Johannes J. Voskuil, Der Tod des Marteen Koning
In einem Biologen-Witz werden die Fische in Süßwasser- und Meerwasser-Tiere eingeteilt, die Menschen hingegen in Sauerstoff- und Büroluft-Atmer. Das Büro ist dabei ein eigenes Biotop, in dem alle lebensnotwendigen Zutaten künstlich hergestellt werden müssen. Physikalisch lässt sich ein Büro mit einem Raumschiff vergleichen, das mit vollendeter Schwerkraftlosigkeit an Bord durch das Weltall zischt, bis es verglüht.
Johannes J. Voskuils Kosmos „Das Büro“ glüht in seinem siebten Teil seinem Ende entgegen. Vor sechs Bänden ist Marteen Koning zufällig an einem Amsterdamer Volkskunde-Institut vorbeispaziert und tatsächlich eingestellt worden.
„Zum ersten Mal im Leben hinterging Yang Dong ihrer Mutter und stellte die Dateien aus den gelöschten Nachrichten wieder her. Die Informationen waren so umfangreich, dass sie mehrere Tage brauchte, um sie zu lesen. In diesen Tagen erfuhr sie alles über Trisolaris und das Geheimnis, das Ye Wenjie und die Außerirdischen teilten. Yang Dong war fassungslos.“ (S. 37)
Wenn man die verspielte Alltagsgeschichte mit dem großen Model der Historie aussticht, geht eher der Model kaputt als die Alltagsgeschichte.
„»Euer Vater kommt nicht mehr zurück.« Ihr Satz schien ohne Bedeutung in der Luft zu hängen. Arthur und Marie tauschten einen Blick. »Was haben Sie gesagt?«, fragte Marie. Miss Wilder hob die Augenbrauen. »Er kommt nicht wieder zurück. Ihr solltet euch also besser schnell an den Gedanken gewöhnen.« Arthur hatte das Gefühl, ein riesiges Loch würde sich unter seinen Füßen öffnen und ihn in die Tiefe ziehen. »Was soll das denn heißen?« »Er ist auf dem Dritten Kontinent verschollen – das ist alles, was ich weiß.«“ (S. 16 f)
Auf der wahrlich großen Lebensreise verlieren die Reisenden allmählich das Ziel, am Schluss wissen sie gar nicht mehr, dass sie auf Reisen sind.
„An einem rundum perfekten Nachmittag entdeckte Jim Panse an seinem Ast eine Einladung. »Du bist zu Stachelschweins Party eingeladen.« »Party?«, murmelte Jim. »Hmmm …«
Sexual Reality (SR) gilt spätestens seit Henry Miller für die Literaturbeschreibung als Hilfsmittel, um eine obsessive fiktionale Wirklichkeit zu beschreiben, zu der der Leser nur bedingt vordringen kann. Diese Realität lässt sich am ehesten mit Virtual Reality (VR) vergleichen, worin ja auch die User hinter dicken Digital-Brillen sitzen und nur schwer mit Brillenlosen kommunizieren können.
„»So wie die Dinge stehen, gibt es eine Aufgabe für dich.« »Und was soll das sein?« Alina sah ihn an. »Das musst du schon selbst herausfinden.« »Aha«, sagte Vincent. Er mochte es nicht zugeben, aber die schnurgerade Reihung der Planeten beeindruckte ihn. […] »Ich an deiner Stelle würde mir diese Konstellation genau merken. Du könntest damit den Lauf der Welt ändern.« (S. 46 f)
„Im übertragenen Sinn beginnt jede Karriere eines Selbstmörders mit einem Hungerstreik.“ (257)
„Manchmal frage ich mich, wer über meine Gedanken bestimmt? Ich selber? Natürlich ich. Und doch kommt es vor, dass sie ziehen, wohin sie wollen, und bis nach Siebenbürgen fliegen, wo ich gelebt habe, als ich klein war. Dort, wo auch Dracula gewohnt hat, der Vampir, der Menschen biss und ihr Blut trank. Das hat mir mein großer Bruder Adam erzählt. (S. 9 f)