Ulf Erdmann Ziegler, Schottland und andere Erzählungen
Eine Anfängergeschichte erklärt dir so lange, wer insgeheim wer ist, dass für die eigentliche Erzählung nichts mehr übrig bleibt. Eine professionelle Geschichte setzt mitten im Satz ein und nimmt dich dermaßen heftig mit ins Geschehen, dass es dir als Leser ziemlich Wurst ist, wer insgeheim wer ist.
Ulf Erdmann Ziegler hat in seinen beiden Romanen „Nichts Weißes“ und „Und jetzt du Orlando“ mit seinem fotografischen Erzählstil Furore gemacht. Mit der Handkamera fährt er mitten in ein Geschehen hinein, und der Leser wird dadurch in die Szene eingeschleust wie ein „embetteter“ Journalist. In seinen Erzählungen steigert er diese Erzählkunst, indem alles noch konziser und schroffer geschehen muss, weil ja nicht viel Raum und Zeit zum Erzählen da ist.
„Die ganze Mathematik in einem Buch – das ist unvorstellbar, denn es gibt einfach zu viel Mathematik. In der Tat existiert Mathematik seit mindestens 5000 Jahren. Während dieser langen Zeit haben Mathematikerinnen und Mathematiker unablässig mathematische Erkenntnisse erzielt und veröffentlicht.“ (S. 11)
Für die Dechiffrierung von Lyrik helfen oft die zwei animalischen Faustregeln: Vögel bedeuten in den Gedichten meist Zeit, und die Fische tauchen immer dann auf, wenn etwas umsonst ist, für die Fisch sozusagen.
„Dieses Buch präsentiert 60 Tiere, Pflanzen und andere Naturmotive, die jeweils in nur zehn einfachen Schritten gezeichnet werden. Ob niedliche Blaumeise, elegante Feder oder üppige Waldpflanze: Ihr Lieblingsmotiv ist bestimmt dabei.“ (S. 6)
„Vieles steht auf dem Spiel. Manche sagen, es gehen um alles. In der Tat geht es um die Frage, ob eine wachsende und nach Wohlstand gierende Menschheit in der Lage ist, sich auf einem begrenzten Planeten so einzurichten, dass auch die den Menschen umgebende und für sein eigenes Überleben unabdingbare Natur eine Chance hat.“ (S. 7)
„In diesem Buch finden Sie kurze, vielfältige Übungen und Spiele, die optimal auf den Übertritt in die Schule vorbereiten und Aufmerksamkeit, logisches Denken und Ausdauer fördern.“ (S. 3)
„Kennen Sie das: Sie saßen irgendwo, ohne etwas Bestimmtes im Sinn, ließen einfach nur ihren Blick schweifen? Und dann fiel Ihnen vielleicht ein: »Wie wäre es, dort einen Baum zu pflanzen?« Oder: »Wodurch ließe sich dieser Plattenbelag ersetzen?« Damit haben Sie sich unbewusst oder bewusst dieses Stückchen Land gestalterisch angeeignet […]. Willkommen in der Welt der Gartengestaltung.“ (S. 7)
„Die letzten Berechnungen sind abgeschlossen. Jetzt herrscht kein Zweifel mehr. In gut einem Monat ist es tatsächlich vorbei. Man hat uns sogar schon eine Uhrzeit genannt. Am sechzehnten September morgens um vier Uhr zwölf mitteleuropäischer Zeit trifft der Komet Foxworth in die Erdatmosphäre ein.“ (S. 16)
Im großen Globalisierungsrausch, der meist auf Englisch durch das Netz zischt, geht fast schon verloren, dass Literatur etwas mit Sprache zu tun hat. Neben der Erzählsprache, die sich von Gebrauchsanweisungen unterscheidet, ist es gerade in der poetischen Fiktion relevant, in welcher Sprache erzählt wird. Zwischen der Originalsprache und der Übersetzung gibt es Buch-technisch gesehen den Paralleldruck als Sonderform.
„Dieser Kaktus nimmt es locker. Mit seiner runden Basis kann er sich durch die Wüste zu seinen Kaktusfreunden schaukeln oder sich abends in den Schlaf wiegen.“ (S. 8)