Literatur

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte

Andreas Markt-Huter - 20.05.2026

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)

Griechenland gilt bis heute als die Wiege der abendländischen Kultur. Denken, Wissenschaft, Philosophie, Theater, Literatur, Kunst und Demokratie, wie sie im antiken Griechenland das Licht der Welt erblickt haben, prägen noch heute die westliche Welt, was sich auch in zahlreichen Begriffen und in den Grundlagen logischen Denkens widerspiegelt. Das Sachbuch „Das alte Griechenland“ geht diesen Ursprüngen unserer westlichen Kultur von ihren Anfängen in der griechischen Vorzeit bis zum Ende des byzantinischen Reichs untermalt mit einem umfangreichen Bildmaterial, nach.

Dinçer Güçyeter, Fake Gucci-Jogginghose auf der Lesebühne

h.schoenauer - 08.04.2026

Dinçer Güçyeter, Fake Gucci-Jogginghose auf der LesebühneWenn ein Buchtitel mehrfach barock-verdreht aufs Cover springt, handelt es sich meist um eine sogenannte Literaturvorlesung. Dieses seltsame Genre ermöglicht es fiktional Arbeitenden, an der Uni akademisch aufzutreten, ohne sich wissenschaftlichen Kriterien aussetzen zu müssen. Eine gute Poesie-Vorlesung ist also eine gute Unterhaltung des akademischen Personals, das einmal freie Sätze denken darf wie sonst nicht einmal in Fußnoten.

Dinçer Güçyeter stülpt seine Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens unter den Titel „Fake Gucci-Jogginghose auf der Lesebühne“. Damit spielt er auf das Phänomen an, dass im Literatur- und Musikbetrieb, vor allem aber in der Pop-Kultur, der passende Code der Kleidung unerlässlich ist. Musterland für diesen Kult ist Deutschland, wo alles in Schubladen ordentlich abgelegt wird.

Raimund Bahr, In der Zeit, die kommen wird

h.schoenauer - 23.03.2026

Raimund Bahr, In der Zeit, die kommen wirdEine Revolution bringt einen nicht weiter, selbst wenn sie gelingt, steht man immer noch am gleichen Fleck und schaut bloß in eine andere Richtung.

Raimund Bahr beginnt seine Eintragung im aktuellen Journal mit einer Überlegung als braver Staatsdiener. Zwar darf er mit Hingabe die revolutionären Schriften Bakunins lesen, aber als staatstreuer Unterrichter ist er verpflichtet, die Jugendlichen System-tauglich in die Zukunft zu führen. Dabei liegt ein großer Widerspruch zwischen dem, was an hehren Zielen in den Lehrplänen steht, und dem, was im Alltag zählt, nämlich die kapitalistische Ordnung mit dem permanenten Geldfluss von unten nach oben nicht zu stören.

Elisabeth Wandeler-Deck, Anlandebahnen für Geräusche

h.schoenauer - 17.03.2026

Elisabeth Wandeler-Deck, Anlandebahnen für GeräuscheVom aufgekratzten Titel „Anlandebahnen für Geräusche“ inspiriert denkt man spontan an einen Laubbläser, der mit seinem kontinuierlichen Luftstrom alles Laub in die Ecke kehrt, von wo aus es dann leicht kompostiert werden kann.

Und tatsächlich erzählt Elisabeth Wandeler-Deck mit voller Düse, wenn sie ihre Prosa über die Seiten bläst. Der Text beginnt mit der Fügung „erschien sie mir“ und einem englischsprachigen Zitat über unerwartete Protagonisten, und endet nach gut hundert Seiten absatzlos mit den Worten „draw 2 parallel lines and“ (102). Die Absicht für dieses Buch ist dabei gut versteckt in einem Flow von Assoziationen, Bildern und Sehgewohnheiten:

Elisa Asenbaum (Hg.), nie als allein

h.schoenauer - 23.02.2026

Elisa Asenbaum (Hg.), nie als alleinBücher, die ein extrem peripheres Sachgebiet abdecken, werden durch KI mittlerweile an den Mainstream angedockt, indem sachkundiges Bibliothekspersonal die entsprechenden Schlüsselbegriffe vernetzt. So tauchen scheinbar marginale Thesen eines Buches überraschend als Treffer an ganz anderer Stelle auf, wenn sie von einer Suchfunktion im Netz angesteuert werden.

Elisa Asenbaum kuratiert unter dem Titel „nie als allein“ ein Projekt, worin das Phänomen Dialog im Konnex mit lyrischen Interferenzen poetisch-wissenschaftlich abgehandelt wird. Die Initiatorin des Projekts fragt sich eines Tages, mit wem und womit sie eigentlich während des Tages dienstlich korrespondiert. Dabei stechen ihr zwei Themenbereiche ins Auge:

Joachim Gunter Hammer, Kometenlieder

h.schoenauer - 21.01.2026

Joachim Gunter Hammer, KometenliederGroße Ereignisse schicken in der Mythologie oft Kometen als Vorboten, damit die Menschen nach oben schauen und wach werden für das Neue, das nun über sie herfällt.

