Aktuelle Buchtipps

 

Güni Noggler, ausgekocht

h.schoenauer - 30.12.2020

güni noggler, ausgekochtIm Entertainment gelten Gespräche in einer künstlichen Küche als nette dramaturgische Konstellation, wo fallweise über Zwiebel und Kartoffel geredet werden kann, wenn das Gespräch zu sehr in die Tiefe eines Themas abdriften sollte.

Güni Noggler greift für sein Radio-Format „ausgekocht“ diese Hintergrund-Konstellation einer Küche auf, aber er bleibt so lange auf Sendung, bis die handelnden Personen wirklich ausgekocht sind und als blasse Karkasse am Küchentisch liegen.

Sabine Bohlmann, Ein Mädchen namens Willow

andreas.markt-huter - 28.12.2020

sabine bohlmann, ein mädchen namens willow„Deine Erinnerungen werden allerdings zurückkommen. Die Guten wie die nicht so guten. Vorausgesetzt, Du nimmst das Erbe an, das ich Dir hinterlassen habe. Denn ich habe Dir, liebes Kind, nicht nur den Wald hinterlassen und dieses Haus, ich hinterlasse Dir das Größte und Wertvollste, was ich habe: mein Hexenkraft.“ (S. 38)

Wieder einmal muss Willow mit ihrem Vater Adam Flynn übersiedeln. Tante Alwina hat ihrem Vater ihr Haus und Willow den angrenzenden Wald mit einem kleinen Waldhäuschen vererbt. Zunächst scheint ihr alles ein wenig verfallen und wenig interessant. Sie ahnt nicht, dass für sie ein vollkommen neues Leben beginnen wird. Ihre Tante war nämlich eine Hexe.

Gertraud Klemm, Hippocampus

h.schoenauer - 26.12.2020

gertraud klemm, hippocampusJeder Mensch trägt ein Seepferdchen im Hirn spazieren, im Gehirn liegt nämlich der sogenannte Hippocampus. In diesem Denklappen in Gestalt eines Seepferdchens werden Daten verknüpft und zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis hin und her geschaltet. Wer den Hippocampus klug zu verwalten vermag, kann mit Denkgewinn Zeitloses als aktuelle Gegenwart ausgeben und umgekehrt.

Gertraud Klemm versteckt in ihrem grotesken Roman Hippocampus allerhand Literaturtheorien und kleidet sie mit vulgärem Schamott aus. Im Roman rasen Held und Heldin physisch durch den Kunstbetrieb und markieren an vorgeblich wichtigen Schnittstellen zwischen Kunst und Kritik wie wild gewordene Hunde, indem sie Installationen aus Fäkalien und Imitationen von Genitalien hinterlegen.

Manfred Schlüter, Guruku Gugukuru

andreas.markt-huter - 24.12.2020

manfred schlüter,_guruku„Eins / Vom Suchen und Finden. Von vielen Fragen. / Vom Stelldichein der stummen Sänger / und einem seltsamen Brief. / Von einem Platz fürs Wolkenkuckucksheim. / Und von viel Musik.“ (S. 9)

Kinder werden magisch von Geschichten und Gedichten in gebundener Sprache angezogen, die sie häufig bereits nach mehrmaligem Anhören auswendig zu rezitieren vermögen. Erwachsene werden dabei sofort auf jede Pause und jedes kleinste Wort aufmerksam gemacht, das beim wiederholten Lesen vergessen wird.

C. H. Huber, Die Vögel reden wieder miteinander

h.schoenauer - 23.12.2020

c.h. huber, die vögelGerade als allenthalben die Vögel ausgerottet werden und somit bald die Lyrik verschwunden sein wird, denn die Lyrik lebt von den Vögeln, taucht eine optimistische Botschaft auf: Die Vögel reden wieder miteinander.

