Gesellschaft | Kultur

Peter Zellmann, Die Zukunft der Arbeit

h.schoenauer - 28.09.2010

Buch-CoverDer Schwachpunkt jeglicher Wissenschaft, strahlt letztlich über jegliche Arbeit: Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen.

Peter Zellmann weiß um die Endlichkeit wissenschaftlichen Begehrens, und macht sich dennoch auf, um die Zukunft der Arbeit zumindest mit einem groben Raster einzufangen.

O.P. Zier, Mordsonate

h.schoenauer - 27.09.2010

Buch-CoverEs gibt diese zuckersüßen Klischee-Orte, in denen sogar noch das Verbrechen nach Süße schmeckt. Manche Zyniker behaupten, ganz Österreich sei ein Verbrechen in Gestalt eines Punsch-Krapferls.

O.P. Zier hat sich für seinen mörderischen Roman eine schmalzige Location ausgesucht, die Stadt Salzburg mit ihrem schrägen Mozart-Kult ist allemal für einen Schauplatz des süßen Grauens gut.

Roman Santeler, Landecker Hefte

h.schoenauer - 23.09.2010

Buch-CoverManche Orte strömen schon in ihrem Namen den vollen Hauch der Verbannung aus. Es klingt nach Ende, Sackgasse, schroffer Geographie. Landeck ist so ein Ort voller Verbannung, nicht umsonst liegt auf seiner Schulter eine aufgedunsene Kaserne.

Roman Santeler nennt seine Gedichts-Einträge von der Peripherie schlicht Landecker Hefte, zwei davon hat er angelegt, Glückliche Zeiten und Silentium. Schon das erste Gedicht macht alles klar:

Herbert Rosendorfer, Letzte Mahlzeiten

h.schoenauer - 21.09.2010

Buch-CoverEs gibt so gut wie keinen Anlass, zu dem man nicht essen könnte. Und der Körper kennt keine noch so wilde Verrenkung oder Stellung, in der sich nicht ein Menü einführen ließe.

So ist es kein Wunder, dass Herbert Rosendorfer, der Meister für extreme Situationen, einen lukullischen Hinrichtungsführer geschrieben hat.

Gunter Dueck, Aufbrechen!

h.schoenauer - 20.09.2010

Buch-CoverDer Befehl "Aufbrechen!" ist sehr ermunternd, besagt er doch, dass man seinen Hintern in die Höhe lüpfen und sich einerseits auf den Weg machen soll und andererseits das bestehende System aufknacken muss.

Offensichtlich gibt es in jeder Gesellschaft einen gewissen Aufbruchs-Quotienten, der sich dann jeweils in Aufbruchs-Büchern niederschlägt.

Bernhard Kathan, Hungerkünstler

h.schoenauer - 20.09.2010

Buch-CoverDer Künstlerberuf wird im Volksmund gerne als Hungerleider-Beruf dargestellt, das heißt, kaum jemand kann von seiner Kunst leben. Dass es das Hungern auch als Kunstinhalt gibt und der Trance-Zustand beim Verhungern in künstlerische Höchst-Sphären führen kann, ist die andere Seite des Hungerns.

Bernhard Kathan, Experte für Ernährung in der Literatur und essbare und nichtessbare Tiere im Kulturbetrieb, geht in seinem Essay einigen Hungerkünstlern nach. So gibt es erstaunlich viele Texte, die einfach mit dem Hunger zu tun haben, ob bei Knut Hamsun, Daniil Charms, Gogol oder Kafka.

Manfred Josef Manius Stieg, Florileg akut

h.schoenauer - 07.09.2010

Buch-CoverManche Bücher treten schon in Aufmachung und Titel als Rarität hervor, verheißen einen Ausstieg aus der Zeit und eine Reise in einen ungewöhnlichen Gedankenkosmos.

Manfred Josef Manius Stieg zelebriert nach alter Weise seinen Namen als singuläres Programm und gibt dem jüngsten Buch den aufmerksam-feinen Titel Florileg. Darunter ist eine Art Blütenlese zu verstehen, die Darbietungen des Autors sind vielleicht ein Blütenkorso durch die Gedankenwelt voller Aphorismen und Epigramme. Dass dabei zwischendurch das Lateinische verwendet wird, gibt den Gedankengängen einen zusätzlichen zeitlosen Touch.

Eva Rossmann, Evelyns Fall

h.schoenauer - 07.09.2010

Buch-CoverWenn man die gesellschaftliche Seele eines Landes kennen lernen will, tut man oft gut daran, sich an einen Gesellschafts-Krimi zu halten. Darin kommen in Figurenführung, Themenwahl und Didaktik der Alltagsbewältigung oft mehr Dinge zum Vorschein als in einem Landes-Knigge.

Eva Rossmann führt mit ihrer aufklärenden Journalistin Mira Valensky schon seit Jahren elegant und raffiniert durch die Untiefen der Österreichischen Seele. In ihrem mittlerweile zwölften Krimi, geht es um das Problem Armut, Sozialhilfe, Negativ-Karriere. In einem abgewohnten Haus, das man in der ersten Klischee-Empfindung in Rumänien ansiedeln möchte und nicht in einem Wiener Vorort, wird die tote Evelyn Maier entdeckt.

Sigitas Parulskis, Drei Sekunden Himmel

h.schoenauer - 06.09.2010

Buch-CoverManchmal fassen Romane einen zeitkritischen Löffel aus und kratzen damit die Geschehnisse eine ganzen Generation mit ein paar Sätzen aus dem Topf der Zeit.

Sigitas Parulskis nennt seinen Roman drei Sekunden, weil sich offensichtlich die wesentlichsten Ereignisse auf diese Zeiteinheit zusammenstutzen lassen. Die drei Sekunden haben freilich noch einen handfesten Sinn, militärischen Fallschirmspringer müssen aus Sicherheitsgründen drei Sekunden im freien Fall die Luft anhalten, ehe sich der Schirm öffnet (oder auch nicht).

Christine Dobretsberger (Hrsg.), Polizisten weinen nicht

h.schoenauer - 05.09.2010

Buch-CoverOk, Polizisten weinen nicht, im Sinne der Gender-Semantik kann getrost angenommen werden, dass Polizistinnen auch nicht weinen.

Im Polizisten-Reader kommen ausnahmsweise die Gefühle bei Amtshandlungen zur Sprache. Von der Journalistin und "Ghostwriterin" Christine Dobretsberger wurden pensionierte und traumatisierte Beamte angespornt, die Gefühle bei ihren jeweils spektakulärsten Fällen in Form von Reimgedichten oder Erlebnisaufsätzen darzustellen.