Aktuelle Buchtipps

 

Franz Schuh, Fortuna

h.schoenauer - 29.04.2019

Franz schuh, fortunaOft hilft ein Piktogramm, damit man sich etwas Abstraktes vorstellen kann. Im Falle der Fortuna steht eine Frau mit dem Rücken zum Zuschauer an einer laternenpfahlähnlichen blauen Säule und ist mit dem rechten Träger des Badeanzugs an einen Strich aus Sommer angekettet.

Franz Schuh erzählt ähnlich wie das Cover auf seinem „Magazin des Glücks“, überschaubar, reduziert, weiträumig und logisch. Man liest die längste Zeit und merkt gar nicht, dass man schweres philosophisches Gelände bewältigt hat. Seine Gedankengänge führt er oft als Unterflurtrasse durch seine eigene Textlandschaft, die beschwingt wie ein Erlebnisroman über den Fährnissen des Erzählers angelegt sind.

S. J. Kincaid, Diabolic. Durch Wut entflammt

andreas.markt-huter - 27.04.2019

s. j. kincaid, durch wut entflammt„Jemand hatte mich vergiftet. Das wusste ich schon nach dem ersten Schluck. Und das bedeutete: Es würde Tote geben. Ich sah mich im überfüllten Audienzsaal nach dem bedauernswerten Idioten um. Wer war hier so blöd, eine Diabolic vergiften zu wollen?“ (S. 14)

Nach dem Tod Kaiser Randevalds besteigt sein Sohn Tyrus von Domitrian den Thron und erklärt öffentlich sich mit der Diabolic Nemesis vermählen zu wollen. Zahlreiche Grandiloquay, die Senatoren der aristokratischen Familien der Helioniker, sehen die Machtübernahme von Tyrus als Angriff auf ihre Tradition und Kultur und planen den Sturz und die Ermordung des jungen Herrschers und seiner gefürchteten Diabolic.

Johannes Richardt (Hg.), Die sortierte Gesellschaft

andreas.markt-huter - 26.04.2019

johannes richard, die sortierte gesellschaft„Gerade innerhalb der Linken betrachten viele Identitätspolitik als ein Mittel, um Minderheiten zu schützen. Sie wird als Quelle des Selbstbewusstseins und als Ausgangspunkt von Politisierung und Selbstorganisation für ausgegrenzte Minderheiten dargestellt. Die in »Die sortierte Gesellschaft« versammelten Autoren sind skeptisch gegenüber dieser Auffassung.“ (S. 6)

Die Idee, für marginalisierte Gruppen Anerkennung und Respekt für ihr spezifisches Anderssein zu fordern, scheint auf den ersten Blick positiv und sympathisch zu sein, führt aber rasch zu einer Fragmentierung der Gesellschaft, in der sich lauter unterschiedliche „Identitäten“ gegenüberstehen, die eine Sonderbehandlung verlangen. Demgegenüber stellen die Autoren des Buches den Universalismus der Aufklärung mit Werten wie Vernunft, Freiheit und Demokratie gegenüber.

Petra Steckelmann, Die Nachtschwärmer

andreas.markt-huter - 25.04.2019

petra steckelmann, die nachtschwärmer„Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war und der Mond hoch oben am Himmel den Schlaf der Menschen bewachte, strömten die Nachtschwärmer aus und nahmen ihre Arbeit auf. Sie eilten mit ihren Koffern von einem Haus zum anderen.“

Wenn es Nacht wird kommen die Nachtschwärmer, um unentdeckt von einem Haus zum anderen zu strömen und zwei Fahrscheine in die Hände der Schlafenden zu legen: einen Hinfahrschein und einen Rückfahrschein für das Land der Träume.

Gerald Pusch, Schwarzer Schnee

h.schoenauer - 24.04.2019

gerald pusch, schwarzer schneeWegen der schwarzen Milch des Paul Celan durfte das Wort „schwarz“ in der Literatur eine Zeitlang nur im Zusammenhang mit dem Holocaust verwendet werden. Ein paar Generationen später darf man jetzt wieder schwarzer Schnee sagen, wenn der Schnee schwarz ist.

Gerald Pusch erzählt von einem Mathematikstudenten in Linz, der während des Wintersemesters in ein schwarzes Loch fällt und nicht mehr herauskommt. Dabei beginnt der Roman wie eine österreichische Idylle, der Ich-Erzähler kommt nach ein paar Schaltvorgängen im Hirn aus dem nächtlichen Traummodus heraus und begibt sich zur Couch, wo sich eine nette Sitzmulde gebildet hat. Heute ist ein guter Tag, denn der Lieblingssender wird bis zu zwölf Stunden am Stück Schirennen übertragen.

