Sachbuch

Michail Gorbatschow, Das neue Russland

andreas.markt-huter - 24.05.2016

„Das Interesse an meinem Buch [„Alles zu seiner Zeit“, Anm. A.M.-H.] hat mich tief berührt. Deshalb habe ich beschlossen, das Zwiegespräch mit den Menschen fortzusetzen und zu erzählen, was ich in den Jahren nach meinem Rücktritt vom Amt des Präsidenten erlebt habe.“ (11)

Während das Vorwort den Inhalt des Buches richtig ankündigt, nämlich als biographische Erinnerung Michail Gorbatschows an die Zeit seit seinem Rücktritt, erweckt der Langtitel den irrigen Eindruck, Insiderwissen über das System Putin zu erhalten, ein Versprechen das nicht eingelöst wird. Dennoch bieten die Erinnerungen und Einschätzungen des großen russischen Politikers, der für das Ende des kalten Krieges und der Sowjetunion verantwortlich gewesen ist, zur vergangenen und aktuellen politischen Lage durchaus interessante Aspekte.

Klaus Zierer, Hattie für gestresste Lehrer

andreas.markt-huter - 01.05.2016

„Die zentralen Ergebnisse, zu denen Hattie gekommen ist, sind in wesentlichen Teilen eigentlich banal. Aber genau darin liegt paradoxerweise der vielleicht wichtigste Beitrag seiner Arbeit: Er hat das Selbstverständliche mit solcher Wucht und so umfassend auf den Punkt gebracht, dass es künftig kaum noch möglich sein wird, die einfachen pädagogischen Wahrheiten länger zu ignorieren.“ (6)

Nirgends sonst prallen die unterschiedlichen ideologischen Positionen dermaßen heftig aufeinander wie im Bildungsbereich und auch die zahlreichen Schulreformen der letzten Jahre und Jahrzehnte spiegeln mehr die Ratlosigkeit und Hektik wieder, mit denen versucht wird, auf die Ergebnisse von internationalen Bildungsstudien zu reagieren. Der neuseeländische Pädagoge John Hattie zeigt in seiner Mammutstudie auf, was eine gute Schule und einen guten Unterricht ausmacht. Klaus Zierer fasst in seinem Buch die wesentlichen Kernbotschaften von Hatties Arbeit kurz und prägnant zusammen.

Matthias Politycki, 42,195

h.schoenauer - 21.04.2016

Der echte Marathonlauf endet mit dem Tod. Der moderne Läufer rückt diesem möglichst nah an die Pelle und überwindet ihn. Freilich bleibt eine Todessehnsucht, sodass der Marathonläufer ständig neue Läufe in das Gelände setzen muss.

Matthias Politycki schreibt sich mit 42,192 die Kilometer einzeln vom Leib. Sein Essay ist in die Kilometer eines Marathonlaufs unterteilt und gibt in etwa wieder, was durch ein laufendes Hirn an Gedanken durchfließt, wenn die Versorgung mit Energie und Sauerstoff ans Limit kommt. Es handelt sich dabei um keinen Ratgeber, außer dem Rat, das Laufen als etwas Kluges zu begreifen.

Annette Großbongardt / Johannes Saltzwedel (Hg.), Leben im Mittelalter

andreas.markt-huter - 19.04.2016

„Will man sich aber dem Alltag der Menschen nähern, ist es nicht damit getan, das nach heutigen Maßstäben oftmals grausame und primitive Mittelalter vom abenteuerlichen-bunten zu unterscheiden. Dieser Band versucht deshalb, die historische Vielfalt durch den Blick auf typischen Lebensformen zu ordnen.“ (12)

Zu den typischen Lebensformen, denen jeweils ein Kapitel im Buch gewidmet ist, zählen das Leben der Mönche und des Klerus sowie die Bedeutung des Religiösen in seinen verschiedenen Facetten ebenso wie das Leben der verschiedenen Stände wie Bauern, Ritter und Adel oder von Bürgern und Intellektuellen.

Kurt Leutgeb, Humana fraus

h.schoenauer - 07.04.2016

Was wie eine neue Krankheit oder nach einem psychologischen Verfahren klingt, ist sinngemäß übersetzt „der menschliche Frevel“, der wohl schon seit Erfindung der Sprache im Umlauf ist. Fraus hat auch mit Täuschung, Betrug, Vorspiegelung falscher Tatsachen zu tun. Als Fraus-Fachleute gelten Defraudanten.

Kurt Leutgeb stellt seine Fraus-Erzählung als Gerücht und Überlieferung dar. In fünf Schritten wird von einer Seuche im Jahre 331 vor unserer Zeitrechnung (VuZ) berichtet, wonach hundertsiebzig Matronen mit Kräuterexperimenten die römische Oberschicht vergiftet haben und deshalb liquidiert werden müssen.

