Lesen daher oft auf ein Minimum beschränkt.

Ingrid Hintz stellt dazu die wichtige Einbeziehung von Kinder- und Jugendliteratur in einen geöffneten Unterricht vor, der mit Hilfe von Lesetagebüchern auf die unterschiedlichen Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler Rücksicht nehmen kann und das Lesen selbst in den Mittelpunkt stellt.

Ein überaus empfehlenswertes Sachbuch zur Leseförderung in der Schule, das die Verbindung des Lesetagbuchs mit der Idee des individualisierten Lesens in den Mittelpunkt stellt und wertvolle Tipps, Erfahrungsberichte und theoretischen Hintergrundwissen für die Umsetzung im Schulunterricht bietet.

Ingrid Hintz, Das Lesetagebuch. Intensiv lesen, produktiv schreiben, frei arbeiten, aus der Reihe: Deutschdidaktik aktuell, Bd. 12
Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2017, 305 Seiten, 20,40 €, ISBN 978-3-8340-0871-8


Weiterführende Links:
Schneider Verlag Hohengehren: Ingrid Hintz, Das Lesetagebuch
Universität Hildesheim: Ingrid Hintz

 

Andreas Markt-Huter, 16-01-2018

Bibliographie

AutorIn

Ingrid Hintz

Buchtitel

Das Lesetagebuch. Intensiv lesen, produktiv schreiben, frei arbeiten

Erscheinungsort

Baltmannsweiler

Erscheinungsjahr

2017

Verlag

Schneider Verlag Hohengehren

Reihe

Deutschdidaktik aktuell, Bd. 12

Seitenzahl

305

Preis in EUR

20,50

ISBN

978-3-8340-0871-8

Kurzbiographie AutorIn

Dr. Ingrid Hintz, bis 1995 Lehrerin und danach Wissenschaftliche Angestellte, arbeitet als Akademische Rätin am Institut für Deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Dort wirkt sie in der Lehrerausbildung für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen mit. Ihre besonderen Schwerpunkte sind die Lese- und Schreibdidaktik und die Kinder- und Jugendliteratur.