Herbert J. Wimmer, Wiener Zimmer
Allein wenn man über den Begriff „Wiener Zimmer“ zu rätseln beginnt, landet man mit einem Bauchfleck in den semantischen Überlegungen des Autors. Ist das Wiener Zimmer etwas wie die Wiener Melange, ist das Zimmer übriggeblieben aus Kuchl-Kabinett, ist es die räumliche Antwort auf das Frauenzimmer?
Herbert J. Wimmer errichtet streng nach Bauplan ein sprachliches Kunstwerk mit hundert Zimmern. Im Abspann gibt es zuerst ein Inhaltsverzeichnis mit Nummerierung und Titel und als Abrundung sind die Entstehungsdaten wie in einem rätselhaften Kalender einer verschollenen Lyrik-Kultur angelegt. Der Großteil der Texte stammt aus 2009, die Ausreißer sind von 2003 und 2012.
„Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte galten Demokratie und Wachstum allerdings nicht als normal; sie waren nicht einmal vorstellbar. Lediglich im ersten Jahrtausend v. Chr. gab es im antiken Griechenland einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten, in denen Demokratie und Wachstum für die Bürger im klassischen Griechenland tatsächlich normal waren. Wie es dazu kam und warum das Wissen um diesen Umstand wichtig ist, führe ich in dem vorliegenden Buch aus.“ (9)
Hinter dem lauernden Begriff „Büro“ verbirgt sich einer der größten Romane der internationalen Literaturgeschichte. Das Büro ist ein Kosmos voller Widersprüche, ein Ort vollkommenen Stillstands und eruptiver Lebensführung, ein Archiv, das Gegenstände aus dem Futur bearbeitet, ein kleingeistiges Emotionslabor, in dem die größten Freigeister ihren Gedanken nachgehen.
Die große Welt leistet sich oft kleine Nischen, in denen sie in einer einzigartigen Anordnung ihre Geheimnisse zur Schau stellt. Das kann die berüchtigte Glasmenagerie sein, worin sich die Psyche der Sammlerin spiegelt, das Kramuri-Museum am Innsbrucker Bergisl, worin die Geschichte Tirols als Devotionaliensammlung angeordnet ist, oder eben eine Asservatenkammer, worin Stücke des Schreckens und der alltäglichen Kriminalität für die Hauptverhandlungen am Gericht aufbereitet werden.
Prekäre Arbeitsverhältnisse sind längst das täglich Brot einer ganzen Generation geworden und werden auch in der Literatur dementsprechend besungen. Aber gibt es abgesehen von Prostitution prekäre Liebesverhältnisse, worin die Helden und Heldinnen aus dem Glückstopf der Emotionen abgedrängt sind und sich mit Gefühlsbrosamen begnügen müssen?
Wenn in der großen Politik nichts zu holen ist, stürzen sich die Menschen auf das kleine Glück und politisieren es. Die Hochzeit ist dabei das Parlament des kleinen Mannes und der kleinen Frau, darin können sich beide für einen Tag verwirklichen, ehe das Unglück wieder Fahrt aufnimmt.
Manche Bücher bleiben als Manifeste in Erinnerung, da ist der Inhalt des Buches schon lange vergessen. Bertha von Suttners „Die Waffen nieder“ (1889) ist so ein Buch, das wahrscheinlich seit hundert Jahren nicht mehr gelesen aber umso häufiger zitiert worden ist.
Gedichte sind oft extremen Zeitangaben ausgesetzt, zum einen handeln sie von der Flüchtigkeit des Augenblicks, zum anderen von der in Worten nicht zu fassenden Ewigkeit.
Süffisant verweisen Patrioten darauf, dass es in Tirol kaum Boulevard-Journalismus gibt, weil in diesem Land nur hochqualifizierte Journalisten in hochqualifizierten Medien für ein hochqualifiziertes Publikum schreiben.
Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens haben die meisten in Europa gestaunt, wie viele Nationalitäten und Staaten in diesem wundersamen Tito-Staat versteckt gewesen sind. Aber auch die ehemaligen Bewohner sind über Nacht in einen anderen Staatszustand versetzt worden, in dem sie sich immer noch mit ihren Geschichten einrichten müssen.