Tad Williams, Im dunklen Tal 1
„»Du musst dich retten und helfen unser Volk zu retten, sonst wird auch noch die Erinnerung an uns sterben.« Was hatte das zu bedeuten? Waren die Worte nur von ihrem träumenden Selbst an den Teil von ihr gerichtet, der schon aufgewacht war? Oder hatte jemands anders zu ihr gesprochen – ein Geist oder verirrte Reisender auf der Straße der Träume?“ (S. 32)
Als Simon, der Hochkönig von Osten Ard, Nachricht vom Tod seiner Gemahlin Königin Miriamel erhält und sein Enkel und Nachfolger Prinz Morgan weiterhin verschollen bleibt, bricht für den König eine Welt zusammen. Von allen Seiten rücken die Feinde heran und selbst im innersten Kreis des Königreichs gibt es einen Verräter, der den Niedergang des Reichs gnadenlos vorantreibt.
„Am Abend schämt sich Pete für seine Schwäche. Dem falschen Weihnachtsmann etwas ins Ohr zu flüstern, war einfach nur blöd. Die Zeit hätte er besser nutzen können. Er hätte zum Beispiel Sara etwas vorlesen können. Das wäre wesentlich sinnvoller gewesen, denn ihre Krankheit ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass keine Behandlung sie mehr stoppen kann und es keine Hoffnung mehr gibt.“ (S. 14)
„Hennie heißt eigentlich Henriette, aber so nennt sie keiner. Außer Tante Greta. Die gar nicht Hennies richtige Tante ist, sondern nur Mamas Freundin aus dem zweiten Stock. Und die immer eine schneeweiße Bluse anhat und Schuhe mit Absätzen. Klack, klack, klack machen die beim Laufen. Klack, klack, klack. Aber darum geht es gerade nicht. Nicht um Blusen oder Schuhe mit Absätzen. Um Mama geht es. Gerade alle Tage, immer.“
„Robin trat mit der Ferse gegen die Tür, die hinter ihr scheppernd ins Schloss fiel. Sie schnaubte, etwas außer Atem vom vielen Treppensteigen, aber auch ein bisschen vor Wut. Unsanft stellte sie den letzten Karton zu den anderen und blieb einen Moment davor stehen. Der Umzug war geschafft. Hier wäre von nun an ihr Zuhause.“ (S. 9)
„Künstler sind großartige Beobachter und haben die besondere Gabe, ihre Eindrücke bildnerisch zu verarbeiten. Sie zeigen die Welt aus ihrem eigenen Blickwinkel. Doch aus Neugier und Kreativität allein erwächst noch kein Kunstwerk. Wann entstanden die ersten Werke, die wir heute als Kunst im eigentlichen Sinne definieren?“ (S. 7)
„Frieda Fröhlich saß an ihrem Schreibtisch, las Wunschzettel der Kinder und seufzte. Je länger sie las, desto lauter wurden ihre Seufzer. »Briefe, Briefe, Briefe«, murmelte sie betrübt. »So viele Wünsche. Wie soll sich das alles bis Weihnachten ausgehen?«“
„Wie Lord Almont oder ihre Mutter reagieren würden, wenn sie von der Annonce in ihrer Tasche wüssten, mochte sich Hazel nicht einmal vorstellen. Es handelte sich dabei um die Ankündigung einer Anatomievorführung des berühmten Dr. Beecham III., Enkel einer großen Legende. Er war mit Sicherheit der bekannteste lebende Chirurg Edinburghs, wenn nicht sogar des gesamten Königreichs. Hazel bebte förmlich vor Aufregung, wenn sie nur daran dachte.“ (S. 32)
„Erleichtert schüttelte sich Hubertus die Lokführermütze vom Kopf. Noch immer war es für ihn nervenaufreibend, wenn er die rot lackierte Diesellok steuern musste. Als ausgebildeter Polizeihund mit Superspürnase lagen seine Stärken schließlich beim Auffinden von Spuren … und nicht darin, diese schweren Hebel und Handräder mit seinen Pfoten zu bedienen!“ (S. 7)
„Etwa zwei Stunden vor Mitternacht erschien auf einem der belebten Gehwege Manhattans wie aus dem Nichts ein Mann im Regenmantel. Sein plötzliches Auftauchen hätte eigentlich für Verwunderung sorgen müssen, doch niemand nahm von ihm Notiz. In diesem besonderen Teil New Yorks wimmelte es rund um die Uhr von Autos und Menschen, sodass in dem Gewusel niemand den anderen wirklich wahrnahm.“ (S. 9)
„Vor etwa 400 Jahren entstand aus der Verbindung von Musik, Theater und Tanz eine neue Kunstform, die man als Oper bezeichnet. Sie erlangte schnell große Popularität, und um 1700 war sie in ganz Europa beliebt. Ihr Wesen hat sie seitdem nicht verändert: Sänger erzählen auf der Bühne, unterstützt durch Orchester, Kulissen, Kostüme und Beleuchtung eine Geschichte.“ (S. 1)