Elias Schneitter, Zirl.Innweg 8
Alles Neue beginnt mit einer Krankheit, weil Neues nur entstehen kann, wenn das Alte abgeworfen wird, und das Loswerden des Alten bezeichnet Egon Friedell als Krankheit.
In Elias Schneitters Erzählung „Zirl. Innweg 8“ kämpft ein erzählendes Ich ein Leben lang damit, die Kindheit im Lebensprogramm unterzubringen und als gelungen zu beschreiben.
Wenn man eine sogenannte Heimat halb zu sich heranzoomt, breitet sich triefende Ergriffenheit aus, wenn man sie ganz zu sich heranlässt, führt sie in ihrer Skurrilität zu befreiendem Gelächter.
Bei den wirklich aufregenden Themen geht es meist um richtiges Argumentieren zu einer falschen Zeit.
Manchmal ist das Vorleben eines Schriftstellers entscheidend für dessen Schreib-Wucht in Theorie und Praxis.
Vermutlich ist erlesen die schönste Form von erarbeiten. Wenn man sich dabei einen ganzen Landstrich und ein halbes Jahrhundert erarbeitet, fällt die Bilanz wie von selbst „erlesen“ aus.
Es gibt eine Lebensphilosophie, nach welcher die Dinge ein Eigenleben führen und bocken, wenn etwas in eine falsche Richtung geht. Bei Charlie Chaplin springen die Sachen oft den Helden an, bei Franz Kafka machen sich Akten selbständig, bei Woody Allen ist die Couch das Problem, nicht der darauf liegende Patient.
Für einen ausgewachsenen literarischen Helden stellt die Erotik oft ein weitläufiges Kampffeld dar, auf dem er seine Fähigkeiten ausfechten und gegnerische Hiebe einstecken muss. Dieses macho-kriegerische Sprachinventar deutet darauf hin, dass Erotik oft als Krieg mit anderen Mitteln verstanden wird.
An manchen Tagen gibt es in der Literatur nur das Familienthema zu bearbeiten, die einen unternehmen alles, um die Familie los zu werden, die anderen alles, um sie zu entdecken.
Die wahre Seele eines politischen Systems zeigt sich selten in der Hauptstadt sondern meist in vergessenen Randgebieten.
Die Sprache ist schlauer als die Menschen, die sie benützen. Manchmal verzichtet sie gar auf die Menschen und erzählt selbst eine Geschichte.