Reinhard Kocznar, Ein unerwarteter Besuch

Buch-Cover

Diese kleinen Filialleiter, die immer wieder auf der Kriminalseite der Tagespresse auftauchen, sind die Idealen Helden, um große Systeme zu sprengen. Angetrieben von der Geilheit des Geldes sind sie so gut wie zu jedem Verbrechen fähig und immer wieder haben sie die Moral auf ihrer Seite, denn sie haben ja nichts anderes im Sinn, als ein freches unmenschliches System ordentlich auszureizen.

Robert Prokop ist Leiter einer lokalen Versicherung, die irgendwie heimlich an eine größere Gesellschaft verkauft werden soll. Um diesen Verkauf etwas spannender und schwieriger zu gestalten, wagt sich der Direktor in virtuelle Gefilde vor, die sich bald nicht mehr steuern lassen. Zufällig und vage zapft er ein südamerikanisches Gangsternetz an und gerät in die Fänge der internationalen Kriminalität.

Als bei ihm zu Hause physisch der Computer geknackt wird, weiß er, dass es keinen Weg zurück in die Anonymität eines schlichten Angestelltendaseins mehr gibt. Der unerwartete Besuch löst einen Erlebensknick aus. Die Freundin wird umgebracht, indem man sie von einem Zug überrollen lässt, Robert Prokop selbst kriegt einen maßgeschneiderten Killer auf die Fersen geheftet, und zwischen offiziellem Informationsnetz und geheimer Intrige ist plötzlich kein Unterschied mehr. Alles kann gefährlich sein, Misstrauen ist angesagt.

Der persönliche Killer erweist sich als ehemaliger tschechischer Topagent, der mit seinen eigenen Mitteln unschädlich gemacht werden muss. Für einen kleinen Direktor fährt der verfolgte Prokop allerhand Hirnschmalz und eine befreundete Armada auf, die den Killer schließlich unschädlich macht. Es geht nämlich nicht nur darum, den Killer unschädlich zu machen, sondern auch seinen Killermythos mit äußerst provinziellen Methoden abzumontieren.

Genau so motivlos, wie in der kriminellen Welt Geschäfte gemacht werden, finden auch die Verfolgungsjagden statt, die sich über die Schweiz, Griechenland und die Außenringautobahnen von Wien erstrecken. Heimlicher Ort des Krimis ist letztlich ein ortloses Innsbruck, das als solches nie erwähnt, aber ziemlich eindeutig erschließbar ist. So taucht etwa in Bahnhofsnähe das Dampfbad im Jugendstil auf und die Olympische Spiele sind dafür zuständig, dass manche Gebäude der Stadt elendiglich schlecht gebaut und zum Vergessen sind.

Reinhard Kocznar hat in seinem Krimi das Böse nach Südamerika verlagert und das Hirnschmalz nach Innsbruck. Der verfolgte Direktor wird zu einem Sympathieträger, der es der ganzen Welt zeigt, welch intelligente Köpfe in Innsbruck wohnen, auch wenn sie manchmal leicht kriminell sein müssen, um dieser Intelligenz ans Tageslicht zu verhelfen.

Reinhard Kocznar, Ein unerwarteter Besuch. Kriminalroman.
Innsbruck: Skarabaeus 2007. 261 Seiten. EUR 19,90. ISBN 978-3-7082-3222-5.

 

Weiterführende Links:
Skarabaeus-Verlag: Reinhard Kocznar, Ein unerwarteter Besuch
Homepage: Reinhard Kocznar

 

Helmuth Schönauer, 29-05-2007

Bibliographie

AutorIn

Reinhard Kocznar

Buchtitel

Ein unerwarteter Besuch

Erscheinungsort

Innsbruck

Erscheinungsjahr

2007

Verlag

Skarabaeus

Seitenzahl

261

Preis in EUR

EUR 19,90

ISBN

978-3-7082-3222-5

Kurzbiographie AutorIn

Reinhard Kocznar, geb. 1951, lebt in Innsbruck.