A. L. Kennedy, Onkel Stan und Dan und das fast ganz ungeplante Abenteuer

andreas.markt-huter - 23.04.2019

a. l. kennedy, onkel stan und dan„Dan der Dachs erlebte einen sehr schlimmen Abend, wenn nicht den schlimmsten seines ganzen Lebens. Er steckte in einem Sack. Es war ein furchtbar kratziger und widerlicher Sack, und der roch, als hätte jemand anderes, nämlich auch ein Dachs, vor ein paar Tagen darin geweint und sich danach vielleicht auch übergeben.“ (S. 7)

Dan, ein junger und kleiner Dachs, der am liebsten in seinem Schaukelstuhl sitzt und mit seiner Mundharmonika spielt, wird gefangen und in einen Sack gesteckt. Zwei böse alte Schwestern der Familie McGloone haben ihn gefangen und er ahnt noch nicht, welches schreckliche Schicksal sie für ihn geplant haben.

Jens-Uwe Krause, Geschichte der Spätantike

andreas.markt-huter - 22.04.2019

jens-uwe krause, spätantike„Lange Zeit ist in der althistorischen Forschung die Auffassung vertreten worden, das Römische Reich sei im 3. Jh. stark geschwächt worden. Die archäologischen Forschungen, die sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt der Spätantike zugewandt haben, haben dazu geführt, diese Vorstellung zu korrigieren.“ (S. 31)

Jens-Uwe Krauses „Geschichte der Spätantike“ bietet einen kompakten historischen Abriss der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und religiösen Geschichte des ausgehenden Römischen Reichs von der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts bis zum Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr.

Wolfgang Pollanz, Hasta la vista, baby

h.schoenauer - 19.04.2019

wolfgang pollanz, hasta la vista, babyEs gibt so messerscharfe Jahre, die eine Biographie in vorher und nachher trennen. Für die Jahrgänge der 1950er Jahre gibt es um 1970 herum diesen Einschnitt, wo der Hippie-Boom vorbei und der Kampf gegen den Vietnamkrieg aufgenommen ist. Als markanter Roman über diese Zeit gilt Peter Handkes „Der kurze Brief zum langen Abschied“. Darin fährt der Held einsam und abseits aller Weltgeschehnisse durch Amerika, um am Schluss seinem Bruder beim Holzfällen zuzuschauen.

Wolfgang Pollanz, Jahrgang 1954, schickt seinen Helden Arno Weissenegger in ähnlicher Mission durch Kalifornien. Dieser ist Bodybuilder und Steirer und versucht eine Weltkarriere, für die durchaus Schwarzenegger Vorbild ist, obwohl im Vorspann ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es mit niemandem eine Ähnlichkeit gibt, höchstens in einem Paralleluniversum.

Sarah Moore Fitzgerald, All die verborgenen Dinge

andreas.markt-huter - 16.04.2019

sarah moore fitzgerald, all die verborgenen dinge„Neds Hände waren braungebrannt. Sei Gesicht auch. Er hatte große Augen, und seinen Wimpern waren ganz dunkel, als würde er Mascara verwenden. Aber wer Ned Buckley kannte, wusste, dass das unmöglich war. Ich weiß noch genau, dass Laura mich immer wieder schubste und zischte, ich solle ihn nicht dauernd anglotzen.“ (S. 5)

Mitten im Wintersemester wechseln Ned Buckley und Martin Cassidy an die irische Nettlebog Secondary School, wo sie von ihren Mitschülern gleich als Außenseiter betrachtet werden, auch wenn ihre distanzierte und geheimnisvolle Art viele neugierig macht. Während Martin die Schule schon bald wieder verlässt, beginnt Ned eine immer wichtigere Rolle im Leben der jungen Minty zu spielen.

Kurt Leutgeb, u.a. (Hg.), Gegen den Ball

h.schoenauer - 15.04.2019

gegen den ballEin guter Roman ist wie ein Fußballspiel, Figuren rennen mehr oder weniger koordiniert einem Thema nach, Gedankengänge werden abgeblockt, plötzlich tun sich Alternativen auf, und zwischendurch gibt es starke Emotionen, wenn sich jemand verletzt hat oder gar sein Ziel erreicht, indem er das berühmte Goal macht.

Längst gilt Fußball als Kultureinrichtung wie die Oper oder das Literaturhaus, auf die Spitze getrieben wird dieser Respekt vor dem Fußball, wenn sogenannte Nationalmannschaften aus Dichtern im Rahmen eines Kulturfußballfestes gegen einander antreten mit der Absicht, niemanden außer den Ball zu treffen.