C. H. Huber besticht seit Jahrzehnten mit ihrem zuversichtlichen Ton, der vor allem über drei fundamentale Motive gespannt ist: Süden, Erotik und Anrücken eines großen Herbstes. Im aktuellen Lyrikband sind diese Themen fünf Gedankenkreisen zugeordnet:

Lian Hearn, Die Legende von Shikanoko - Fürst des schwarzen Waldes

andreas.markt-huter - 22.12.2020

lian hearn, shikanoko„»Erzähl Mu von dem Preis, den Shika zahlen musste«, sagte Kuro. »Von der Maske.« »Diese Hirschmaske, die er zum Zaubern benutzt«, sagte Kiku. »Sie steckt auf Shikas Gesicht fest. Er kann sie nicht mehr abnehmen. Shika ist jetzt halb Mann, halb Hirsch.«“ (S. 62)

Shikanoko ist es zwar gelungen, den mächtigen Fürstabt zu vernichten, hat dabei aber seine große Liebe, die Herbstprinzessin Akihimene verloren. Begleitet von seinen treuen Begleitern, Nagatomo und die beiden „Verbrannten Zwillinge“ zieht sich Shikanoko voll Trauer in den Schwarzen Wald zurück, während die neuen Machthaber das Land ihrer Gegner verwüsten.

Alessandro Baricco, Die Barbaren

h.schoenauer - 21.12.2020

alessandro baricco, die barbarenZwölf Jahre sind im Literaturbetrieb schon fast eine Epoche, und wenn ein Kulturessay nach zwölf Jahren immer noch aktuell ist, so hat er wohl etwas Epochales an sich.

Alessandro Baricco veröffentlicht 2006 einen Fließ-Essay über die Mutation der Kultur. Der Ausdruck Fließ-Essay beschreibt die Art, wie der Autor mit dem Publikum kommuniziert, es handelt sich um eine Art Fortsetzungstext, der wöchentlich von Neuem beginnt und je nach Lage der Woche mehr oder weniger tagespolitische Ansätze aufweist. Der Leser wird dabei mündlich angesprochen und wie in einem Espresso-Gespräch behutsam durch das Thema geführt. Ein kluger Schachzug besteht dabei in der Einführung von Barbaren, sie sind diffus und allgemein gehalten und können eine Bedrohung von außen sein, aber auch eine augenzwinkernde Selbstdarstellung der Kultur-Insider.

Björn Berenz / Christoph Dittert, Explorer Team. Das Abenteuer beginnt!

andreas.markt-huter - 19.12.2020

björn berenz, explorer team„Daddy ist nicht grundlos verschwunden. Ich glaub, jemand wollte ihn verschwinden lassen. Aber warum? Ziemlich sicher darf niemand wissen, dass ich dieses Tagebuch habe. Und darin steht ganz klar, dass ich ihn finden soll. Aber das ist das Einzig, das darin klar ist.“ (S. 17)

Lias Milestone begibt sich auf eine abenteuerliche Reise nach Nepal, wo er sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater macht. Dazu muss er zahlreiche versteckte Hinweise richtig deuten und knifflige Rätsel lösen, die ihm sein Vater in einem Expeditionstagebuch hinterlassen hat.

Elias Schneitter, Ein gutes Pferd zieht noch einmal

h.schoenauer - 18.12.2020

elias schneitter, ein gutes pferd zieht noch einmalDie Erinnerung ist ein Pferd, das morgens auf den Acker geht und abends als Salami nach Hause kommt. Aber auch der Acker erlebt sein Asphalt-blaues Wunder und verwandelt sich innerhalb von Stunden in eine Schnellstraße.

Elias Schneitter ist der Spezialist für außerordentliche Helden vom Rand der Gesellschaft. Wenn seine Sprache oft grotesk unterkühlt wird, so huldigt er damit dem puren Realismus. In seinen Erzählungen ist nichts aufgeputzt oder abgeschliffen, die Sätze liegen unbehauen herum wie jenes seltene Brachland, auf dem die Figuren ihre Wunschträume mit morschem Holz und Bruchziegel errichten.

Pierre Pollendinger, Hygiene-Helden gegen Virulento

andreas.markt-huter - 17.12.2020

pierr pollendinger, hygienhelden„Virulento ist ein Bösewicht, man hört und sieht und riecht ihn nicht. Er ist hinterhältig, verschlagen und gemein, und macht sich deshalb winzig klein. Virulentos Vorhaben ist einfach zu erklären, er will sich in unseren Körpern vermehren.“

Die Covid-19-Pandemie belastet nicht nur Erwachsene und Jugendliche in einem erheblichen Ausmaß, sondern auch Kinder, für die es schwer verständlich ist, dass etwas so Kleines und nicht Sichtbares gefährlich sein kann. Ein guter Grund das Virus und die wichtigsten Maßnahmen kindergerecht zu erklären.