Anders Björkelid, Dohlenwinter
„Wir sind Zwillinge, am selben Tag von derselben Mutter geboren. Wer von uns beiden älter ist, wissen wir nicht, und Vater will es nicht verraten. Wulf ist der Größere, aber nur ein paar Fingerbreit, Sunia ist die Stärkere, aber sie gewinnt nicht immer, wenn wir miteinander kämpfen.“ (9)
Die beiden Zwilline Sunia und Wulf leben gemeinsam mit ihrem Vater auf einem Bauernhof abseits des Dorfes am Waldrand. Mit ihren dunklen Haaren und ihrer blassen Haut unterscheidet sich die Familie auch äußerlich von den Dorfbewohnern und ihr Vater versteht viel mehr von der Jagd als vom Leben als Bauer, weshalb er häufig wieder gebeten wird, die wilden Bären und Wölfe zu jagen, die das Dorf und die Bauernhöfe immer wieder bedrohen.
„Aber nicht mal, als dein Körper schlapp macht und du zusammenklappst, will du wahrhaben, dass du nicht weglaufen kannst. Dass du dich deinem Gegner stellen musst. Weil du es selbst bist.“ (5)
„Manchmal gibt es Tage, die sind hell und leicht wie ein Sommermorgen. Du wachst auf, die Sonne malt zartgelbe Kringel auf die Tapete, und du weißt, das wird ein guter Tag. Aber dann, ganz plötzlich, verwandelt er sich in etwas Graues, Zähes, das an dir zieht wie ein schweres Gewicht und dich mit sich in die Tiefe reißt.“ (7)
„Was habe ich hier eigentlich zu suchen? Heute ist mein Geburtstag, um Thors willen. Ich sollte jetzt eigentlich froh und vergnügt zu Hause sitzen, statt hier oben an der Mauer der Bibliothek des Verderbens zu hängen und Kopf und Kragen zu riskieren.“ (25)
„Ich sagte, es muss auch möglich sein, dass etwas traurig ausgeht, sonst könnte es so etwas wie glückliche Enden auch nicht geben. Ein glücklicher Ausgang ist nur deshalb glücklich, weil er auch unglücklich ausgehen könnte. Und wir beide enden vielleicht traurig.“ (204)
"Meine Geschichte beginnt damit, dass ich auf dem Bett sitze und durchs Fenster sehe. Ich weiß, das hört sich nicht gerade vielversprechend an. Aber dazu muss man wissen, wo sich das Bett befindet und welchen Blick ich aus dem Fenster habe." (8)
„Zwei Buben und drei Mädchen stehen noch in der Mitte des Turnsaals und warten darauf, in eine Mannschaft gewählt zu werden. »Beeilt euch!«, sagt die Lehrerin. Sarah schaut auf ihre Füße. Sie weiß schon, dass sie als Letzte übrig bleiben wird. Sie ist die Neue.“ (5)
„Als Victoria Wright zwölf Jahre alt war, hatte sie exakt einen Freund. Genaugenommen war er der einzige Freund, den sie überhaupt je gehabt hatte. Er hieß Lawrence Prewitt, und am Dienstag, dem 11. Oktober des Jahres, in dem Victoria und Lawrence zwölf Jahre alt waren, verschwand Lawrence.“ (5)
„Aber wenn ich mich etwas länger im Spiegel anschaue, etwa eine Viertelstunde lang, dann bekomme ich ein sonderbares Gefühl. Ich nenne es das »Ich-Gefühl«. Dann schaue und schaue ich mich selbst an, so genau und so lange, wie ich es aushalte, und plötzlich passiert es, und ich verstehe nicht mehr, dass das im Spiegel ich bin!“ (12)
„Mama sagt, egal wie arm die Leute sind, ob man zu den Habenden gehört oder zu denen, die nix haben, oder ob man seiner Mama auf den Stufen dazwischen das Kreuz bricht, die besten Sachen auf der Welt gibt’s fast für umsonst. Wie zum Beispiel das gleißende Morgenlicht, das wie Diamanten über die Wasseroberfläche unseres Flüsschens tanzt.“ (11)