Viktor Baumgartner / Alexander Peer, Die Kunst des Überzeugens

h.schoenauer - 15.04.2026

Viktor Baumgartner / Alexander Peer, Die Kunst des ÜberzeugensSeit es Aufzeichnungen gibt, spielt die Rhetorik im Umgang der Menschen untereinander eine Rolle. Von den Tontafeln aufwärts bis hinein in die Welt der Apps gibt es jede Menge Tipps und Ratschläge, wie man mit guter Rhetorik überleben oder gar reüssieren kann. Das mündliche Handwerk ist seit Jahrtausenden mit einem verschriftlichten Regelwerk hinterlegt.

Während seiner Durchschnittsbiographie erlebt der User von Rhetorik alle paar Jahre ein Update, worin sich Klientel, Sprache und Rituale dem aktuellen Zeitgeist anpassen. Dabei entsteht der Zeitgeist aus Rhetorik und umgekehrt.

Rhetorikbücher analysiert man am besten nach zwei Kriterien:

  • Gibt es eine These, die einen auf Anhieb überzeugt und umhaut?
  • Gibt es eine Methode, das Altbewährte zeit-griffig darzustellen?

Viktor Baumgartner und Alexander Peer erfüllen beide Rezensionsleitlinien.

- „Sag niemals wir!“ ‒ Wer diese eindringliche Empfehlung berücksichtigt, geht einem Großteil von Verlogenheit, Irritation und Wut auf den Sprechenden aus dem Weg. Wer in Politik, Podcast oder Wirtschaft ständig ein Wir propagiert, obwohl es einzig um das Einzelinteresse des Sprechenden geht, hat schon verloren. Von Klein auf haben nämlich alle lebenden Kohorten gelernt, dass jemand lügt, wenn er durchgehend „wir“ sagt.

- „Halte dich probehalber an Überzeugungsstrategien markanter Typen in Wirtschaft und Geschichte!“ – Diese allgemeingültige Empfehlung hat einen doppelten Nutzen. Wenn man Persönlichkeiten nach ihren rhetorischen Strategien analysiert, entwickelt man ein gutes Gefühl dafür, wie man als zeitgenössisches Publikum mit dem rhetorischen Habitus der historischen Helden zurechtkommt. Dieses Gefühl ist auch bei der Beurteilung gegenwärtiger Protagonisten von Nutzen.

Am Beispiel von Napoleon, Kennedy, Ghandi, Luther, Hildegard von Bingen oder Warren Buffett werden einzelne Strategien herausgeschält, die insgesamt als Bausteine für „die Kunst des Überzeugens“ angesehen werden können.

Die Programme sind mit mehr oder weniger blumigen Überschriften geschmückt,

  • Über irreführende Appelle
  • Pitchen kurz vor dem Weltuntergang
  • Widerstand durch Verunsicherung
  • Grenzen setzen für Freiräume
  • Mit erhobenem Kopf gegen die Angst
  • Wirkung ist eine Frage des Willens
  • Kommunikation ist Knochenarbeit

vorerst von historischen Persönlichkeiten abgeleitet ergeben sie einen schier umwerfenden Sinn, wenn man sie auf den aktuellen amerikanischen Präsidenten anwendet.

Das aktuelle Podium für das Überzeugungsbuch stellt freilich ein fiktiver schweizerischer Unternehmer-Sound dar, wie er in den Börsennotierten Firmen und Gesellschaften vorherrschen könnte, wenn man mit einem erfahrenen Berater die Zukunft rhetorisch durchgeht.

Viktor Baumgartner spielt dabei seine jahrzehntelange Erfahrung als „provozierender Trainer“ aus, der mit allerhand dramaturgischen Kniffen die Kundschaft aus der Komfortzone hinaustreibt. Nach seiner Erfahrung führt pures Coaching in der Rhetorik in die Sackgasse, weil das Ergebnis künstlich wirkt ohne Intelligenz. Gefragt ist hartes Training, wie auch das Kapitel beweist: Kommunikation ist Knochenarbeit.

Alexander Peer kümmert sich als ausgewiesener Schriftsteller und Biograph um die entsprechende Aufbereitung der Helden. Seine Botschaft im Hintergrund weist darauf hin, dass letztlich alle rhetorischen Elemente Teil jenes Werkzeugkastens sind, der für die Gestaltung von Fiktion vonnöten ist.

Beide Autoren stellen ihre Welt sehr überzeugend und glaubwürdig dar, wobei für den trivialen User die Schweizer Unternehmerwelt wie in einem Comic agiert. Das kann aber damit zusammenhängen, dass wir seit Dürrenmatt bei Schweizer Besonderheiten immer zuerst an Literatur denken, obwohl es Wirtschaft ist.

Vieles aus dem Überzeugungskatalog, der in regelmäßigen Abständen in die Geschichten geflochten ist, lässt sich sofort beim Rezensieren anwenden.

„Schaffen Sie ein Happyend. Betonen Sie, welche positiven Auswirkungen Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung auf den Kunden haben wird. Präsentieren Sie Fallstudien oder Erfolgsgeschichten von Kunden. Zeigen Sie, wie Ihr Angebot den Kunden vor dem Weltuntergang bewahrt.“ (41)

Viktor Baumgartner / Alexander Peer, Die Kunst des Überzeugens. Zeitlose Rhetorik für persönlichen Gewinn
Wien, Berlin: Goldegg Verlag 2025, 191 Seiten, 24,00 €, ISBN 978-3-99060-456-4

 

Weiterführende Links:
Goldegg Verlag: Viktor Baumgartner / Alexander Peer, Die Kunst des Überzeugens
Wikipedia: Alexander Peer
Kernkomm: Viktor Baumgartner

 

Helmuth Schönauer, 05-01-2026

Bibliographie
Autor/Autorin:
Viktor Baumgartner / Alexander Peer
Buchtitel:
Die Kunst des Überzeugens. Zeitlose Rhetorik für persönlichen Gewinn
Erscheinungsort:
Wien Berlin
Erscheinungsjahr:
2025
Verlag:
Goldegg Verlag
Seitenzahl:
191
Preis in EUR:
24,00
ISBN:
978-3-99060-456-4
Kurzbiographie Autor/Autorin:
Viktor Baumgartner, Journalist und Kommunikationstrainer, lebt in Küsnacht bei Zürich.

Alexander Peer, geb. 1971 in Salzburg, lebt in Wien.