Luise Schorn-Schütte, Die Teilung der Macht
„Europa war ein Kontinent der Regionen, und es war zugleich Teil einer globalen Ordnung. Diese Charakterisierung benennt eine Grundspannung, die die europäische Geschichte auch über das 18. Jahrhundert hinaus begleitete. Regionale Vielfalt ist als Sprachenvielfalt, als Vielfalt religiöser Überzeugungen, als Vielfalt politischer und wirtschaftlicher Ordnungen und als kulturelle Vielfalt stets existent geblieben.“ (S. 9)
Mit der Veränderung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse verändert sich auch der Blickwinkel auf die Vergangenheit sowie zeitgebundene die Einordnung und Interpretation historischer Ereignisse und Verläufe. Luise Schorn-Schütte versucht dem „Modernisierungspanorama“, dem Bild vom modernen Westen und rückständigen Osten das Historiker des ausgehenden 20. Jahrhunderts über die Frühe Neuzeit Europas gezeichnet hatten, ein differenzierteres Bild entgegenzusetzen.
„Dieses Buch trägt den Titel Ketzer, dabei galten nicht alle Glaubensvorstellungen, die hierin dargelegt werden, als ketzerisch – ganz im Gegenteil. Einige waren schismatisch, andere wurden lediglich missbilligt – und viele der überraschenden Geschichten, von denen hier berichtet wird, waren (auch wenn die Kirche das mitunter nicht allzu gern sah) jahrhundertelang ein akzeptierter Teil des christlichen Kultes.“ (S. 25)
Sprache als Waffe: Wie Demagogen den Diskurs vergiften. Es gibt Sachbücher, die vielfach polemisch verwendete Schlagwörter in einen präzisen Begriff überführen. Demagogie von Paul Sailer-Wlasits gehört in diese Kategorie.
Seit es Aufzeichnungen gibt, spielt die Rhetorik im Umgang der Menschen untereinander eine Rolle. Von den Tontafeln aufwärts bis hinein in die Welt der Apps gibt es jede Menge Tipps und Ratschläge, wie man mit guter Rhetorik überleben oder gar reüssieren kann. Das mündliche Handwerk ist seit Jahrtausenden mit einem verschriftlichten Regelwerk hinterlegt.
In der Rezensionstechnik gilt eine magere Empfehlung, wonach man aus Respekt vor dem Kunstwerk Superlative nur ironisch verwenden soll. So ist auch die Behauptung zu verstehen: „Alois Schild gilt in Tirol als der Künstler mit dem größten Verkehrswert.“ Diese Anspielung beruht auf der Tatsache, dass an ein paar wesentlichen Verkehrsknoten und Kreisverkehren Tirols tatsächlich Skulpturen von Alois Schild aufgestellt sind.
„Eine Sennerin fährt auf einem Einersessellift über eine Liftstütze, auf der am Weg zur Alm auf französisch und englisch gewarnt wird: Please keep still!“ Diese Idylle aus dem Gadertal 1960 stimmt in „Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983“ ein, eine Oral-history über Bruch und Aufbruch in Südtirol.
Erfolgreich Lesende verfügen über die Fertigkeit, Wörter akkurat und automatisiert in angemessener Geschwindigkeit zu dekodieren. Diese Fertigkeiten werden unter dem Begriff „Leseflüssigkeit“ zusammengefasst. Auch wenn sie notwendig sind, um ein sicheres Leseverstehen zu entwickeln, so sind sie nicht ausreichend. Trotzdem konzentriert sich die schulische Förderung von Leseflüssigkeit bisher hauptsächlich auf diese Aspekte. Das Potenzial prosodischer Kompetenzen bleibt dagegen didaktisch ungenutzt …“ (S. 13)
„Zur weiteren Vorbereitung der Unternehmensgründung und des Achenseeprojekts konstituierte sich am 23. April 1924 in Wien in den Räumen der Allgemeinen Österreichi-schen Boden-Credit-Anstalt ein Interimskomitee der Tiroler Wasserkraftwerke AG (TI-WAG).“ (S. 39)
„Um der ganzen Welt zu beweisen, dass die Habsburger das »das edelste Blut im Himmel und auf Erden seien«, ließ Maximilian durch seine Genealogen umfangreiche Stammbaumforschungen durchführen. Auftragsgemäß führten diese die habsburgische Dynastie auf die Staufer, Ottonen und Karolinger, bis auf die Trojaner und – vom Kaiser später allerdings wieder verworfen – bis auf Noah zurück.“ (S. 11)
„Dem vorliegenden Buch geht es um eine Synthese dieser beiden Perspektiven. Die erste, horizontale, ist die der Beziehungen zwischen Gesellschaften auf der Erdoberfläche, die der Grenzen und Konflikte, der Verbreitungen und Eroberungen. Die zweite, vertikale, ist die der Domestizierungen, des Bergbaus, der Reisfelder, der Verschmutzungen. Unsere Erzählung verknüpft beide, um mit den Füßen fest auf der Erde zu bleiben. Wir werden Meeresströmungen und Seefahrer kennenlernen, Berge, Wüsten und Eroberer, Bauern und zu kalte Winter …“ (S. 12)