Cornelia Funke, Gespensterjäger und der Weihnachtsspuk
„Natürlich warf Tom sich später vor, dass er nicht sofort begriffen hatte, dass mit diesem Baum etwas ganz und gar nicht stimmte. Aber später war man immer klüger und es war schließlich nicht leicht, irgendeinen klaren Gedanken zu fassen, wenn Weihnachtsmusik durch alle Räume dröhnte – Frank Sinatra wie jedes Jahr, obwohl Lola diesmal Taylor Swift dazwischenmischte.“ (S. 15)
Tom Tomsky, der mit Hedwig Kümmelsaft und dem liebenswerten Gespenst Hugo MUG das weithin bekannte Gespensterjägertrio bildet, ist kein großer Freund von Weihnachten. Und dass seine Eltern für ihn, obwohl er bereits zwölf Jahre alt ist, immer noch einen Weihnachtsmann anstellen, verärgert ihn ganz besonders. Lieber hätte er seine Zeit mit seinen Geisterjägerfreunden verbracht. Er ahnt nicht, dass dieses Weihnachtsfest eine ganz besondere Überraschung für ihn bereithalten wird, auf die er lieber verzichtet hätte.
„Alle schlafen. Nicht alle stehen gerne auf. Alle machen Pipi. Nicht alle setzen sich aufs Klo.“
„Greta saß abseits, auf einem Stuhl neben dem Fenster. Niemand hatte sie auch nur eines Blickes gewürdigt. Vermutlich hatten die beiden Besucher ihre Anwesenheit nicht einmal bemerkt. So wie immer. Doktor Grimaldi nahm einen Schluck Cognac. »Also, meine Herren, wo wollen wir anfangen?« Der Bürgermeister lockerte den Knoten seiner dicken Seidenkrawatte. »Ich würde mit dem Dringlichsten beginnen: der Tatsache, dass ein Leben in Gefahr ist.«“ (S. 15)
„Zu der Zeit, da Harald Gilles Söhne in Norwegen herrschten, lebte in den Dörfern um den See Mjøsa eine Sippe, die von allen die »Steinfinnssöhne« genannt wurden. Ihnen gehörten achtzehn große Höfe, verteilt über die Kirchengemeinden der Gegend.“ (S. 7)
„Das Leben ist schön. Der Bauernhof in Liebewil ist ruhig, Frau Bill ist nett, aber das Wichtigste ist: Ich bin eine Katze, ein Kater. Der Kater Kopernikus. Das Katzenleben ist großartig. Ich bin sicher: Jede Maus, jede Laus, jedes Schwein möchte eine Katze sein. Menschen sind auch ganz gut. Sie sind wichtig. Denn sie können die Dose mit dem Katzenfutter öffnen.“ (S. 7)
„Aristide griff nach dem Buch mit den goldenen Lettern auf dem Rücken. Es stand unauffällig in einer Reihe von ähnlich aussehenden Wälzern, die alle von russischen Schriftstellern geschrieben worden waren. So ganz nach seinem Geschmack waren die oft traurigen Geschichten nicht, aber Aristide konnte damit seine Kenntnisse der russischen Sprache verbessern. Bevor er das Buch ein kleines Stück weit herauszog, um damit die geheime Tür in der Bibliothek zu entriegeln, horchte er in die Dunkelheit.“ (S. 9)
Von hier oben ist die Welt viel übersichtlicher. Alles wirkt geordneter, weniger chaotisch. Erst jetzt, mit dreizehn, kapiere ich, was Papa damals gemeint hat, als er zum ersten Mal vom Gleitschirmfliegen schwärmte. Dass man die Dinge aus der Vogelperspektive klarer sieht. Durch den Abstand. Ich sitze auf dem Hochhaus und wundere mich, dass dieses schreckliche Ziehen in meinen Beinen nicht beginnt. Komisch. Auch kein Herzrasen. Als würde ich träumen und dabei wissen, dass es nur ein Traum ist und die Schwerkraft mir nichts anhaben kann. (S. 5)
„Ein geheimnisvolles Raumschiff, das über die Wiese schwebt, ein Baum, der plötzlich davonläuft, ein Haus, das zu sprechen beginnt, eine Katze, die sich verwandelt … In diesem Buch warten 33 Anfänge darauf, weitergedacht zu werden. Jedes Bild, jede Zeile ist eine Einladung, ins Schreiben und Erzählen, ins Fabulieren und Fantasieren zu kommen.“
„Gwen hatte ein Problem, und zwar ein großes. Eigentlich hatte sie sogar zwei große
„Mein Drachen war etwas Besonderes. Wendiger als ein Falke, stärker als ein Adler und schillernder als ein Eisvogel. Er beherrschte den Himmel. Er war mehr als nur ein Drachen: Er war ein Himmelskrieger. Ein Patang. Die Sonne war gerade erst aufgegangen, und über der Wüste flirrte die Hitze. Ich saß so bequem wie irgend möglich im Schatten der raschelnden Blätter unseres großen alten Feigenbaums neben dem aus Steinen aufgetürmten Schrein meiner Eltern.“ (S. 13)