Verena Reinhardt, Herr Schnettelbeck und das Geheimnis der verschwundenen Sterne
„Am Himmel waren keine Sterne mehr. Da stand Herr Schnettelbeck nun und glotzte dumm. »Was ist denn da passiert?«, murmelte er und kratzte sich am Kopf. »Seit wann sind die Sterne weg?« Und er kratzte sich und kratzte sich, aber egal wo er sich kratzte – er konnte sich nicht erinnern, wann er die Sterne das letzte Mal gesehen hatte.“ (S. 8)
Der schon in die Jahre gekommene Mistkäfer Herr Schnettelbeck und hat beschlossen noch eine letzte schöne Dungkugel zu rollen und dann zu sterben. Damit wäre das Buch schon zu Ende, wenn nicht Mistkäfer ihre Dungkugeln nach den Sternen ausrichten würden. Als der Käfer aber seinen Blick zur Milchstraße richtet, erblickt er nur den Mond und den leeren, schwarzen Himmel.
Bestseller sind Bücher, die eine Zeitlang in aller Munde sind und deshalb die zögerliche Leserschaft in die Bibliothek locken. Viele Erstkontakte zu den Lesern verdanken wir Bibliothekare den Bestsellern, denen wir freilich Euphorie-begrenzt begegnen.
„»Das klingt nicht gut«, sagte Herr Locke besorgt. »Nein, das klingt gar nicht gut.« »Was meinen Sie?«, fragte Nickel. »Dass der Herd an war?« »Alles«, sagte Herr Locke. »Alle Indizien sprechen dafür, dass Frau Perle gestern Abend zwischen sechs Uhr und sechs Uhr dreißig auf dem Weg zum Bäcker etwas völlig Unerwartetes zugestoßen ist.« (S. 35)
„Die globale politische Landschaft hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. So haben etwa der rasante Anstieg von Parteien wie der AfD in Deutschland und des Rassemblement National in Frankreich, der Brexit und die Präsidentschaft Donald Trumps, […] die nationalen und internationalen politischen Verhältnisse nachhaltig – und in den Augen vieler Betrachter – zum Schlechteren verändert.“ (S. 7)
„Der einzige Weg in die Burg führte durch das Torhaus. Dies war der schwächste Punkt der Burgmauer. Angreifer, die sich hier näherten, wurden mit Pfeilen beschossen oder man goss kochendes Wasser auf sie herab. Man konnte auch ein Fallgitter herablassen, dann saßen die Feinde in der Falle. (S. 4)
Lyrik ist nur im Hardcore ein poetisches Gebilde, das aus seltsamen Wortkonstellationen besteht. In der dynamischen Gedichte-Welt der Gegenwart sitzt die Poesie als Humor, Wissenschaft, Dramaturgie oder Drehbuch zwischen den Zeilen. Manche Gedichte dieser Bauart sind nur durch Zufall ein Gedicht geworden, genauso gut könnten sie ein Spielfilm oder ein Theaterstück sein.
„Ihr wurdet nicht einfach ausgesetzt. Es war jemand dort, hat dem Ohm und mir euch zwei kleine Schreihälse übergeben. Dazu gab es einen Batzen Geld und einen Brief. Der Ohm und ich mussten schwören, niemals über diese Nacht zu reden.“ (S. 69)
Je heftiger ein Rohr ums Eck gebogen wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es leckt und eine gigantische Gaswolke austritt. Wenn die Geschichte ums Eck biegt und einen Systemwechsel vorschlägt, entstehen in der Begleitliteratur die wildesten Helden und Geschichten.
„Es gab in den vergangenen 2500 Jahren so viele bedeutende Menschen, dass ihre Lebensgeschichten nicht alle in ein Buch passen würden.“ (S. 16)
Manche Geschichten lassen sich nicht unterkriegen und tauchen gerade dann auf, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Diese „alten Geschichten“ werden oft mit einer lässigen Handbewegung zuerst abgewehrt und dann doch erzählt.