Beziehung

Anna Weidenholzer, Der Winter tut den Fischen gut

h.schoenauer - 25.01.2013

Vielleicht ist das Leben nur ein Auszählreim, durch den man eines Tages ohne Kommentar aus dem Leben ausgeschlossen wird.

Maria Beerenberger, die Hauptfigur in Anna Weidenholzers Roman „Der Winter tut den Fischen gut“, ist schwer angezählt. Aus diesem Grund beginnt der Roman mit dem vorläufigen Ende, die Protagonistin ist nach treuen Jahren Arbeit in einem Textilgeschäft gekündigt worden, „sie konnte nicht mehr gehalten werden“.

Martin Suter, Die Zeit, die Zeit

h.schoenauer - 23.01.2013

Manchmal sind es einfache Phänomene, die einen ein ganzes Leben lang verfolgen und am Ende gar eine Psychose auslösen können. So eine Erkenntnis, die letztlich die Menschen verrückt macht, lautet, dass nichts in der Vergangenheit oder Zukunft geschehen kann.

Martin Suter lässt seinen Helden Peter Taler mit einer geradezu filmischen Eröffnung aufwachen, „etwas ist heute anders“, mehr lässt sich anfangs noch nicht sagen.

Anthony McCarten, Ganz normale Helden

h.schoenauer - 18.01.2013

Kann eine Familie virtuell repariert werden, wenn sie in der Realität zerfallen ist? - Ganze Generationen von Eltern sitzen mittlerweile vor dem Problem, dass ihre Kids im Netz abgehauen sind und im eigenen Zimmer verschollen bleiben.

Anthony McCarten geht der Frage nach, ob ein Spiel im Netz die Wirklichkeit ersetzen kann und ob es zwischen diesen Welten tragfähige Brücken gibt. Die entscheidende Zeit im Netz ist die Gegenwart, weshalb der Roman Zeit-verkehrt aufgebaut ist. Ende-Mitte-Anfang heißt logischerweise die Reihenfolge, der sich Helden im Internet-Spiel zu stellen haben.

Wolfgang Hermann: Abschied ohne Ende

h.schoenauer - 14.01.2013

„Wenn das Sommerlicht einmal gebrochen war, kehrte es nie mehr zurück.“ (9) Wolfgang Hermann gilt als der Magier des Selbstverständlichen, oft sind es Lichtverhältnisse, der Wechsel einer Jahreszeit, der Verlauf eines Straßenzuges oder biographische Krümmungen zwischen Liebe und Tod, denen er mit frisch kalibrierten Sätzen zu Leibe rückt.

In der poetischen Dokumentation „Abschied ohne Ende“ findet ein Vater seinen siebzehnjährigen Sohn Fabius tot im Bett seines Zimmers auf. Dieser Tod kommt so unerwartet, dass es allen die Sprache verschlägt. Einzig der Körper des Vaters scheint eine Botschaft ausdrücken zu können, indem er eine Herzattacke auslöst.

Wolf Haas, Verteidigung der Missionarsstellung

h.schoenauer - 11.01.2013

Ein Roman ist letztlich nichts anderes als ein Stück inszenierter Wirklichkeit, wobei ein Text im Hintergrund als Anlass für die Inszenierung mitläuft.

Wolf Haas bringt seine Romane jeweils professionell auf die Literaturbühne, indem er zum Erscheinungstermin für alle Tageszeitungen ein ganzseitiges Interview gibt. Dabei wird immer erklärt, was der Roman nicht ist und welche Bedeutung die Innovation für den konkreten Fall hat. Der Leser überprüft in der Folge den Wahrheitsgehalt des Interviews und kauft und liest beiläufig den Roman zur Kontrolle.

Philippe Djian, Die Leichtfertigen

h.schoenauer - 07.01.2013

Manchmal kann man sich im Leben noch so anstrengen und man erreicht nichts als eine Kategorisierung, die womöglich noch falsch ist. Die „Leichtfertigen“ versuchen in ihrer Art ein Leben zu verwirklichen, das leicht ausschaut, bei genauerem Hinsehen aber verdammt anstrengend sein kann.

Francis darf im Roman von Philippe Djian als Erfolgstyp auftreten, der in einer guten Gegend wohnt, genug Kohle macht und auch noch Herr seiner selbst ist. Er ist nämlich ein erfolgreicher Schriftsteller, der sich fallweise auch den Verlag selbst aussuchen kann. Die Story beginnt mit einem Ereignis, das jeden gewöhnlichen Menschen wahrscheinlich aus der Bahn werfen würde. Die Tochter ist verschwunden und offensichtlich entführt worden.

Isabel Senoner, Narben einer Kindheit

h.schoenauer - 17.12.2012

Die schlimmste Kindheit ist wahrscheinlich jene, die entfällt. Menschen, die quasi als Erwachsene ins Leben gestoßen werden, leiden ein Leben lang darunter.

Isabel Senoner stellt eine Ich-Erzählerin vor, der das Leben gleich von Kindesbeinen an in die Parade fährt.

Markus Köhle, Hanno brennt

h.schoenauer - 10.12.2012

So wie es keine eindeutigen Sachverhalte gibt, gibt es natürlich auch keine eindeutigen Wörter. Am ehesten können Wortketten im Hirn eine Art Richtung des Denkens auslösen, mehr ist im Hirn nicht drin.

Markus Köhle, der mehrfach gekrönte König der Slam Poetry schafft es mit seinem Roman, Sprachkritik, Handlung und politische Logik auf die Reihe zu kriegen.

Brigitte Jaufenthaler, Diva & Angelo

h.schoenauer - 07.12.2012

Ein Krimi kann offensichtlich in jedem Milieu spielen, weil es in jedem Milieu Abweichungen von der Moral gibt. Die provinzielle Universität Innsbruck, eingekreist von akademischen Ritualen, ist natürlich ein ideales Terrain zum Abwickeln eines Krimis mit Kleingeistern als Helden.

Brigitte Jaufenthaler lässt im Studentenmilieu recherchieren. Vinzenz, der Mini-Dozent, und Theresia, die musische Studentin, treffen an einer Bar aufeinander und beginnen akademisch verbrämt ein lustvolles Geschlechtsverhältnis. Jetzt kann man mit alpin-trivialen Namen natürlich keinen Recherche-Baum ausreißen, weshalb sich die beiden Diva und Angelo nennen.

Alfred Gelbmann, Trümmerbruch oder Die Entdeckung des glücklichen Raumes

h.schoenauer - 05.12.2012

„Ein Friedhof ist ein Friedhof. Man sollte von einem Friedhof nicht mehr erwarten, als er für die Toten bedeutet. Die Lebenden sind Gäste auf Friedhöfen.“ (50)

Alfred Gelbmann gilt als der Meister der „lapidaren Logik“, worin Selbstverständlichkeiten enträtselt werden, indem sie ähnlich dem Roman nouveau in ihre Einzelteile zerlegt werden.