markus jäger, helden für immerGeschichten, die gut ausgehen, sind in der Gegenwartsliteratur ziemlich selten, weil die Anleitung zum Glücklichsein meist in den Sachbüchern verhandelt wird.

Markus Jäger lässt in seinem Roman „Helden für immer“ zwei Protagonisten zusammenkommen und zusammenleben. Die Philosophie der Homosexualität wird dabei als Glücksfall angelegt, die den Beteiligten auch Lebenssinn und Erfüllung verschafft, auch wenn sie natürlich immer wieder wie jede Beziehung auf dem Prüfstand steht.

monika maslowska, winterrotMagische Wörter zwingen dazu, die Eigen-Phantasie in Sekundenschnelle anzuregen und auszuleben. Das schöne „Winterrot“ ist voller Widerspruch, trifft doch die Kälte auf die Wärme. Der Raser wird an rotglühende Bremsscheiben denken, wenn er im Winter sein Fahrzeug gerade noch zum Stehen bringt, ein Poet wird von der untergehenden Sonne schwärmen, die gerade im Winter besonders erhitzt untergeht, und Outdoor-Freaks denken an rot angelaufene Nasen oder Wangen, wenn die Kälte ungebremst auf das Antlitz trifft.

Monika Maslowska denkt an diese poetischen Augenblicke, wenn eine Handlung in Einzelbilder zerfällt, eine Geschichte als Coverbild auf den Buchumschlag springt oder ein Seufzer zu einer Installation wird. In sechzig Sekunden rasen diese Geschichten durch die Ewigkeit und ergeben auf den ersten Blick nichts außer eine Minute. Dabei werden Sinnesorgane gereizt und in Sekundenschnelle bricht größte Heiterkeit oder Erregung aus.

esther bernhard, materialien und kopiervorlagen„Für dieses Begleitmaterial wurde das Buch in drei chronologische Abschnitte gegliedert. Zu jedem dieser Abschnitte gibt es zunächst einen didaktischen Teil und anschließend Kopiervorlagen für die Schülerhand. Der Lehrerteil enthält Zusammenfassungen jedes Kapitels, Fragen zum Textverständnis und Anregungen zur kreativen Erarbeitung des Inhalts.“ (S. 3)

Auf 48 Seiten wird das Jugendbuch „Ein Channel für die Zukunft“ didaktisch für den Leseunterricht aufbereitet. Dabei werden den Unterrichtenden Fragen zum Textverständnis, anregende Fragen zum Thema und verschiedene Unterrichtsvorschläge angeboten.

isabella feimer, monsterDie wahren Monster humpeln nicht als wuchtige Gestalten über die Leinwand, sondern als amorphe Schreckgespinste durch die Seele.

So ist es durchaus logisch, wenn Isabella Feimers Erzählung „Monster“ eigentlich eine feine Liebesgeschichte ist, die allerdings immer wieder von dunklen Schattenflecken heimgesucht wird. Held und Ich-Erzähler ist der Fotograf Max, der aus therapeutischen Zwecken in der weiten Landschaft Amerikas unterwegs ist. Während er sein fotografisches Auge über die animierenden Landschaftskonturen schweifen lässt, wird das Innere angeregt. Ja, er ist auf der Flucht vor Elsa, mit der er eine Liebesbeziehung auf Gedeih und Verderben aufgebaut hat. Von Elsa sind ihm noch gut Sätze in Erinnerung, worin sein Verhalten als monströs beschreiben wird. Und der finale Kuss endet auch mit der Liebesformel: Du Monster!

paul theroux, mutterlandMutterland klingt ähnlich wie Muttertag sehr kämpferisch gutmeinend und kann letztlich nur mit Sarkasmus beschrieben werden. Mutterland ist auf den ersten Blick auch das gegenderte Vaterland, das mit einem patriotischen Weichzeichner porträtiert wird.

Paul Theroux platziert um eine Über-Mutter herum eine fette Familiensaga. Insgesamt sieben Kinder sitzen wie die sieben Zwerge um die Mutter herum und stellen einen Ausschnitt von der Welt dar. Die Berufe Advokat, Lehrerin, Diplomat, Krankenpfleger, Professor und Schriftsteller sind artig vertreten, alle wirken und werken im Geiste der Mutter, um die sie regelmäßig aufgepflanzt sind. Das Lieblingskind der Mutter freilich ist Angela, sie ist schon verstorben und mit ihr kann man so herrlich schön ins Jenseits beten. Am Ende der Beliebtheitsskala steht naturgemäß der Ich-Erzähler, der als Schriftsteller nicht immer alles für bare Münze nimmt. Und außerdem legt er sich immer mit seinem Professoren-Bruder an, der in Stunden der Depression mit Lyrik herumdilettiert und schlechten Geschmack verbreitet.

daniela chana, sagt die dameGedichte können ohne jegliche Ordnung auskommen und wie gefallene Blätter durch den Garten strömen. Wenn man sie dann einzeln aufklaubt, merkt man, dass sie sich alle einem Baum, Zweig, ja sogar Andock-Punkt zuordnen lassen.