Joachim Gunter Hammer nennt seine poetischen Botschaften „Kometenlieder“, im Untertitel bezeichnet er sie als „schweifende Gedichte“, was auf das Erscheinungsbild von Kometen hinweist, aber auch auf die Wirkung von Lyrik, wenn ein einziger Vers ein ganzes Firmament mit Leuchtkraft in Szene zu setzen vermag. Etwas über sechzig Kometenlieder sind letztlich über das Buch verstreut, wobei es kleine Milchstraßen von Minimalgedichten gibt und satte Leuchtteppiche über dutzende Seiten als 17- und 19-Silbler.

Richard Wall, Die nahrhafte Verzweiflung des Wirklichen

h.schoenauer - 29.12.2025

Richard Wall, Die nahrhafte Verzweiflung des WirklichenWenn man über etwas trauert, das man vage als schön empfindet, gerade weil es vergangen ist, beschleicht einen manchmal das Gefühl von Melancholie. Diese kann sich als künstlerische Haltung bis hin zum Genre ausbilden, man denke etwa an Joseph Roth und seinen Abgesang auf die Monarchie, an Gerhard Fritschs Roman „Moos auf den Steinen“, oder Franz Tumlers „Der Schritt hinüber“.

Richard Walls Grundbefinden als Bildender Künstler und Schriftsteller ist eine individuelle Nuance dieser Melancholie. Gespeist wird sie aus dem Erwachen der Sinne in den 1950er Jahren im Mühlviertel, als es noch eine Landschaft gibt und die Dinge und Gerätschaften einen Sinn haben, wenn man sie für die tägliche Lebensgestaltung in die Hand nimmt.

Ludwig Roman Fleischer, Pandeminium oder In letzter Zeit

h.schoenauer - 17.12.2025

Ludwig Roman Fleischer, Pandeminium oder In letzter ZeitDie wahren Helden der Zeitgeschichte sind oft Medien, die sich mit einem kleinen Taschenmesser einen Weg durch den Dschungel der Meinungen schlagen. Dabei liegt die wahre Regierung über den kleinteiligen Zeitgeist meist als Impressum einer unscheinbaren Kleinzeitung auf.

Ludwig Roman Fleischer geht gegen das Zeitgeschehen literarisch mit zwei verschränkten Romanen vor. Der Buchtitel „Pandeminium“ ist eine wundersame Verquickung von Pandemie und Minimum, die Fragestellung lautet in etwa: Was passiert, wenn Weltthemen in einer mit Geist dünn besiedelten Provinz diskutiert werden?

Regina Hilber, Mein Amerika? America Me!

h.schoenauer - 12.12.2025

Regina Hilber, Mein Amerika? America Me!Zumindest in der Literatur, sagt man, kann es Austria mit Amerika aufnehmen. Und dann werden gleich wuchtige Beispiele von Kürnberger, Kafka, Roth und Handke genannt, worin von Europa aus ein kontinentales Weltbild von Amerika entwickelt worden ist.

Das sogenannte Amerikabild wird in der heimischen Literatur immer wieder hinterfragt, schließlich sind die Einflüsse über Beat, Musik, Shortstory und Filmepik immer noch virulent, mittlerweile ergänzt durch die Eruptionen von Sozialmedia, KI und Fake-Kultur.

Bernd Schuchter, Kleiner Atlas der nie geschriebenen Bücher

h.schoenauer - 20.10.2025

Bernd Schuchter, Kleiner Atlas der nie geschriebenen BücherSelbstverständlich erwarten wir in der Geruchskultur, dass Parfum in Flacons abgefüllt ist und nicht im Tetrapack. In der Lesekultur freilich muten wir uns ständig lieblos abgefüllte Massenware zu, die wir in Files herumschicken oder uns als Paperback an den Kopf werfen.

Bernd Schuchter kümmert sich als Verleger darum, die hohe Kunst der Buchkultur wenigstens in raren Exemplaren am Leben zu erhalten. Mit seinem „Atlas der nie geschriebenen Bücher“ geht er zudem der These nach, wonach das Handwerk des Schriftstellers die Fiktion ist. Daraus resultiert auch das Bonmont, dass die sogenannte Literaturgeschichte insgesamt erfunden ist. Im Zeitalter der Fake-News sollte man die Unwahrscheinlichkeit von Geschichten vielleicht Flunkerei nennen, sie ist das Fundament für jede tragfähige Geschichte.