Hannes Leidinger, Trügerischer Glanz: Der Wiener Kongress

h.schoenauer - 05.04.2016

Was im Windschatten hoher Tiere passiert, hat unser Land 2015 beim Gipfel im Schloss Ellmau oder bei den Atomverhandlungen mit dem Iran im Wiener Palais Coburg testen dürfen. Das Leben geht für die sterblichen Menschen weiter, wenn auch von dicken Security Cordons abgeschirmt.

Die Frage, wer ist drinnen und wer ist draußen, stellt sich auch beim Wiener Kongress 1814/1815, als man nichts anderes im Sinn hat, als die Welt neu zu ordnen. Hannes Leidinger nennt dieses Unterfangen „Trügerischer Glanz“, dabei berichtet er von den wichtigsten Ereignissen vom Gipfel, kümmert sich dann aber um das Volk, das zu dieser Zeit völlig missachtet von der Geschichtsschreibung sein Dasein fristen muss.

Annette Großbongardt (Hg.) / Johannes Saltzwedel (Hg.), Die Bibel

andreas.markt-huter - 30.03.2016

„Wer sich der Bibel nähert, ist bald von Superlativen überwältigt: Ewiger Bestseller, einzigartige Textsammlung der Menschheitsgeschichte, hochkomplexer Ideenspeicher monotheistischen Glaubens – und das sind nur einige Aspekte des Phänomens.“ (11)

28 Autorinnen und Autoren beleuchten in 27 Beiträgen das „mächtigste Buch der Welt“, die Bibel, aus unterschiedlichen Perspektiven. Ob ihre Entstehungsgeschichte oder ihre Bedeutung für den jüdischen und christlichen Glauben, ihre Wirkung auf die Gesellschaften im Laufe der Jahrhunderte oder die Kritik an ihren Inhalten, immer standen die Bibel und ihre Aussagen auch im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses.

Peter Stephan Jungk, Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart

h.schoenauer - 28.03.2016

Die Meisterwerke der Spionage laufen im ersten Schritt so geheim ab, dass nicht einmal die beteiligten Personen davon wissen. Der dazu passende Agentenroman dechiffriert dann aus der Sicht der Angehörigen das scheinbar unscheinbare Leben der Helden.

Peter Stephan Jungk schreibt mit den Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart die Lebensgeschichte seiner Großtante, und heraus kommt ein Realo-Thriller. Die Suche nach den Rätseln, das Dechiffrieren einer Geheimkarriere und das Hereinholen eines entfernten Familienmitglieds in den Lichtkegel des Unvergesslichen sind dabei die Grundabsichten der Recherche.

Bernd Schuchter, Innsbruck abseits der Pfade

andreas.markt-huter - 16.03.2016

Gerade in Zeiten der Apps und Maps braucht es zum Entschleunigen zwischendurch diesen guten alten „Führer“, in dem man sich innen über die eigene Reise orientieren kann und an dem außen am Verschleiß die anderen beurteilen können, wie intensiv man die Reise nimmt.

Bernd Schuchter leitet mit seinem Entschleunigungs-Führer den Gast tatsächlich abseits der üblichen Pfade durch die Stadt Innsbruck, und dennoch werden die sogenannten Musts nicht ausgeklammert. So gibt es für die Kernzone, die natürlich immer wieder das Goldene Dachl aufblitzen lässt, eine Sommer- und Winterwanderung, weil die Stadt heftig dem touristischen Wabern zwischen Sommer und Winter ausgesetzt ist. Allein die Glühwein-Standln oder Jodler-Boxen überstülpen die Stadt je nach Jahreszeit mit einer unverwechselbaren Geruchs- und Akustikblase.

Michael Forcher, Tirol und der Erste Weltkrieg

h.schoenauer - 26.02.2016

Was der Bestsellerautor Christopher Clark mit seinen „Schlafwandlern“ über den Ersten Weltkrieg ist, ist „Der Forcher“ für Tirol mit seiner bewegenden Darstellung des Weltkrieges aus Tiroler Sicht.

Michael Forscher ist leidenschaftlicher Historiker genug, damit er weiß, dass sich nicht erzählbare Dinge nur darstellen lassen, wenn man sie quasi wie dokumentierte Rollen sich selbst erzählen lässt. Der Autor bereitet dabei die Quellen aus und ist gerecht, indem er alle zu Wort kommen lässt. Und so kommt heraus, dass alle bis hinauf zum Feldherren Conrad fassungslos den Geschehnissen gegenüber stehen. Bloß kann der Oberste diesen Sprung im Kopf überwinden, indem er einfach selbst noch seine Biographie nach dem Krieg zurecht biegt.