Daniela Chana lässt ihre Gedichte wild herum wehen, sie sind frei und ungezähmt, aber als Sammlung ergeben sie dann so etwas wie die verwehte Biographie eines lyrischen Ichs. Schon im Vorspann ist eine Widmung eingefügt, wonach diese Gedichte für jene Singer-Songwriter sind, „deren Werke mich als Teenager berührt und die Liebe zur Lyrik in mir geweckt haben.“

zsuzsa seleym, regen in moskauWenn einem eine Geschichte schon Haltegriffe in Gestalt von Ortsnamen und Zeitangaben in den Beipackzettel steckt, dann sollte man diese Angaben nicht ignorieren. Diese äußeren Angaben sind kleine Guckfenster, um dadurch ins Innere der Erzählung zu schauen, die unter hohem Druck steht und wie in einem Reaktor mannigfaltige historische Prozesse ablaufen lässt.

Zsuzsa Selyem beschreibt unter dem poetischen Titel „Regen in Moskau“ eine Geschichte von Zwangsmobilität, Glückssuche und Sich-zurechtfinden mit dem Faktischen. Allein schon der Erzählstandpunkt ist irritierend, neben betroffenen Aussiedlern, Wachpersonal und historischen Funktionären ist es das Ungeziefer, das erzählt. Immer wieder berichtet jemand von der Eiablage, und wie er oder sie dann von der Wand herunter sind und diesen oder jenen gestochen haben, um ihm ein wenig Blut abzusaugen.

liviu rebreanu, der wald der gehenktenAufsehenerregende Romane sind oft für eine einzige Szene bekannt. Diese ist an und für sich überschaubar, breitet sich dann aber über ein ganzes Jahrhundert aus.

Liviu Rebreanus „Der Wald der Gehenkten“ aus dem Jahre 1922 versucht aufs erste einmal Atem zu holen und das Desaster des Weltkriegs in halbwegs greifbaren Bildern darzustellen. Weltberühmt ist der Roman inzwischen wegen der Hinrichtung im ersten Kapitel. Das Besondere dieser Aktion am Rande der Geographie und des Kriegsgeschehens ist die groteske Hilflosigkeit, mit der die Beteiligten die Sache hinter sich bringen wollen, inklusive des Delinquenten, der nur einen Wusch hat, dass diese vermurkste Hinrichtung möglichst bald vorbei ein möge. Bei dieser speziellen Hinrichtung handelt es sich um eine österreichische Amtsaktion unter Kriegsbedingungen. Das ist so das Schlimmste, was man sich als Soldat, Beamter, Mensch oder Österreicher wünschen kann.

elisabeth lexer, maiandachtMaiandacht ist ein religiöses Zeremoniell, das in der öffentlichen Lesart gerade noch als Volksbrauch oder Meditationsübung durchgeht, in entlegenen Landesteilen aber vollends ins Archaisch-Mythische hineingreift. So ist der echte Maiandachtskult für den Tourismus noch immer tabu, wer ihn erkunden will, muss entweder Betroffener oder Forensiker sein.

Elisabeth Lexer und Robert Boulanger haben die Form des Kriminalromans gewählt, weil man sich dadurch landläufig etwas vorstellen kann und weil erzähltechnisch gesehen so die diversen Geheimnisse geknackt werden können, indem einfach ein Chefinspektor über die Sache drüberscannt. In der Tiefenstruktur ist der Roman durchaus ein Stück Ethnographie, Psychologie und Dialektologie. In einem Glossar werden nämliche die einzelnen Fügungen nicht nur in eine Allgemeinsprache transferiert, ihre Auswahl und ihr semantisches Selbstbewusstsein deuten darauf hin, dass diese Begriffe auch den Sinn des Lebens in einem gewissen Landstrich ausmachen. Diese regionale Feldforschung ist gewissermaßen die Antwort auf die Globalisierung, der Kosmos ist nämlich ein Wallfahrtsort mit aufgesetztem Wellnessbereich.

wolf haas, junger mannDie Literatur von Wolf Haas ist eigentlich eine Tournee, bei der als Benefit für die Leser die Romane verteilt werden. Wenn jemand geh-schwach ist, kann er sich die Tournee auch ins Haus schicken lassen, eingehüllt in den Roman kommt ein Lesezeichen zum Vorschein, auf dem die wichtigsten Lesungen des Wolf Haas aufgezählt sind.

Erfurt, Berlin, Hamburg, Wien: Das Lesezeichen erinnert an einen ICE-Plan, an dessen Umsteige-Knoten zu gewissen Terminen der Wolf Haas sitzt und vorliest. Bei ihm ist ausnahmsweise das Vorlesen nicht falsch, zumal der „Schreibstil“ oft sehr österreichisch mündlich ist. Und wenn man sich den Umschlag und alles kurz wegdenkt, sitzt man vielleicht mitten in einem Horvath-Stück. Alles könnte eine politische Anspielung sein, gleichzeitig ist alles ein rosarotes Trallala, das in tiefroten Ernst übergehen kann.