Louise Finch, Death – Life - Repeat
„Was ist los mit diesem Tag? Der Tod windet sich durch ihn wie Stacheldraht – der Tod vom letzten Jahr und nun dieser. Fünfmal sollte man dasselbe Mädchen echt nicht sterben sehen. Vor mir liegt eine Leiche und ihre Augen sind geschlossen. Noch jedenfalls. Nur ein paar Stunden, dann wacht sie auf. Dann geht alles von vorne los, für uns. Es tut mir leid. Ich kauere, glätte ihr Haar. Bin ganz nah. Wach auf, Clara. Wir sind ein Team, du und ich.“ (S. 5)
Seit dem Verkehrstod seiner Mutter Jahr findet James Spencer keine Gesprächsbasis mehr mit seinem Vater und betäubt sich gemeinsam mit seinen Freunden Anthony und Worm mit Partys, Drogen und Alkohol. Als ausgerechnet am Jahrestag des Unfalls seiner Mutter bei einer dieser Party ein Mädchen ums Leben kommt, gerät James‘ Leben völlig aus dem Ruder.
„In diesem Moment begann die morgendliche Durchsage. »Schon von der neuen E-Sport-AG hier an der Ironville Middle School gehört?«, fragte der Schülersprecher. »Was? Hast du E-Sport gesagt? Richtig gehört. Wir haben gerade acht brandneue, voll ausgestattete Providia X-Master Gaming-PCs bekommen. Nur dank Ms Peterson und Caleb Arnett. Wenn du also gern zockst und mehr wissen willst, komm zur Infoveranstaltung heute nach der Schule im Computerraum.«“ (S. 16)
„Ich möchte beschreiben wie Mathe sich anfühlt. Sie fühlt sich nämlich ganz anders an, als viele es sich vorstellen. Ich werde die kreative Seite der Mathematik beschreiben, die phantasievolle, die forschende, die auf Erkenntniszuwachs aus ist; […]. Dies ist kein Mathe-Lehrbuch und auch kein Buch über die Geschichte der Mathematik. Es ist ein Buch über Mathe-Gefühle.“ (S. 10)
„Was ist Chemie? Chemie ist der Wissenschaftszweig, der Stoffe untersucht – welche Eigenschaft Stoffe haben und wie sie sich verändern. Alles was du siehst, berührst, hörst, riechst und schmeckst sind chemische Stoffe. Chemie untersucht die Eigenschaften von Stoffen, wie sie wechselwirken und wie sie sich verändern.“ (S. 2)
„»Wir haben alle gehofft, dass es noch etwas länger dauert. Dass wir mehr Zeit haben.« Dabei war es lächerlich. Alle Zeit der Welt hätten nicht gereicht, um etwas an der Tatsache zu ändern, dass Cassandra Hyde die Letzte ihrer Art gewesen war. Die letzte Ripari. Und dass wir ohne sie wortwörtlich vor einem unlösbaren Problem standen. Ein Problem, das nicht nur meine Familie betraf, sondern, so dramatisch es auch klingen mochte, die ganze verdammte Menschheit.“ (S. 39)
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau …“ (S. 4)
„Hätten wir auch nur ansatzweise geahnt, was wir mit dem Brief auslösen würden, wir hätten ihn in tausend Stücke zerrissen, uns geschüttelt und wären Bratäpfel essen gegangen. Jetzt erst fällt mir auf, dass Zelda auf dem Foto den Umschlag falsch herum gehalten hat. Nicht Name und Anschrift des Adressaten sind zu erkennen, sondern der des Ortes, an dem wir bald mörderische Weihnachten erleben sollten: Montfort Lakebay House Hotel.“ (S. 8)
„Der Sturm heulte schaurig um das alte, vergessene Haus. Die Fensterscheiben bebten, morsche Balken knarzten. Die dichten, hohen Bäume, die das Haus mit der geheimen Bibliothek umstanden, ächzten im Wind. Immer wieder schlugen die Zweige heftig gegen die vermoosten Mauern. Im großen Lesesaal huschten unruhige, kugelrunde Lichter zwischen den meterhohen Regalen umher.“ (S. 5)
„Die in diesem Buch vorgestellten Gegenstände gelten nicht wegen ihres Sachwertes als kostbar – einige bestehen aus Edelmetallen und sind unbezahlbar, andere wiederum wurden aus einfachen Materialien wie Ton, Stein oder Holz gefertigt –, sondern aufgrund der Bedeutung, die ihnen die Gesellschaft beimisst, in der sie entstanden. Nicht das Objekt selbst bestimmt seinen Wert, sondern der kulturelle Kontext, weltanschauliche Überzeugungen und Traditionen.“ (S. 11)
„Juva zog am Hebel und hörte, wie die Armbrust mit beruhigendem Klicken aufklappte. Sie drückte den Kolben an die Brust, bereit zu reagieren. Lauschte. Das Totenhorn ließ seine düstere Warnung über Náklav erschallen, und direkt hinter ihr kamen Männer wieder zu Atem, aber ansonsten war es beunruhigend still auf der Straße. Kein Weinen, keine entsetzten Schaulustigen, keine Rufe aus den Fenstern.“ (S. 7)