Konrad Rabensteiner, Der geköpfte Adler
Eine Chronik der Kindheit ist meist wie eine windstille Hängematte zwischen zwei Bäumen der Gelassenheit aufgeknüpft, einmal ist es der Stamm der Altersmilde, der jede Kindheit abgerundet erscheinen lässt, zum anderen der Pfosten der Kindheit selbst, die ja mangels an Vergleichen immer als die beste der Welt empfunden wird.
Konrad Rabensteiner schreibt im Roman „Der geköpfte Adler“ eine Kindheit im Villanders der frühen 1950er Jahre auf, gleich zu Beginn fällt die magische Zeitangabe „sieben Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg“. Der Ich-Erzähler hat die Reife und Lebenserfahrung eines Erwachsenen, denn die Ereignisse werden zwar in einer zeitgenössischen Ergriffenheit geschildert, in Auswahl und Beurteilung aber aus der Sicht eines Alten.
„Innerhalb unserer Welt existiert eine weitere, magische Welt, und man muss keine Wand durchbrechen, um sie zu finden. Es ist ein Ort, an dem weltweit beliebtes Spielzeug und einer der größten Filmreihen trifft, um etwas Neues und Spektakuläre zu schaffen.“ (S. 6)
Ab wann wird der Nagel, an dem das Bild hängt, selbst zum Bild? Wie stark muss ein Satz sein, dass er einen Absatz tragen kann? Wie fett darf eine Headline ausfallen, dass sie den darunterliegenden Text gerade noch nicht erschlägt?
„»Mika Corbin, was habe ich gerade gesagt?« Die ganze Klasse fing an zu kichern. Oje! Ich hob den Kopf. Genau vor meinem Tisch stand Lehrerin Faber. Ich starrte sie an und blinzelte verwirrt. Ich hatte sie gar nicht kommen sehen.“ (S. 7)
„Das Unterrichtsmaterial unterstützt Sie dabei, Ihren Schülern die Bedeutung eines respektvollen Miteinanders zu vermitteln, indem es die Themen der Lektüre auf vielfältige Art und Weise aufgreift. Es ist in einen didaktischen Teil und daran anschließende Kopiervorlagen gegliedert.“ (S. 3)
“Erschrocken starrte Robert zur Tür. Eine schwarze Gestalt schob sich ins Zimmer und ließ einen grimmigen Blick durch die Klasse schweifen. Bedrohlich leuchtete der Totenkopf. Als Robert die langen, spitzen Zähne entdeckte, bekam er eine Gänsehaut. Der Körper des Eindringlings war bedeckt mit blitzenden Stacheln.“ (Monsterboy light, S. 7)
In der Literatur geht niemand verloren! Damit dieses schöne Sprichwort auch in Gültigkeit bleibt, müssen Bücher immer wieder vor dem Vergessen gerettet werden. Der Haymon-Verlag wirkt mit seinen Werkausgaben als mustergültiger Retter abdriftender Literatur.
„»Au!« Das fängt ja gut an. Die Maus liegt faul im Gras und plötzlich wird sie in den Schwanz gezwickt. Es ist die Amsel. »Oh! Ich dachte, das sein ein Wurm. Entschuldige. Ich bin etwas durcheinander.«“
Die Melancholie ist gleich alt wie die Pädagogik, folglich geraten Pädagogen in zunehmendem Alter in die Melancholie.
Die Zeit zwischen Hardcover und Taschenbuchausgabe nützen professionelle Leser manchmal, um die dargestellte Welt einmal hart und einmal weich zu überprüfen. Die beiden Buchsorten werden von jeweils einem anderen Publikum wahrgenommen und diskutiert. Im Rezensionswesen ist es zudem nicht üblich, ein Buch noch einmal zu besprechen, wenn es als Taschenbuch erscheint.